Wie nachhaltig ist die Facility-Management-Branche?

Das Thema Nachhaltigkeit spielt schon seit einigen Jahren eine sehr wichtige Rolle für das Facility-Management. Bereits seit 2001 ist die ISS-Gruppe Mitglied im UN Global Compact, der weltweit grössten Initiative für eine nachhaltige Unternehmensführung.

Was haben Sie sich als Unternehmen konkret vorgenommen?

Im letzten Jahr haben wir ein ambitioniertes Netto-null-Klimaziel definiert: bis 2030 Scope 1 sowie 2 und bis 2040 alle drei Scopes. Umwelt ist zudem eine der fünf Prioritäten unserer One-ISS-Strategie und wird über unser nach ISO 14001 zertifiziertes Umweltmanagement sichergestellt.

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«Dabei setzen wir zunehmend auf digitale Sensorlösungen.»

 

Und wie spüren das Ihre Kunden?

Wir entwickeln laufend neue Nachhaltigkeitslösungen für Kunden – von der energieeffizienten Gebäudetechnik über nachhaltige Workplaces mit Recyclingkreisläufen von Wertstoffen bis hin zur ökologischen Reinigung. So unterstützt ISS Schweiz seine Kunden bei der Erreichung ihrer Umweltziele und der Dekarbonisierung von Gebäuden, verbessert deren ESG-Rating und trägt zu klimafreundlichen Gebäuden und umweltfreundlichen Arbeitsplätzen bei.

Der Dynamische

Name: Giuseppe Cristofaro
Funktion: Chief Commercial Officer, ISS Facility Services
Alter: 46
Wohnort: Zug
Familie: verheiratet, zwei Kinder
Ausbildung: Dipl. Elektroingenieur ETH, MBA Henley Business School

Das Unternehmen Weltweit ist ISS in über 30 Ländern vertreten und beschäftigt 350 000 Mitarbeitende. Im Jahr 2022 erzielte ISS Schweiz mit rund 12 600 Mitarbeitenden einen Umsatz von 772,7 Millionen Franken.

Beispiele?

Aktuelle Initiativen sind der Ausbau unserer Flotte mit Elektrofahrzeugen. Allein im Jahr 2023 sind dreissig Fahrzeuge dazugekommen. Und für unsere Kundschaft etablieren wir beispielsweise neue Recycling-Services für Plastik oder Papierhandtücher, machen energetische Betriebsoptimierungen oder führen chemiefreie Reinigungsmethoden unter dem Begriff «Purespace Zero» ein.

Was verbirgt sich dahinter?

Eine Dienstleistung, welche möglichst wenige Emissionen verursacht. Am Beispiel Purespace Zero wurde in der Entwicklung neben Prozessen, Mitteln, Ausbildung der Mitarbeitenden und Effizienzthemen auch das Thema ökologische Nachhaltigkeit in den Fokus gestellt. Hierbei sehen wir uns als Innovationstreiber und betrachten stets den Gesamtprozess, von der Equipmentmaterialisierung über chemiefreie Reinigungsmittel bis hin zur chemiefreien Wäscherei. So ist eine hoch effiziente, chemiefreie Reinigungslösung mit minimalem CO₂-Fussabdruck entstanden.

Wie offen sind Immobilieneigentümer und -eigentümerinnen dafür, auch in die Nachhaltigkeit zu investieren?

Wir stellen bei vielen Immobilieninvestoren eine hohe Aufmerksamkeit für das Thema Nachhaltigkeit fest. Wobei neben der ökologischen und ökonomischen Nachhaltigkeit auch die Dimension der sozialen Nachhaltigkeit zunehmend an Bedeutung gewinnt.

Welche Vorteile sehen Sie für die Eigentümer und Eigentümerinnen, im Bereich Nachhaltigkeit mehr zu tun?

Viele Investoren zertifizieren ihre Immobilien und Portfolios mit Nachhaltigkeitslabels. Das verschafft ihnen einen Vorteil, da viele Mietende von Geschäftsliegenschaften mittlerweile ebenfalls nachhaltigkeitsaffin sind und nur noch Flächen in zertifizierten Immobilien mieten. Damit hat ein Label einen direkten Einfluss auf den Immobilienwert.

Gibt es weitere Vorteile?

Daneben sind energieeffiziente Immobilien und Mietflächen auch im Betrieb kostengünstiger. Allerdings stehen viele Investoren derzeit vor dem Problem, den Ist-Zustand der verschiedenen Dimensionen der Nachhaltigkeit nicht messen zu können. Das macht ein aktives Management im Bereich der ökologischen Nachhaltigkeit herausfordernd. Dementsprechend sind wir hier gefordert und treiben bei diesen Kunden viele Initiativen voran: Wir investieren in Lösungen zur Messung der Medienverbräuche und erheben wichtige Daten im Life-Cycle-Management von Immobilien. Zudem bieten wir diverse Services, welche die Nachhaltigkeitslabes oder Gebäudezertifikate positiv beeinflussen.

Was sind das für Services?

Dies können neben der bereits erwähnten Reinigungslösung Purespace Zero auch Initiativen im Bereich Dekarbonisierung von Gebäuden, Energieeffizienz, Abfallmanagement, Förderung von Biodiversität oder umweltfreundliche Pflege von Aussenarealen sein.

«Dabei setzen wir zunehmend auf digitale Sensorlösungen.»

Welche Schwerpunkte setzt ISS Schweiz, um auch sozial verantwortliches Handeln in ihren Betrieb zu integrieren?

Bei unseren Mitarbeitenden fördern wir hohe Arbeitspensen, bieten regelmässige Weiterbildungen und Karrierechancen an. Zudem beschäftigen wir Menschen aus über 119 Nationen, darunter auch mehrere hundert Geflüchtete. Weiter ist es uns ein Anliegen, Personen mit einer physischen oder psychischen Beeinträchtigung einzustellen. So sind wir Mitglied von The Valuable 500: Dies ist eine globale Initiative, die sich darauf konzentriert, die Inklusion von Menschen mit Behinderung in der Geschäftswelt zu fördern. Zu diesem Zweck arbeiten wir mit verschiedensten sozialen Institutionen wie zum Beispiel mit Brüggli oder der Stiftung Brühlgut zusammen. Im Januar 2022 hat ISS Schweiz zudem die «United Nations Women’s Empowerment Principles» unterzeichnet und sich damit zu sieben verbindlichen Grundsätzen für die Stärkung von Frauen im Unternehmen bekennt.

Wie wichtig sind technologische Innovationen und digitale Lösungen für die Erreichung von Nachhaltigkeitszielen?

Digitale Lösungen spielen eine wichtige Rolle. Damit Ziele erreicht werden können, müssen Daten gesammelt werden. Hierbei setzen wir zunehmend auf digitale Sensorlösungen zur Messung von Wasser, Energie oder Stromverbrauch. Diese Daten fliessen dann in unser globales Carbon-Account-Tool ein und bilden die Grundlage für konkrete Umweltmassnahmen, um unseren Energieverbrauch zu senken.

Beispiele, die Sie teilen können?

Im Bereich Energiemanagement haben wir etwa im Jahr 2022 eine Vielzahl von Energieinspektionen in den Gebäuden unserer grössten Kunden durchgeführt und daraus Energieeffizienzmassnahmen mit energetischem Einsparpotenzial von mehr als 6 Millionen kWh/a abgeleitet. Dies entspricht dem Stromverbrauch von 1400 Vierpersonenhaushalten. Und wir haben dazu in unserer Energiecontrolling-Software mehr als 7000 Zählerwerte verarbeitet.

Und für ISS Schweiz selbst?

Wir können in unserem ISS-Hauptsitz Cube mit über 400 Arbeitsplätzen dank unserem neuen Papierhandtuch-Recyclingsystem pro Jahr mit rund 1,7 Tonnen Papierhandtüchern den Wertstoffkreislauf schliessen. Durch das Papierhandtuchrecycling können bei der Produktion und Entsorgung rund 1,9 Tonnen CO₂ eingespart werden. Und dank der jährlich rezyklierten Papierhandtuchmenge aus dem Cube werden in der Produktion neuer Hygienepapiere zudem Energie, Wasser und die verwertbare Holzmenge von vier grossen Fichten eingespart. Ein anderes Beispiel: Wir haben im Jahr 2022 in über 30 Gebäuden unserer Kunden dank dem Plastikrecycling knapp drei Tonnen Kunststoffe gesammelt und damit über acht Tonnen CO₂-Emissionen für unsere Kunden vermieden.

Wie nehmen Sie Ihre Mitarbeitenden bei dieser Transformation mit?

Seit mehr als einem Jahrhundert setzt sich ISS für einen nachhaltigen Arbeitsplatz ein, fördert das Wohlbefinden der Mitarbeitenden und entwickelt gesündere Arbeitsumgebungen. Die Vor-Ort-Teams, unsere Placemaker, sind der Schlüssel zur Identifizierung und Förderung von Initiativen im Umweltbereich. Durch die Vermittlung unserer Kernwerte, mit Schulungen für unsere Placemaker und Fachleute sowie mit Workshops zu Best-Practice-Beispielen und nachhaltigen Produkten stellen wir sicher, dass wir ein entsprechendes Bewusstsein fördern und erhalten können.

Florian Fels
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