Adobe wird das Softwareunternehmen Figma für rund 20 Milliarden Dollar kaufen. Der Übernahmevertrag wird zur Hälfte in Aktien bezahlt werden. 

Dabei verlief der Aufstieg von Figma selbst für die Verhältnisse im Silicon Valley rasant: Anfang 2018 wurde das Unternehmen privat auf 115 Millionen Dollar geschätzt. Letztes Jahr, in einer weiteren Finanzierungsrunde, stieg diese Bewertung auf 10 Milliarden Dollar, wie «The Wall Street Journal» schreibt.

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Aufgrund der geplanten Übernahme durch Adobe hat sich dieser Wert verdoppelt. Die rasche Wertsteigerung sei bemerkenswert, da die Preise für die meisten Technologieunternehmen, ob öffentlich oder privat, in den letzten Monaten im freien Fall waren, heisst es weiter.

Mitbegründer Dylan Field könnte über Nacht Milliardär werden

Figmas dreissigjähriger Mitgründer Dylan Field ist damit plötzlich eine der meistdiskutierten Personen in der Welt der Technologie. Er besitzt nach Angaben von Investoren und Investorinnen nämlich immer noch einen beträchtlichen Teil des Unternehmens. Kommt das Geschäft zustande, wird Field Milliardär.

In einem Interview wenige Stunden nach der Ankündigung des Deals sagte Field, er sei noch dabei, das Ausmass der Veränderungen in seinem Leben zu verarbeiten. «Wenn dieses Geschäft morgen platzen würde, wäre das für mich kein Problem», so Field.

So fielen die Adobe-Aktien am Donnerstag um fast 17 Prozent. Das lässt auf eine weit verbreitete Ablehnung der Übernahme seitens der Anlegenden schliessen. Field sagte, er sei deshalb nicht beunruhigt.

Field brach das Studium für ein Stipendium ab

Field wuchs nördlich von San Francisco in Sonoma County, Kalifornien, auf. Mit drei Jahren brachte er sich und seiner Familie bei, wie man einen Computer bedient. Später begann er ein Studium an der Universität Brown. Dieses brach er aber ab, nachdem er ein Stipendium des Milliardärs und Finanziers Peter Thiel erhalten hatte. 

Dieses Stipendium, das damals noch nicht besonders bekannt war, bot den Bewerbern und Berwerberinnen 100’000 Dollar ohne jegliche Verpflichtungen, wenn sie sich bereit erklärten, das College zu verlassen, um unternehmerische Ziele zu verfolgen.

Field arbeitete zuerst an einer neuen Software zur Modifizierung von Drohnen, um den Verkehr zu überwachen und rücksichtslose Fahrerinnen und Fahrer zu erwischen. Doch das Projekt funktionierte nicht.

Seine nächste Idee war Figma. Zusammen mit Evan Wallace gründete Field die Plattform zur Bearbeitung von Grafiken, die es Menschen ermöglichen, gemeinsam Projekte zu entwerfen.

Figma zieht die Übernahme dem Börsengang vor

Während der Corona-Pandemie wuchs Figma schnell. Zu den Kunden gehören unter anderem Uber Technologies Inc. und Square Inc, jetzt Block Inc. Einer der Vorteile von Figma: Seine browserbasierten Tools funktionieren gleichzeitig auf verschiedenen Plattformen.

Ende letzten Jahres verliess Wallace die Firma. Er war laut Field ausgebrannt und wollte neue Projekte ausprobieren. 

Dieses Jahr bereitete sich Figma auf einen Börsengang vor. Bis der IPO-Markt einfror. Das Angebot von Adobe sei dem Risiko einer Börsennotierung vorzuziehen, erklärt Field – auch wenn einige langjährige Fans des Produkts ihre Bestürzung darüber zum Ausdruck gebracht haben, dass es von einem traditionellen Technologieriesen übernommen werden soll.

(bsc)