Wasserdichte Kopfhörer sind eine schwierige Angelegenheit. Die kleinen Lautsprecher müssen tief ins Ohr gedrückt werden, was immer wieder zu Reizungen und Entzündungen führt. Wer etwas zügiger schwimmt oder sich am Beckenrand stark abstösst läuft oft Gefahr, dass doch Wasser ins Ohr läuft, weil sie nicht perfekt abdichten. Und häufig müssen die Kopfhörer umständlich an der Schwimmbrille befestigt werden und sind schlichtweg unangenehm zu tragen. Die neuen Xtrainerz von Aftershokz machen das alles anders.

Schon zu Beginn unseres Tests war das Erstaunen gross. Die Xtrainerz wiegen nur 30 Gramm und sind wegen ihrer Titanium-Verstärkung, die mit Gummi ummantelt ist, äusserst stabil und angenehm zu tragen. Das Besondere an ihnen: Sie werden einfach von hinten über die Ohren gelegt, so dass sich der Bügel im Nacken befindet, ihn aber nicht berührt. Dabei lassen sie aber das Ohr komplett frei und liegen in Wangenknochenrichtung direkt vor dem Ohr.

Bone Conduction: Schall versetzt die Schädelknochen in Schwingung

Das ist natürlich Absicht, denn die Xtrainzerz arbeiten mit einer Technologie, die sich Bone-Conduction nennt, was am besten mit Knochenschall übersetzt wird. Der Schall geht also nicht direkt in den Gehörgang. Vielmehr wird der Ton durch Vibrationen übertragen, die das Mittelohr umgehen und den das Gehörorgan umgebenden Schädelknochen in Schwingungen versetzen.

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Das klingt unangenehm, ist es aber überhaupt nicht. Wir hatten die Technologie bereits vor Jahren getestet und uns ein wenig am Kitzeln gestört, das dadurch hervorgerufen wurde. Bei den Xtrainerz ist dieses Kitzeln kaum noch wahrzunehmen. Das Ohr bleibt dadurch komplett frei, man hört also auch noch Umgebungsgeräusche, was im Verkehr eine gute Sache ist.

Doch eigentlich sind die Xtrainerz für Schwimmer gedacht und spielen ihre Stärken vor allem auch im Wasser aus. Die Ohrhörer sind natürlich komplett wasserdicht, was vom Hersteller Aftershokz mit einer IP68-Zertifizierung belegt wird. Sie können sich also zwei Stunden lang zwei Meter unter Wasser befinden, ohne Schaden zu nehmen. Das gilt übrigens auch für Salzwasser, wo andere wasserdichte Ohrhörer versagen.

Man darf keine Hi-Fi-Qualität erwarten

Wir haben die Xtrainerz mehrere Stunden während des Bahnenschwimmens getestet. Sie sitzen fest und können praktisch nicht verrutschen. Die beste Tonqualität erreichen Nutzer, wenn sie während des Schwimmens Ohrstöpsel tragen, die mitgeliefert werden. Denn sonst gibt es zu viele Wassergeräusche beim Auf- und Abtauchen. Der Ton ist für einen Einsatz im und unter Wasser überraschend gut und hat unsere Erwartungen so sehr übertroffen, dass wir staunten. Er ist auch laut genug, aber nie so laut, dass er als unangenehm empfunden werden könnte.

Grundsätzlich darf man bei dieser Knochenschall-Technologie keine Hi-Fi-Qualität erwarten. Aber der Ton ist für den Einsatz im Wasser absolut erstaunlich. Das gilt nicht nur für Musik, sondern auch für Podcasts und Hörbücher, wofür gerade Schwimmer dankbar sein dürften, weil diese Sportart doch meist eintönig und mit vielen Wiederholungen verbunden ist. Trotz des geringen Gewichts hält der Akku des Kopfhörers rund acht Stunden durch und ist binnen 1,5 Stunden wieder aufgeladen.

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Aftershokz_Xtrainerz

Nachteil der Kopfhörer: Bei den aktuellen Modellen ist keine Bluetooth-Funktion vorhanden.

Quelle: Aftershokz

Dass die Xtrainerz vor allem für Schwimmer gedacht sind, zeigt auch die fehlende Bluetooth-Funktion, denn Bluetooth funktioniert unter Wasser nicht. Es gibt für diesen Kopfhörer keine App, er kann auch nicht mit dem Smartphone verbunden werden, um von dort beispielsweise Musik abzuspielen oder einen Anruf zu machen. Musik muss also auf den eingebauten vier Gigabyte grossen Speicher übertragen werden, was für 1000 Songs reichen sollte.

An die Bedienung der Knöpfe muss man sich gewöhnen

Über eine USB-Ladeklammer werden die Xtrainerz mit einem Computer verbunden. Dort tauchen sie dann als Laufwerk auf, zu dem Musik per Drag and Drop übertragen wird. Leider können keine Playlisten von Streamingdiensten wie Spotify offline gespeichert werden. Dafür verträgt der Kopfhörer aber jede Menge Audio-Formate darunter MP3, AAC und Flac.

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Fazit: Wir würden die Xtrainerz nicht als Allround-Kopfhörer empfehlen, dazu fehlen wichtige Eigenschaften wie eine Bluetooth-Funktion und eine bessere Tonqualität. Doch für den Einsatz beim Schwimmen sind sie auch im Konkurrenzvergleich hervorragend. Die Kopfhörer lassen sich über vier Knöpfe auf der rechten Seite bedienen, die gut zu erfühlen sind. An die Bedienung muss man sich jedoch gewöhnen, weil die Knöpfe mit Doppelfunktionen belegt sind. Mit etwas Übung klappt aber auch das. Die Xtrainerz kosten 159,95 Euro.

Dieser Artikel erschien zuerst auf Welt.de unter dem Titel «So können Sie beim Schwimmen problemlos Musik hören».