Nach Analysen des World Economic Forums ist über die Hälfte der Weltwirtschaft – etwa 44 Billionen Dollar – mehr oder weniger stark vom Verlust der Artenvielfalt betroffen. Dennoch wird viel zu wenig in den Schutz der globalen Biodiversität investiert. Es fliessen jährlich rund 133 Milliarden Dollar in naturbasierte Lösungen, davon 18 Milliarden über private Finanzierungen. Will die Welt ihre Klimaziele erreichen, muss sich dieses Volumen bis 2030 mindestens verdreifachen, so die Vereinten Nationen. Deshalb überrascht es nicht, dass der Schutz der Natur unseres Planeten für Investorinnen und Investoren immer wichtiger wird.

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Die Autoren

Tom Atkinson und Ashley Keet, Portfolio Manager, Axa Investment Managers, London.

Statt einfach nur Firmen zu berücksichtigen, die der Biodiversität wenig schaden, aber durch ihre eigene Geschäftstätigkeit wenig Nutzen stiften, können Anlegerinnen und Anleger in Unternehmen investieren, die konkrete Lösungen zum Erhalt der Biodiversität bieten – und zugleich ansprechende Renditen versprechen. Drei Bereiche sind besonders interessant: Landwirtschaft und Aquakultur, Wasseraufbereitung sowie nachhaltige Materialien.

 

Technologiebasierte Landwirtschaft

Neue Technologien wie die Präzisionslandwirtschaftssysteme der Firma John Deere können helfen, die Produktivität zu erhöhen, Umweltverschmutzung zu reduzieren und die Artenvielfalt zu schützen.Die Fischzucht ist ebenfalls ein wichtiger Teil der globalen Nahrungsmittelproduktion, da überfischte Bestände die Ernährungssicherheit und Artenvielfalt gefährden. Fisch enthält Omega-3-Fettsäuren, die auch als Futter für grössere Fische wie Lachse genutzt werden. Unternehmen wie Corbion bieten nachhaltige pflanzenbasierte Alternativen zur Herstellung von Omega-3-Fettsäuren an, um den Druck auf die Meeresressourcen zu verringern.

Für den lebenswichtigen Rohstoff Wasser gibt es keinen Ersatz. Nur 3 Prozent der globalen Wasserressourcen sind Süsswasser, und davon sind zwei Drittel für Menschen nicht zugänglich, zum Beispiel weil es in Gletschern gebunden ist. Rund 2,7 Milliarden Menschen leiden zumindest zeitweise unter Wasserknappheit, 2,4 Milliarden haben keinen Zugang zu sanitären Anlagen. Die vorhandene Wassermenge muss dringend für vielfältige Nutzungsarten erhöht werden, wobei die Wasseraufbereitung eine wichtige Rolle spielt.

Innovative Unternehmen nutzen künstliche Intelligenz und Digitalisierung, um Lösungen für ihre Kunden zu entwickeln, die der Artenvielfalt weniger schaden. Das intelligente Wassersystem von Evoqua ermöglicht Fernsteuerung und Fernanalysen, und in den Anlagen des Unternehmens kann aus Abwasser Biogas erzeugt und damit Strom aus erneuerbarer Energie für täglich 5000 Haushalte bereitgestellt werden. Mit neuen Technologien kann auch der Wasserverbrauch optimiert und gesenkt werden. Die Software und Analysetools von Xylem helfen Wasser- und Abwasserunternehmen, ihre Herausforderungen auf nachhaltige Weise anzugehen.

 

Nachhaltige Verpackungen

Unternehmen können den Artenschutz auch mit nachhaltigen Verpackungsmaterialien unterstützen, etwa mit Aluminiumdosen. Die ursprüngliche Gewinnung des Metalls hat zwar Folgen für die Biodiversität, aber fast 70 Prozent aller weltweit hergestellten Aluminiumdosen werden rezykliert. Ball ist einer der Marktführer für Aluminiumdosen und sagt, im Idealfall dauere es nur sechzig Tage, bis die von einer Kundin gekaufte Getränkedose wieder im Regal stehe.

Auch Papier- und Verpackungsunternehmen verwenden rezykliertes Material. Bäume werden zwar für die Papierherstellung gebraucht, stammen aber aus nachhaltiger Forstwirtschaft, bei der mehr Bäume gepflanzt als gefällt werden. Unternehmen können auch ehemalige Weidelandflächen nutzen. Ein Beispiel ist das finnische Unternehmen Stora Enso, dessen Wälder netto Kohlenstoff binden. Zu seinen Produkten gehören plastikfreie, mikrowellentaugliche Verpackungen, welche die CO₂-Emissionen um bis zu zwei Drittel senken.

Die Konsumgesellschaft vernichtet viele Ökosysteme. Um die Biodiversität zu erhalten und das Artensterben zu verlangsamen, müssen wir nachhaltigere Lösungen finden und in sie investieren. Investoren können mit entsprechenden Anlagen ein auf Artenvielfalt ausgerichtetes Portfolio zusammenstellen.