Das pandemische Einkaufsverhalten der Schweizerinnen und Schweizer zeigt sich in vielen Ergebnissen. Ein wichtiges Element dabei: Homeoffice-Trend und geschlossene Restaurants bringen es mit sich, dass zu Hause mehr gekocht wird. Gern auch mit Lebensmitteln aus der Region und aus Bio-Anbau.

Eine grosse Profiteurin davon ist die Bio-Bewegung. Alle Schweizer Detailhändler berichten von raketenartigem Bio-Wachstum im letzten Jahr. Diesen Schwung will die Organisation Bio Suisse nutzen und sich online besser aufstellen.

Für Unternehmer und Privatpersonen

Das zeigt sich beim Auftritt mit dem neuen Portal Biomondo: «Mit Biomondo schalten wir einen umfassenden Online-Marktplatz der Schweizer Bio-Landschaft auf», sagt Bio-Suisse-Sprecher David Herrmann. «Auf dieser Plattform können sich Unternehmen und Privatpersonen präsentieren, Inserate schalten und Dritten Waren und Dienstleistungen zum Kauf oder Tausch anbieten.»

In einer ersten Phase werde die bisherige Bio-Börse aufgeschaltet, über welche teilnehmende Betriebe etwa Maschinen oder Dünger handeln oder Stelleninserate aufschalten können. Im zweiten Halbjahr 2021 soll das Online-Schaufenster der Schweizer Bio-Höfe online gehen, das bisher unter «Knospenhof» firmierte. Im ersten Halbjahr 2022 soll eine Rohstoffhandelsplattform auf Biomondo integriert werden.

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Denkbar ist auch, dass Konsumentinnen und Konsumenten über biomondo.ch direkt bei den Produzenten einkaufen könnten. «Diese Möglichkeit besteht durchaus; die Plattform Biomondo ist so ausgestaltet, dass sie auch als Online-Verkaufskanal benutzt werden kann», sagt Hermann. Das Bedürfnis nach direktem Einkauf bei den Bio-Höfen ist ausgewiesen: 2020 stiegen die Umsätze im Segment Direktvermarktung von vormals 169 auf 220 Millionen; ein Plus von 30 Prozent.

20 Prozent zugelegt

Bio-Boom: In der Pandemie und im Kielwasser steigender Detailhandelsumsätze wuchs der Schweizer Bio-Absatz 2020 um 19,1 Prozent. Rund 7500 Höfe arbeiten nach Bio-Suisse-Richtlinien.

Online-Marktplatz: Auf dem neuen Online- Marktplatz biomondo.ch soll sich die Schweizer Bio-Szene besser darstellen und vernetzen. Mehrere Ausbauschritte sind geplant.

Per Online-Direktvermarktung könnten die teilweise hohen Margen des Detailhandels wegfallen. Vorteil für die Konsumenten und Konsumentinnen: Bio-Produkte würden so zugänglicher für einen Kundenkreis, dem Bio bisher zu teuer war. Ein Prinzip, das unter dem Titel «Cut the Middleman» bekannt ist: unter Weglassung einer Handelsstufe bessere Preise anbieten. Vorteil für Bio Suisse: Mit einem Online-Verkaufsangebot könnte die Organisation an Daten zum Kaufverhalten der Kunden kommen und so Sortimente personalisierter bündeln und anbieten.

Aufwendig und teuer

Theoretisch klingt dies attraktiv – und es könnte der Bio-Bewegung helfen, noch mehr Rückhalt in der Bevölkerung zu gewinnen. In der Realität wäre es aber wohl nicht leicht zu erreichen, sagt Peter Jossi, Berater für nachhaltige Ernährungswirtschaft in Basel.

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Online vs. offline: Wie kaufen wir in Zukunft ein?

Während Corona florierte das Online-Geschäft. Beschleunigt sich die Detailhandel-Krise? Und warum guckt Migros bei Amazon ab? Antworten im Podcast.

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Ein Ausbau der seit langem üblichen Direktvermarktung sei zwar gut vorstellbar, aber: «Eine Online-Direktvermarktung muss dieselben logistischen Herausforderungen meistern wie die klassischen Handelskanäle.» Was Jossi damit meint: Es wäre ebenso aufwendig wie teuer, eine Online-Verkaufsplattform für Schweizer Bio-Produkte zum Laufen zu bringen. «Die Vermarktung vielfältiger Bio-Hof-Sortimente über die Nische hinaus stellt hohe arbeitstechnische Anforderungen. Eine neue grossflächige Online-Plattformlogistik kann kaum nachhaltigere und gleichzeitig preiswertere Leistungen erbringen als das schweizweit verankerte Detailhandelsnetzwerk.»

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Es würde wohl grosse Summen verschlingen, ein solches Angebot überhaupt bekannt zu machen. Kommt dazu: Gibt es bei den Konsumenten ein Bedürfnis nach einem reinen Online-Bio-Angebot? Oder ist der Wunsch nach einem One-Stop-Shopping, also einem Sortiment, das alle Bedürfnisse abdeckt, nicht grösser?

Bei Bio Suisse weiss man um diese Herausforderungen. «Wir besprechen und evaluieren das derzeit intern. Es ist ein grosses und anspruchsvolles Vorhaben», sagt Herrmann. Erste Erfahrungen konnte die Organisation letztes Jahr sammeln. Im Sommer 2020 lief ein dreimonatiger Versuch namens «Knospeshop», der zusammen mit Farmy.ch durchgeführt wurde. Dabei handelte es sich um einen webbasierten Pop-up-Shop mit Bio-Artikeln, der auf dem Kanal des Online-Hofladens lief. Ganz bei null müsste man bei Bio Suisse also nicht beginnen.

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