Es sind mobile Anwendungen wie «My City in My Pocket» von Orange Business Services (OBS), die Einwohnerinnen, Einwohnern und dem Tourismus etwa im französischen Nantes das Leben leichter machen. Sie ist eine von vielen Apps, die Hilfe versprechen bei der Lokalisierung von Attraktionen und Sehenswürdigkeiten oder beim Zugang zu öffentlichen Diensten. Ausserdem gibt es Parktipps und Verkehrsmeldungen genauso wie Hinweise zum Fahrradverleih, Wetterund Umweltdaten und vieles mehr.

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Auch hierzulande will kaum eine Stadt auf eine derartige Plattform verzichten. Unter dem Schlagwort «Smart City» wird, nicht selten noch im Labormodus, am intelligenten Sammeln und Vernetzen von Daten mit dem Ziel gearbeitet, die Lebensqualität der Bewohnerinnen und Bewohner von der Stadtplanung über die automatisierte Müllabfuhr und öffentliche Anzeige systeme bis zum schonenden Umgang mit den Ressourcen die Lebensqualität der Bewohnerinnen zu verbessern. Adressiert werden, so der «Smart-City-Survey» des Instituts für Nachhaltige Entwicklung der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW), sechs Zentralbereiche: Smart Mobility, Smart People, Smart Economy, Smart Energy and Environment, Smart Government und Smart Living.

Für Martin Kull steckt die Herausforderung in der Komplexität solcher Lösungen – zumal, wenn smarte, intelligente Anwendungen von der Datenquelle bis zur Kundin orchestriert werden müssen. «Dabei handelt es sich aber keineswegs allein um ein Smart-City-Problem», erklärt der langjährige Schweiz-Chef von Orange Business Services, der heute die gesamte DACH-Region und das Geschäft der Osteuropa länder verantwortet. Es gehe um die Herausforderung «Smart what ever». «Das fordert auf breiter Ebene Lösungsszenarien, wo das aktuelle Denken heute noch viel zu oft auf Produkte fokussiert», so Kull weiter.

«Wenn ein Passant auf die Strasse stolpert, sollte das herannahende Auto eigentlich automatisch bremsen», illustriert er solch eine einfache Lösung. «Von derartigen Möglichkeiten sind wir aber noch weit entfernt», so Kull. Zwar stünden die technischen Details zur Lösung solch komplexer Probleme zur Verfügung, führt er mit dem Verweis unter anderem auf die Potenziale des Internets der Dinge (IoT) aus. Doch fehle es einfach an den nötigen Ökosystemen und deren Steuerung, die von der vernetzten Hardware über das Sammeln und Integrieren von Daten bis hin zu den dazugehörigen Softwareprozessen reichen und den gesamten Lö-sungs-Stack bis zur Kundschaft respektive den Usern umfassen. «Wer hierfür Angebote lanciert, muss zum Beispiel wie Orange Business Services gemeinsam mit seiner Kundschaft etwa via Twin und Avatar in Zwillingsmodellen die digitale Zukunft erlebbar machen können», schiebt Kull nach.

In Lösungsszenarien denken

Um die damit einhergehende Komplexität zu unterstreichen, bevorzugt Kull das Wort «Orchestrierung», statt sich auf Management respektive Steuerung zu berufen. Wie beim Abschied vom Produkt zugunsten der Lösung geht es auch hier darum, nicht in monokausale Fallen zu treten. «Weil sich Innovationen, wichtigster Kernbereich jeder digitalen Transforma tion, kaum einfach überstülpen lassen und in den seltensten Fällen im Greenfield-Ansatz realisiert werden können, muss man sich der Komplexität stellen.» Diese reiche, vereinfacht gesagt, von der Sensorik (Hardware) über die Vernetzung und Prozesse (Software) bis hin zur Welt der Avatare und Twins respektive Zwillingsmodelle, so Kull. Wer diese beherrsche und orchestriere, dem bereite dann auch der Bau und Betrieb einer autonomen Fabrik im Industrie-4.0-Modus keine Schwierigkeiten mehr.

«Das aktuelle Denken fokussiert heute noch viel zu oft auf Produkte.»

Martin Kull,  Managing Director der Region DACH & Eastern Europe bei Orange Business Services

Orange Business Services verfügt allein in seinem regionalen DACH- und Osteuropa-Cluster über rund 1500 Mitarbeitende, die sich auf dieses Orchestrieren konzentrieren. Fast jede und jeder Zehnte engagiere sich hier und könne dazu auf eine noch viel breitere Basis von Softwareentwicklern und Consultants zurückgreifen, erklärt Kull die bereits vorhandene Expertise von Orange. Dass es sich hierbei nicht nur um Visionen handelt, zeigt sich da ran, dass der französische Konzern neben der digitalen Transformation von Städten und ganzen Regionen mit seinen Expertenteams gerade auch global agierende Industrieund Fertigungsunternehmen beim Aufbau digitaler Fabriken und Anlagen unterstützt. Adressiert werden zahlreiche Facetten des täglichen Lebens bis hinein ins Smart Home und ins Gesundheitswesen, wie Kull ausführt.

Via Twin Innovationen erschliessen

Beispielhaft für die damit einhergehenden Herausforderungen steht der über 35 000 Quadratmeter grosse Forschungscampus Agropôle im Westschweizer Molondin. Hier fokussiert Orange Business Services mit der «Thing in the Future» genannten Lösung auf Innovationen in der Landwirtschaft und in der Lebensmittelproduktion, die zusammen mit dem Agropôle-Team entwickelt werden und dafür ein offenes Ökosystem der Zusammenarbeit schafft. Konkret sind zu diesem Zweck unter anderem mit einem Twin, einer digitalen Zwillingslösung namens «Thing’in», neue Dimensionen im Supply-Chain von Kartoffeln erschlossen worden.

Das Ziel hier sei, in einer Lieferkette die Rückverfolgbarkeit in Vertrauenswürdigkeit zu verwandeln und damit eine Dimension des Vertrauens zu erschliessen, die über die Datenerfassung hinausgeht, erklärt Philipp Ringgenberg, Senior Director Business Consulting & Innovation Europe bei Orange Business Services. Zwar habe man durch das Erfassen von Daten und Abhängigkeiten für jeden Prozessschritt bereits den Zyklus einer Kartoffel vom Feld bis ins Einzelhandelsgeschäft einschliesslich der CO 2 -Belastung dokumentieren können. Nur war bislang unbeantwortet, wie man sicherstellen und beweisen kann, dass den Daten zu vertrauen ist.

«Thing’in übernimmt das», so Ringgenberg weiter. Es handle sich dabei um eine vielseitige, offene digitale Zwillingsplattform, die die physische Welt durch die integrierten Sensoren und Objekte in der Umgebung sowie deren Interaktionen beschreibt. Was für die Kartoffelproduktion bereits realisiert ist, soll sich nun auch in der Industrie bewähren. Der Twin soll sich in einem noch komplexeren Umfeld mit zusätzlichen Interessengruppen behaupten. Konkret sollen weitere in den Daten schlummernde Erkenntnisse erschlossen werden, die sich beispielsweise aus der Orchestrierung der IoT-Temperaturüberwachung ergeben, aus der Zeiterfassung des Produktweges vom Feld bis zum Geschäft, aus der tatsächlichen Kostenberechnung oder auch des Gesamtenergiebedarfs für die Herstellung eines Endprodukts.

Wie von Kull betont wird, ist auch der Twin keineswegs auf nur eine Branche oder auf bestimmte Anwendungsfelder begrenzt. Das digitale Zwillingsmodell richtet sich vielmehr an Unternehmen und öffentliche Verwaltungen, die innovative und bereichsübergreifende Dienste entwickeln wollen. «Smart whatever» wird damit bei Agropôle greifbar. «Denn Thing’in hilft genauso mit, intelligente Städte zu bauen wie intelligente Gebäude und Industrieumgebungen oder eben eine intelligente Landwirtschaft zu entwickeln», unterstreicht Ringgenberg.