Ein beträchtlicher Teil Ihres Vermögens fliesst in den Naturschutz. Nach welchen Kriterien entscheiden Sie, wofür Sie Ihr Geld einsetzen?

Das mache ich nicht selbst, sondern die Stiftung. Diese besteht aus irrsinnig tollen Menschen, die mit mir arbeiten. Zweimal im Jahr führen wir ein Boardmeeting durch, an dem neue Ideen vorgestellt und besprochen werden. Schlussendlich ist es dann meistens so, dass ich nicht Nein sagen kann. Weil die Projekte einfach gut sind!

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Sie kaufen ja auch Land, richtig?

Wir kaufen strategisch ab und zu eine Farm oder einen Teil eines Flusses, etwa in Kalifornien. Wir agieren aber nur als eine Art Bank, die das Gebiet für eine gewisse Dauer behält und schützt und es danach weitergibt – an den Staat, an die Nationalregierung und so weiter. Wir wollen keine Landbesitzer sein. Das liegt uns nicht.

Wie erfahren Sie von gefährdeten Gebieten?

Häufig treten Organisationen wie die Nature Conservancy an uns heran und bitten uns um finanzielle Hilfe. Aber zum Beispiel auch Ureinwohner wenden sich an unsere Academy, weil sie möchten, dass ein bestimmtes Gebiet geschützt wird.

Gibt es Ideen von Board-Membern, die Sie verwerfen?

In Georgien habe ich vor zwei Jahren ein Projekt blockiert, weil mir die politische Situation zu unsicher war: Es gibt dort russische Enklaven in russischer Sprache. Russland behauptet, das Gebiet gehöre eigentlich zu ihnen und nicht zu Georgien. Da hab ich beschlossen, im Moment nichts zu machen. Und schauen Sie jetzt, was mit der Ukraine passiert ist. Ich bin kein Hellseher. Aber ich bin nicht sicher, ob das Georgien-Projekt wirklich gefruchtet hätte.

Gibt es ein Thema, das Ihnen besonders am Herzen liegt?

Vor etwa 15 Jahren habe ich viele Projekte gestartet, mit dem Ziel, Frauen den Zugang zur Gesundheitsvorsorge zu gewährleisten. Und vor einem Jahr haben wir in Chile mitgeholfen, die Verfassung zu ändern, damit eine Abtreibung nicht mehr mit dem Todesurteil bestraft wird. Solche Projekte liegen mir zum Teil noch mehr am Herzen als der Landschaftsschutz.

Sie haben nun schon die eine oder andere Generation erlebt. Was braucht es aus Ihrer Sicht, um den Wandel Richtung Nachhaltigkeit voranzutreiben?

Wichtig ist, dass nicht nur über die Probleme geredet wird, sondern dass auch Taten folgen. 2018 habe ich ein kleines Team zusammengestellt, das zusammen die Campaign for Nature darstellt. Seit vier Jahren versuchen wir nun, so viele Nationen wie möglich davon zu überzeugen, der Idee «30 by 30» beizutreten, einer weltweiten Initiative für Regierungen, um 30 Prozent der Land- und Meeresfläche der Erde bis 2030 als Schutzgebiete auszuweisen. Mittler weile machen bereits über 105 Nationen mit. Aber die USA zu überzeugen, war extrem schwierig. Dort hatten wir erst Zugang, als Joe Biden Präsident wurde. Da bekam ich die Chance, mit Leuten in der Regierung zu sprechen. So hab ich es schlussendlich geschafft.

Naturschutz braucht also viel Überzeugungskraft.

Das stimmt. Aber leider ist der politische Wille vielerorts nicht vorhanden. Die Regierungen müssten Geld spenden, um etwas zu bewegen. Und damit unter anderem dem Beispiel Kanada folgen, wo Justin Trudeau 2 Milliarden kanadische Dollar zum Schutz des Landes und zum Schutz der Nationalberge bewilligt hat.

Wo gibt es in Ihrem eigenen Alltag noch Luft nach oben punkto nachhaltiger Lebensstil?

Wie viele anderen bin auch ich ein Sünder. So fahre ich zum Beispiel immer noch Auto. Auch beim Fliegen gibt es sicherlich noch Verbesserungspotenzial.