Die Corona-Pandemie hat zu vielfältigen Störungen in internationalen Lieferketten, insbesondere im Bereich Seefracht, geführt. Erst sank das Frachtaufkommen dramatisch, was zu einem riesigen Überangebot an Frachtkapazität führte. Die Reeder reagierten mit ad hoc stornierten Abfahrten (Blank Sailings) und Schiffstilllegungen. Das führte dann beim Anziehen der Nachfrage zu Kapazitätsengpässen auf Schiffen wie auch bei Containern. Zahlreiche Häfen, beispielsweise in den USA, konnten die ansteigenden Frachtvolumina aufgrund von pandemiebedingtem Personalmangel nicht mehr bewältigen. Die Liegezeiten der Containerfrachter verlängerten sich. Verstärkt wurde das Problem durch Kapazitätsengpässe im Hinterlandverkehr, aber in manchen Ländern auch durch Schliessungen von Fabriken und im Handel. Die Umlaufzeiten der Container verlängerten sich. Fahrpläne konnten und können nicht eingehalten werden.

Termintreue ist ein Fremdwort

Eigentlich hat sich der Service der Reedereien schon seit Jahren verschlechtert. Der Kollaps der Hanjin-Reederei, Fukushima, die Pandemieauswirkungen sowie die Havarie der «Ever Given» im Suezkanal haben die Situation nur verschärft. Termintreue ist in der Seeschifffahrt grösstenteils zum Fremdwort geworden. Laut dem auf den mari timen Sektor spezialisierte Beratungshaus Sea-Intelligence waren im März 2021 nur 40,4 Prozent der Containerschiffe pünktlich. Die durchschnittliche Verspätung belief sich auf 6,16 Tage. Auch im April 2021 kamen so wenige Schiffe wie nie zuvor pünktlich in ihren Bestimmungshäfen an.

Um Waren ohne grosse Verspätungen beispielsweise von Fernost nach Europa zu transportieren, verlangen viele Reeder heute Zuschläge wie etwa die «Equipment Imbalance Surcharge» wegen fehlender Leercontainer. Zudem haben sich die Frachtraten in den letzten 18 Monaten auf stark gefragten Routen verfünffacht.

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"Die Schiffe verspäten sich zurzeit im Schnitt um rund sechs Tage."
 

In diesem schwierigen Umfeld sind Supply-Chain-Manager in Industrie und Handel extrem gefordert, denn ihre Kunden erwarten Termintreue. Supply Chain Visibility und Customer-Experience-Management haben mit der «Ever Given»-Havarie nochmals an Bedeutung zugelegt. Doch in vielen Unternehmen wird immer noch mit Excel-Dateien und Telefon gearbeitet. Dabei gibt es Softwarelösungen, welche moderne Technologien nutzen wie zum Beispiel künstliche Intelligenz (KI) und Machine Learning, die manuelle Tätigkeiten reduzieren, Prozesse automatisieren und Transparenz schaffen.

Für Anbieter von Predictive-Supply-Chain- und Logistiklösungen wie Clearmetal war die «Ever Given»-Havarie eine grossartige Gelegenheit, den Nutzern ihrer Informationsplattform CDX zu zeigen, was das Unternehmen leisten kann. Binnen 24 Stunden nach der Havarie hatte Clearmetal für ihre Kunden alle Schiffe in einem 200-Seemeilen-Umkreis vom Suezkanal identifiziert und diese Information auf ihrer Plattform online gestellt. Mit der Granularität, welche das Softwarehaus anbietet, war es in der Lage, auch aufzuzeigen, welche Container der Kunden auf diesen Schiffen geladen und welche Bestellungen oder Kundenaufträge, Artikel und Einzelposten betroffen waren. Diese Informationen wurden täglich aktualisiert und die Verspätungen bis zur Entladung der Container berechnet.

Helikopterblick und Schmerzpunkte

Für ihre Kalkulationen nutzt Clearmetal Multi-Source-Datenmodelle, direkte EDI-Verbindungen mit den Reedereien, Satellitendaten zur korrekten Positionierung der Schiffe und zur Echtzeitüberwachung des Geschehens in den Welthäfen sowie maschinelles Lernen und KI. Mit den Informationen in Echtzeit konnten Clearmetal-Kunden nicht nur ihre eigenen Teams à jour halten, sondern auch die eigenen Kunden schnell und detailliert über Lieferverzögerungen informieren, gegebenenfalls zusätzliche Waren bestellen, Lagerbestände auflösen oder Waren von Seeschiffen auf Flugzeuge oder Züge umdisponieren. Die Plattformtechnologie ermöglicht einen Helikopterblick auf das weltweite Geschehen und zeigt Schmerzpunkte auf, wie dies vor fünf Jahren noch nicht möglich war.

Thomas Kofler, VP Sales EMEA, Clearmetal, Zürich.

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