Der Circularity Gap Report von Circle Economy Switzerland und Deloitte Schweiz zeigt ein ernüchterndes Bild: Nur knapp 7 Prozent der in der Schweiz verwendeten Rohstoffe stammen aus sekundären Quellen wie dem Recycling. Rund 93 Prozent der in der Schweizer Wirtschaft eingesetzten Materialien und Rohstoffe stammen also aus Primärquellen, sprich: neu abgebauten natürlichen Ressourcen. Insofern ist nicht überraschend, dass gemäss einer Umfrage der Berner Fachhochschule sich nur gerade rund 10 Prozent der Unternehmen substanziell mit der Transformation in Richtung Kreislaufwirtschaft beschäftigen.

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Für Swisscleantech, den Wirtschaftsverband der klimatauglichen Wirtschaft, ist die Förderung der Kreislaufwirtschaft eine Priorität. Die Politik hat den Handlungsbedarf erkannt: Mit der Revision des Umweltschutzgesetzes hat der Nationalrat wichtige Weichen gestellt. Die Vorlage stärkt Branchenlösungen und ermöglicht somit das Recycling in Bereichen, wo der Abfall derzeit noch verbrannt wird. Doch ganz im Sinne der Kreislaufwirtschaft geht die Vorlage über das Recycling hinaus, indem unter anderem die Wiederverwendung und Reparatur von Produkten über einen Reparatur-Index gefördert werden. Swisscleantech setzt sich für diese klimapolitisch zentrale Vorlage ein und begleitet den politischen Prozess eng.

 

Kreislauflösungen aus den Firmen

Gleichzeitig ist klar: Wenn wir spätestens 2050 netto null erreichen wollen, muss die Wirtschaft vorangehen. Mitglieder von Swisscleantech aus zahlreichen Branchen sammeln bereits Erfahrungen bei der Etablierung von kreislauffähigen Businessmodellen. Einige erklären die Kreislaufwirtschaft zum Kern ihrer Strategie, andere starten damit, bestimmte Teilbereiche ihres Angebots kreislauffähig zu machen. All diese Firmen gehen voran und hoffen langfristig auf einen Wettbewerbsvorteil!

Einige Beispiele: On hat mit Cyclon eine hundertprozentig recycelbare Schuh- und Bekleidungslinie lanciert. Ganz im Sinne der Zirkularität werden die Produkte aus Rizinusbohnen, einem nachwachsenden Rohstoff, hergestellt. Dies macht On zu einem guten Beispiel für ein Unternehmen, das einen Teil des Angebots kreislauffähig gestaltet und das Ziel hat, das Konzept später auf weitere Produkte auszuweiten.

Der Autor

Fabian Etter, Co-Präsident Swisscleantech, Zürich.

Das Startup Kooky bietet eine innovative Lösung für die Nutzung von Mehrwegbechern: Konkret stellt es eine Abrechnungs- und Abwicklungsplattform für Städte, Unternehmen und die Gastronomie zur Verfügung, mit der Mehrwegbecher «verwaltet» werden können. Denn in der Schweiz werden jährlich rund 500 Millionen Einwegbecher benutzt, was einer rund 10 000-Tonnen-CO2-Emission entspricht. Kooky ist Beispiel für ein Unternehmen, das sich auf ein konkretes Problem fokussiert – die Nutzung von Einwegbechern – und die Kreislauffähigkeit als Kern des Businessmodells definiert hat.

Der Bausektor ist für 14 Prozent der CO2-Emissionen in der Schweiz verantwortlich. Als wichtiger Player in der Bau- und Immobilienwirtschaft hat sich Halter kürzlich eine neue Vision gegeben: «Die Unterstützung des Netto-null-Nachhaltigkeitsziels in allen Projekten durch die Etablierung der Kreislaufwirtschaft.» Die Generierung von Daten ist dabei ein integraler Bestandteil der Strategie. Sie bieten die Grundlage für fundierte Entscheidungen beispielsweise bezüglich des ökologischen Nutzens einer Sanierung versus eines Neubaus, der Umnutzung von Gebäuden oder der Wiederverwendung von Bauteilen.

Wer an Kreislaufwirtschaft denkt, denkt oft an Recycling. Die Thommen Group ist der grösste Recycler der Schweiz. Das Unternehmen hat an Stellenwert für seine Kunden gewonnen, weil es sich vom klassischen «Schrotthändler» zum Partner weiterentwickelt hat, der hilft, die eigenen Klimaziele zu erreichen. 

 

Kollaboration und Austausch gefordert

Trotz aller positiven Beispiele: Wir müssen die Etablierung der Kreislaufwirtschaft deutlich beschleunigen, wenn wir das Netto-null-Ziel erreichen wollen. Dafür sind zwei Aspekte zentral: Erstens: Anders als bei einem Heizungsersatz oder der Umstellung der Flotte auf Elektroautos geht es bei der Kreislaufwirtschaft um strategische Fragen, die eine starke Einbindung der Geschäftsleitung bedingen. Häufig ist eine Anpassung des Geschäftsmodells erforderlich. Zweitens: Kreislauffähige Lösungen können nur mit Partnern, Lieferanten und Kundinnen und Kunden gemeinsam erarbeitet werden. Kollaboration und Austausch über die Branche hinweg ist unabdingbar.