Anthropic sagt Nein. Das KI-Unternehmen will nicht, dass das Pentagon in ihrer Zusammenarbeit die KI-Modelle für vollautonome Waffensysteme und zur Massenüberwachung einsetzt. Das konterte US-Verteidigungsminister Pete Hegseth mit der Behauptung, Anthropic sei «zu woke». Präsident Donald Trump nannte den Tech-Konzern ein «linksradikales Unternehmen» und ordnete an, dass alle Bundesbehörden in den nächsten sechs Monaten die Zusammenarbeit mit ihm einstellen.

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Das Pentagon hat Anthropic seither offiziell als Risiko für die nationale Lieferkette eingestuft – eine Massnahme, die bisher rivalisierenden Staaten vorbehalten war. Dagegen hat Anthropic am Montag zwei Klagen eingereicht.

Das Absurde: Das Anthropic-Modell Claude war bis dahin der Liebling des Pentagon, insbesondere aufgrund seiner klaren Ethik- und Sicherheitsprinzipien. Die KI-Software, die auch in Programmen wie Excel und Co. eingebettet werden kann, verarbeitete für US-Behörden Dokumente mit hoher Geheimhaltungspflicht. Dies war ein Gütesiegel für das Unternehmen. Dass Trump den Behörden eine sechsmonatige Frist für den Wechsel gibt, zeigt, wie abhängig die USA von Anthropic sind.

Heiligenschein hat Risse

Im Netz feiern viele den Kurs von CEO Dario Amodei: Anthropic habe Haltung gezeigt. Doch wer genauer hinschaut, findet Risse im Heiligenschein. Noch während der Konflikt mit dem Pentagon eskalierte, lockerte Anthropic eine eigene Richtlinie, nach der potenziell gefährliche Modelle nicht veröffentlicht werden sollten. In der Klageschrift am Montag betont Amodei zudem, man werde «jeden Weg zur Lösung weiterverfolgen – einschliesslich des Dialogs mit der Regierung».

2024 lehnte Amodei saudi-arabisches Kapital noch mit Verweis auf nationale Sicherheit ab. Ein Jahr später räumte er ein, das Geld der Golfstaaten sei nötig, um vorne mit dabei zu sein. In einer internen Nachricht schrieb er dazu: «‹Keine böse Person soll je von unserem Erfolg profitieren› ist aus meiner Sicht leider kein Grundsatz, nach dem sich ein Unternehmen auf Dauer führen lässt.»

Mit der Klatsche für das Pentagon erwischte Amodei auch die Konkurrenz. Als Nachfolgekandidat bot sich nämlich prompt Open AI an. Chef Sam Altman sicherte sich den Pentagon-Vertrag nach eigenem Eingeständnis «etwas übereilt». Denn was für Altman, der täglich den Druck der Investoren spürt, ein profitabler Deal zu sein schien, lieferte Amodei eine PR-Kampagne auf dem Silbertablett. Laut Analysedienst Sensor Tower stiegen die Chat-GPT-Deinstallationen am Tag nach der Ankündigung um 295 Prozent an. Und das, nachdem Open AI kurz davor war, die Milliarden-Nutzer-Grenze zu knacken.

Auch laufen Open AI die Talente davon. Die Robotikchefin Caitlin Kalinowski ist nur der jüngste prominente Abgang. Die Talent-Pipeline scheint direkt in Amodeis Büros zu führen, wo einige ehemalige Open-AI-Mitarbeitende angestellt sind. Vor diesen Hintergründen erhalten Amodeis Pentagon-Prinzipien einen strategischen Beigeschmack. Im Zeitalter von KI ist Integrität eben nicht bloss eine Tugend, sondern auch ein Geschäftsmodell.