Tesla-Chef Elon Musk will den Kurznachrichtendienst Twitter für 41,4 Milliarden Dollar kaufen. Das geht aus Dokumenten für die US-Aufsichtbehörden am Donnerstag hervor. Demnach bietet Musk 54,20 Dollar je Twitter-Aktie, was einem Aufschlag von 38 Prozent auf den Schlusskurs vom 1. April bedeutet. Am Tag danach war bekannt geworden, dass Musk mit mehr als neun Prozent bei Twitter eingestiegen war.

«Seit ich meine Investition getätigt habe, ist mir jetzt klar, dass das Unternehmen in seiner jetzigen Form weder gedeihen noch dieser gesellschaftlichen Aufgabe dienen wird», schrieb Musk in einem Brief an Twitter-Chairmann Bret Taylor. Der Milliardär wolle die Internetplattform von der Börse nehmen. «Twitter muss als Privatunternehmen umgewandelt werden», sagte er. Die Twitter-Aktien stiegen vorbörslich um fast 14 Prozent.

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«Mein Angebot ist mein bestes und endgültiges Angebot», betonte Musk. «Und wenn es nicht angenommen wird, müsste ich meine Position als Aktionär überdenken.» Anfang der Woche hatte Musk davon Abstand genommen, in den Verwaltungsrat von Twitter einzuziehen. Ein Sitz in dem Gremium hätte rechtlich verhindert, dass er ein Übernahmeangebot für den Kurznachrichtendienst abgibt.

Musk hat 81 Millionen Follower

Erst im November hatte sich Twitter-Gründer Jack Dorsey von der Konzernspitze zurückgezogen und den Staffelstab an Parag Agrawal übergeben. Musk ist selbst ein eifriger Twitterer mit mehr als 81 Millionen Followern. Diese rief er jüngst dazu auf, über eine sogenannte Editier-Möglichkeit abzustimmen, die Twitter bisher ablehnt. In weniger als drei Stunden nahmen mehr als 1,2 Millionen Nutzer an der Umfrage teil. Rund drei Viertel sprachen sich dafür aus, dass Twitter im Nachgang die Korrektur von Tweets ermöglicht.

Seitdem legte der Tesla-Chef mit einer neuen Umfrage auf Twitter nach. Er fragte die Nutzer, ob der Twitter-Hauptsitz in San Francisco in ein Obdachlosenheim umgewandelt werden sollte, ein Plan, den Amazon-Gründer Jeff Bezos unterstützt. Zuletzt schlug der Milliardär Änderungen am Premium-Abonnementdienst Twitter Blue vor, darunter die Senkung des Preises, das Verbot von Werbung und die Möglichkeit, mit der Kryptowährung Dogecoin zu bezahlen.

Die Verteidigung von Twitter

Twitter ist nicht so gut gegen feindliche Übernahmen geschützt wie etwa Facebook, Amazon oder Google, wo Gründer Aktien mit mehr Stimmrechten bekamen. Das erlaubt ihnen, die Kontrolle über das Unternehmen zu behalten, auch wenn sie nicht mehr die Mehrheit der Aktien halten.

Aber auch wenn Musk bei Twitter theoretisch allein schon mit der Aktienmehrheit ans Ziel kommen könnte - der Dienst hat viele Wege, sich zu verteidigen. Zu den sogenannten «Poison Pills» (Giftpillen), mit denen Unternehmen sich gegen feindliche Übernahmen Wehr setzen, gehört zum Beispiel die Ausgabe neuer günstigerer Aktien an andere Aktionäre. Das verwässert den Anteil eines Angreifers wie Musk.

Musk ist nicht nur Chef des weltgrössten Elektroautobauers Tesla, sondern auch des Raumfahrt- und Telekomunternehmens SpaceX sowie des Neurotechnologie-Anbieters Neuralink und der Infrastrukturfirma The Boring Company. Es könnte also sein, dass er weitere Anteile an den Unternehmen verkaufen muss, um genug Geld für die Twitter-Übernahme zu haben.

(reuters/awp/gku)