Schweizer Exporte sind auf dem Weltmarkt heiss begehrt. So auch die helvetischen Fussballer. Einer von ihnen schaffte es dieses Jahr besonders weit. Der einzige in der «Königsklasse» verbliebene Schweizer Nationalspieler ist Stephan Lichtsteiner. Er ist nach Stéphane Chapuisat und Johann Vogel erst der dritte Schweizer, der als Stammspieler ein Halbfinale der Champions League (Dienstag 20:45 Uhr, Juventus Turin - Real Madrid) erreicht. 

Stéphane Chapuisat als Wegbereiter

Mittlerweile gelten die Schweizer Fussballer als technisch versiert und gut geschult. Doch diesen Ruf mussten sie sich zuerst erarbeiten. So ebnete Stéphane Chapuisat anfangs der Neunziger Jahre einer ganzen Schar von Schweizer Fussball-Söldnern den Weg in die Bundesliga. Der Linksfuss aus Lausanne war der erste Ausländer, der in der höchsten Spielklasse Deutschlands die sagenumwogene Marke von hundert Toren erreichte. 

Doch nicht nur in Deutschland tummeln sich Schweizer Kicker. Auch wenn das nördliche Nachbarland mit 18 Söldnern aktuell die beliebteste Destination ist, sind in den anderen europäischen Top-Ligen ebenfalls einige Fussballer mit Schweizer Pass unterwegs. Dies lässt sich mit eindrücklichen Zahlen belegen.

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Nur Weltmeister stellen mehr Söldner

Eine Studie des in Lausanne ansässigen «Observatoire du Football des CIES» setzte sich mit den Legionären aus den fünf besten Ligen Europas auseinander. Zu den «Big 5» zählen die höchsten Divisionen aus Deutschland, England, Frankreich, Italien und Spanien. Was die Anzahl Legionäre in einer der fünf Topligen angeht, belegt die Schweiz mit 42 Spielern den sensationellen fünften Rang. 

Lediglich Frankreich, Argentinien, Brasilien und Spanien rangieren weltweit vor der Schweiz. Das sind wohlgemerkt allesamt Länder, die mindestens einmal schon den Weltmeisterpokal in die Höhe stemmen durften. Doch worin liegt das Erfolgsrezept der Talentschmiede Schweiz? 

Lohnendes Geschäft für Klubs

Der Hauptgrund liegt in der konsequent umgesetzten Nachwuchsförderung des Schweizerischen Fussball Verbands (SFV). Seit der Saison 1998/99 verteilt der Verband Ausbildungslabels an die Klubs. Sobald ein Profi- oder Amateur-Verein die strengen Auflagen betreffend Ausbildungsstruktur erfüllt, wird ihm das Label erteilt. Der Klub kommt dadurch in den Genuss von gezielten Subventionen. Pro Jahr betragen die vom SFV verteilten Förderbeiträge durchschnittlich 4.5 Millionen Franken. 

Auch wenn Fussballer aus der Schweizer Liga im internationalen Vergleich eher tiefe Transfersummen generieren, ist die Ausbildung und der anschliessende Verkauf von Spielern für die Klubs zu einem profitablen Geschäftszweig geworden. Insbesondere der Ligakrösus FC Basel vermag durch Spielerverkäufe Jahr für Jahr zweistellige Millionenbeträge zu erwirtschaften. Im Geschäftsjahr 2012 gingen sogar rund ein Drittel der Erlöse (circa 27 Millionen Franken) auf Transfers zurück, wobei natürlich auch ausländische Spieler zu dieser hohen Summe beigetragen haben. 

Auch Nati zählt auf Legionäre

Die Klubs können das Geschäft mit Spielertransfers forcieren, indem sie auch im Profibetrieb vermehrt auf junge Spieler setzen. Eine mögliche Erklärung für den historischen Höchststand von Schweizern Fussballern im Ausland sieht der SFV im Einsatz von Spielern unter 21 Jahren. In der höchsten Liga der Schweiz wurden im Durchschnitt 8.6 Spieler unter 21 Jahren pro Klub und Saison eingesetzt. Dieser Wert liegt in den «Big 5» zwischen 4.7 (Italien) und 6.5 (Frankreich) und damit deutlich tiefer. 

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Nicht nur die Schweizer Profi-Klubs haben Anreize, ihre Spieler ins Ausland zu verkaufen. Auch die Schweizer Nationalmannschaft ist von ihren Söldnern abhängig. Vom aktuellen 23-Mann-Kader verdienen 19 Fussballer ihr Geld in ausländischen Ligen. Die Legionäre sind damit auch für die Qualifikation von WM- oder EM-Endrunden und das Abschneiden an den beiden Grossturnieren unverzichtbar.