Der Enthusiasmus für Startups scheint derzeit kaum Grenzen zu kennen. Dabei ist eine Firmengründung an sich nichts Ausser­ordentliches. Dennoch investieren wir mehr Ressourcen und Kapital in Startups als je eine Generation zuvor. Doch sind unsere Hoffnungen begründet? Als Unternehmer mit über dreissig Jahren Erfahrung frage ich mich: Wie zukunftsträchtig sind Firmen, die man an die Hand nehmen und zum Erfolg führen muss?

Startups sollen das Wirtschaftswachstum ankurbeln und neue Stellen schaffen, doch belegen Daten das ­Gegenteil: Die eigentlichen Treiber von Wachstum wie auch von Beschäftigung sind die Grossunternehmen. Tatsächlich sind es etablierte Unternehmen, welche die Trends bestimmen und die grössten Talente anziehen: Amazon ist 25 Jahre alt, Google 21 Jahre und Alibaba 20 Jahre. Derweil bleiben laut OECD die allermeisten Startups «Mikrounternehmen».

Claudio Cisullo ist Gründer der CC Trust Group AG. Der Unternehmer ist Stiftungsrat der Swiss Entrepreneurs Foundation.

Was bringt angesichts dieser Fakten eine breit angelegte Förderung? Zunächst muss man zwischen einem Jungunternehmen mit einer grossartigen, jedoch kaum skalierbaren Geschäftsidee und einem jungen Wachstumsunternehmen mit dem Potenzial zur internationalen Expansion unterscheiden. Eine High-Growth Firm zeichnet sich durch überdurchschnittliche Produktivität und Innovationsleistung aus und hat das Potenzial, dereinst auf der globalen Bühne mitzuspielen. Dies ist das Segment, das wir differenziert anschauen und systematisch fördern müssen.

Diese Wachstumsfirmen stehen einer enorm verflochtenen Welt ­gegenüber – sei es aufgrund marktspezifischer oder geopolitischer Entwicklungen. Genau hier können und müssen wir ihnen helfen, erfolgreich und nachhaltig durch die hochkomplexe Geschäftswelt zu navigieren, denn die Erfolgreichen unter ihnen tragen früher oder später überproportional zum Wachstum bei und schaffen neue, in der Industrie 4.0 relevante Arbeitsstellen.

Nicht unkritisch, sondern gezielt

Künftig darf es also nicht darum gehen, immer mehr neue Jungunternehmen zu produzieren, denn nur wenige werden eine Rolle für den gesamtwirtschaftlichen Erfolg der Schweiz spielen. Um sie und ihre ambitionierten Leader zu finden und gezielt zu fördern, wurde die Swiss Entrepreneurs Foundation ins Leben gerufen. Sie soll mithelfen, den Zugang von Schweizer High-Growth Firms zu internationalen Märkten zu ebnen. Dies geschieht auf zwei Ebenen.

Die erste ist in der Schweiz eine besondere Herausforderung: Zugang zum Wachstumskapital, verbunden mit einer tiefen Risikobereitschaft der Investoren. Hier bringt die Stiftung institutionelle Investoren, Pensionskassen und Privatanleger mit Startups und innovativen KMU in Kontakt, und zwar in Form eines Fund-of-Fund oder mittels Direktinvestition. Die zweite Ebene besteht darin, dass der Expansionsweg der Startups von über fünf­­zig erprobten Führungskräften und Fachexperten begleitet wird.

Um auf meine Eingangsfrage einzugehen: Unkri­tische und breite Förderung trägt niemals Früchte. Junge Wachstumsunternehmen verdienen unsere gezielte Aufmerksamkeit, denn sie haben das Potenzial, zu wichtigen Wirtschaftsakteuren im Land zu werden.