Global wurden 2022 gemäss Statista 67,2 Millionen Autos verkauft. Gegenüber 2021 war das nur ein minimales Plus. Ungleich besser läuft es im Luxusbereich: Allein Ferrari konnte seinen Absatz im vergangenen Jahr um 19 Prozent auf 13'221 Fahrzeuge erhöhen. Lamborghini verkaufte 10 Prozent mehr, hier verliessen 9233 Einheiten die Werke.

Und auch bei der BMW-Tochter Rolls-Royce, die viele exklusive Elemente sorgfältig auf die Vorlieben ihrer Besitzerinnen und Besitzer abstimmt, verzeichnete man knapp 8 Prozent mehr verkaufte Ghost-, Phantom- und Cullinan-Modelle. Insgesamt waren es hier 2022 6021 Fahrzeuge mit einem durchschnittlichen Verkaufspreis von umgerechnet rund 500'000 Franken.

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Während diese Hersteller in den vergangenen zehn Jahren ihre verkauften Stückzahlen mindestens verdoppeln konnten, schrumpft der Weltmarkt seit 2018. Der Anteil der Luxusfahrzeuge ist laut dem Datenanbieter S&P Global auf 1,3 Prozent gestiegen.

Stückzahlen in der Schweiz rückläufig

Gemäss den Zahlen von Auto-Schweiz, der Vereinigung der Schweizer Automobilimporteure, erlebte der Gesamtmarkt in der Schweiz 2017 einen Peak mit 314'000 verkauften Autos. Der Anteil der Oberklasse lag 2017 bei 1,17 Prozent und fiel, parallel mit dem Gesamtmarkt, in den Jahren 2019/20 unter 1 Prozent. Insgesamt schrumpften die Importe 2022 weiter – aber der Anteil der Oberklassefahrzeuge stieg wieder auf 1,15 Prozent.

Im Gegensatz zum Weltmarkt fielen die Stückzahlen von Ferrari und Lamborghini im vergangenen Jahr: Bei Ferrari waren es noch 419 Fahrzeuge gegenüber 604 im Jahr 2021. Bei Lamborghini waren es 180 versus 200 im Jahr 2021. Beide Hersteller bewegen sich damit allerdings immer noch auf einem höheren Niveau als im Jahr 2018.

Laut Christoph Wolnik, Sprecher von Auto-Schweiz, lassen sich die reduzierten Stückzahlen von Ferrari und Lamborghini möglicherweise auf die 2022 gestrichenen CO₂-Spezialziele für Kleinserien und Nischenmarken zurückführen. Auch für die Sportwagen der beiden italienischen Hersteller gelten deshalb die üblichen CO₂-Zielwerte, was bei diesen Modellen zu höheren CO₂-Sanktionen führt.

Bis 2030 soll die Hälfte der neu verkauften Ferraris mit Strom fahren.

 

Auch aus solchen Gründen arbeiten die Luxushersteller an Elektrovarianten ihrer Fahrzeuge. Sie stehen laut Analysten und Analystinnen vor einer Gratwanderung, denn die lärmenden Motorengeräusche bilden zumindest bei Ferrari und Lamborghini einen Teil der Kaufmotivation: Für die Interessierten sind die Geräusche pure Musik. Luxus brummt – im wahrsten Wortsinn.

Summen statt röhren

«Spectre» – zu Deutsch «Gespenst» – soll denn auch das erste E-Modell von Rolls-Royce heissen, das ersten Kundinnen und Kunden Ende dieses Jahres übergeben werden soll. Beim Luxus wird man keine Konzessionen machen, wie die Pressestelle versichert: «Gebaut auf der ganzen Alu-Architektur des Luxus» ist ein Attribut, das problemlos auch im gehobenen Privatjetbereich verbreitet ist. Zudem verweist man darauf, dass Firmengründer Charles Rolls im Jahr 1900 eine elektrische Zukunft der Motorfahrzeuge prophezeit hatte. Jetzt sei der Zeitpunkt gekommen, diese Prophezeiung zu erfüllen.

Bei Ferrari hat man bereits die SF90 Stradale als erstes eigenes Plug-in-Hybrid-Modell konzipiert, aber CEO Benedetto Vigna hat den ersten «richtigen» E-Ferrari für 2025 angekündigt. Bis 2030 soll dann fast die Hälfte der dann neu verkauften Ferrari mit Strom fahren. Vigna bringt wichtige Voraussetzungen mit für die nächste Generation solcher Fahrzeuge – er arbeitete zuvor bei ST Microelectronics. Dieses Tech-Unternehmen stellt unter anderem Sensoren und analog-digitale Halbleiter her. Beide Themen dürften im Zuge der Automatisierung nach der Elektrifizierung der Fahrzeuge immer wichtiger werden.

Die Analysten und Analystinnen des Brokers Kepler Cheuvreux rechnen damit, dass die summenden statt röhrenden Motoren die Käuferschaft der zukünftigen E-Ferraris nicht abschrecken – im Gegenteil: Damit würden wichtige Weichen für eine erfolgreiche Zukunft gestellt, und die Elektrifizierung werde die DNA der Firma und ihrer Produkte nicht verändern.