Das Angebot der Recyclingleistungen der Thommen Group ist immens und in der Firmendarstellung findet man den Satz: «Wir verarbeiten alles, vom Kugelschreiber bis zum Eisenbahnzug.» Welches sind die Kernkompetenzen der Thommen Group?

Unsere Kernkompetenz liegt in den metallhaltigen Abfällen. Mit unseren modernen Anlagen und Maschinen verarbeiten wir alle möglichen Dimensionen – eben vom Kugelschreiber bis zum Eisenbahnzug. Ausserdem ist der Sektor Elektronik-Waste unter dem Brand Immark eine weitere Kernkompetenz der Thommen Group. Unseren Kunden bieten wir Gesamtlösungen an, also Gesamtentsorgungskonzepte für sämtliche Abfälle.

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Die Schweiz erreicht insgesamt eine Recyclingquote von etwas über 50 Prozent. Lässt sich diese Quote aus Ihrer Sicht noch weiter steigern?

Durch Recycling lässt sich enorm CO2 einsparen. Daher ist es existenziell wichtig, diese Quote ständig zu verbessern. Die Thommen Group hat als Beispiel durch den Einsatz von Sekundärrohstoffen (Eisenschrotte) mit dazu beigetragen, den CO2-Ausstoss um 851 700 Tonnen zu verringern. Der Einsatz von Sekundärrohstoffen für die Produktion von Neustahl ist viel ressourcenschonender als die Produktion mit Primärrohstoffen (Eisenerz). Durch eine Tonne Stahlschrott werden Emissionen von 1,67 Tonnen CO2 (bei Edelstahlschrott sogar 4,3 Tonnen) eingespart. Das Recycling konzentriert sich auf etablierte Stoffe wie Glas (Sammelquote 2016: 96 Prozent), PET (82 Prozent), Alu (90 Prozent), Papier (81 Prozent) oder Stahl (95 Prozent). Diese Sammelquoten zeigen klar auf, dass dann, wenn ein System für die jeweiligen Abfälle besteht (etwa PET-Recycling Schweiz oder Igora für Alugetränkedosen), eine hohe Recyclingquote erreicht werden kann. Das ist auch bei Abfällen der Fall, die als Wertstoffe vergütet werden, wie zum Beispiel Stahl oder Papier. 

"Durch Recycling lässt sich enorm CO2 einsparen"

Gibt es aus Ihrer Sicht Materialien, deren Recyclingquote noch weiter gesteigert werden kann?

Der Stand der Technik verbessert sich ständig. Dadurch wird es künftig neue Verfahren und Prozesse geben, die es ermöglichen, die Recyclingquote weiter zu steigern.

Welche Aktivitäten umfasst das Kerngeschäft der Thommen Group im Bereich Recycling?

Unsere Gruppe besteht seit Januar 2020 aus zehn Schweizer Recyclinggesellschaften, die den Namen Thommen übernehmen und zukünftig einheitlich auftreten. Für das internationale Handelsgeschäft steht weiterhin die Marke Metallum und für den Elektronikschrott die Marke Immark. Damit sorgen wir für gebündelte Recycling-Power.

Welches sind die Schwerpunkte der drei eigenständigen Marken Thommen, Metallum und Immark?

Das Recyclingunternehmen Thommen bietet umfassende Komplettleistungen rund um die Themen Entsorgung und Recycling an – sowohl für Unternehmen als auch teilweise für Privatpersonen. Die Firma Metallum ist im internationalen Handel mit Primär- und Sekundärmetallen und deren Rückständen, in der Aufbereitung von Metall-, Eisen- und Elektronikschrott sowie der Bereitstellung flächendeckender Recyclingdienstleistungen tätig. Die Firma Immark wiederum ist in der Schweiz marktführend im Bereich der Wiederverwertung und Entsorgung von Elektro- und Elektronikschrott sowie im Recycling von Kühlgeräten.

Wie muss man sich einen internationalen Handel mit Primär- und Sekundärmetallen und deren Rückständen vorstellen, so wie es Metallum macht?

Sämtliche Metallschrotte wie Kupfer, Zink, Nickel, Aluminium sowie Legierungen wie zum Beispiel Chromnickelstahl, Messing und Sonderlegierungen werden bei Metallum analysiert, sortiert und bearbeitet. Die schmelzfertigen Schrotte werden dann an Wiederverkäufer, Giessereien und Hütten verkauft. Die anfallenden Rückstände aus dem Verarbeitungsprozess werden ebenfalls fachkundig weiterverarbeitet und gehandelt. Zudem werden sämtliche Risikoabsicherungen wie zum Beispiel Währung (Franken/Euro oder Euro/Dollar) und Metall-Notierungen an der London Metal Exchange durch die interne Broker-Abteilung der Metallum bewirtschaftet.

Thommen bietet den Kunden Gesamtentsorgungskonzepte an. Welche Massnahmen umfassen diese?

Unsere mehr als 85-jährige Erfahrung macht es möglich, für jeden Kunden ein individuelles, massgeschneidertes Gesamtentsorgungskonzept zu erstellen. Der Ablauf gestaltet sich üblicherweise wie folgt: Analyse beim Kunden in Bezug auf Produktionsprozess, Platzverhältnis, anfallende Abfälle inklusive Mengen und interne Logistik mit Schnittstelle zur externen Logistik. Demnächst bieten wir ausserdem Abrechnungsmodalitäten inklusive Abfallbilanzen und Statistiken über unser neues Kundenportal. Mit unseren Konzepten verfolgen wir den Ansatz einer ständigen Optimierung, immer Hand in Hand mit unserer Kundschaft.

Das Recycling und die Wiederaufbereitung von Materialien erfordern auch eine entsprechende Logistik. Welche Dienstleistungen bietet Thommen in diesem Bereich an?

Die Thommen Group verfügt als einziger Recyclingbetrieb in der Schweiz über alle drei Transportlogistikwege, nämlich Strasse, Schiene und Wasserweg. Dieses breite Angebot ermöglicht es uns, für jedes Bedürfnis das richtige Transportmittel anbieten zu können. Mit Fokus auf Ökologie sowie Effizienz, Sicherheit und Wirtschaftlichkeit sind die Möglichkeiten bei der Wahl der geeigneten Logistiklösung in unserer Unternehmensgruppe fast grenzenlos.

Die Firma Immark ist schwergewichtig in der Wiederverwertung und der Entsorgung von Elektro- und Elektronikschrott sowie im Recycling von Kühlgeräten tätig. Arbeitet man hier mit den Herstellern dieser Geräte zusammen?

In erster Linie sind die zu verarbeitenden Mengen «End of Live»-Geräte, also alte Haushaltsgeräte, Geräte aus der Unterhaltungselektronik sowie PC und Kommunikationsgeräte. Mit den Herstellern stehen wir in engem Kontakt. Sie beliefern uns mit Ausschussware und wir geben ihnen Rückmeldungen betreffend Recycelbarkeit der Produkte.

Immark arbeitet mit den Rücknahmesystemen Sens/Swico zusammen, die von den Herstellern beauftragt wurden, das Recyclingsystem in der Schweiz sicherzustellen. Diese Geräte enthalten auch Kunststoffe. Wie werden diese recycelt?

Es werden möglichst reine Kunststofffraktionen produziert, welche an spezialisierte Kunststoff-Recyclingunternehmen weitergeleitet werden, um in einem weiteren Schritt Granulate für die Neuproduktion herzustellen.

Der Recycler

Name: Tobias Thommen

Funktion: Geschäftsführer und CEO der Thommen Group

Alter: 57

Ausbildung: Wirtschaftsstudium und Medizinstudium

Das Unternehmen: Die international tätige Thommen Group sorgt mit mehr als 600 Mitarbeitenden für ein nachhaltiges Recycling wichtiger Stoffe, die Aufbereitung von Wertstoffen sowie fachgerechte Schadstoffsanierungen.