Die Klarna Bank in Schweden hat rund 800 Millionen bis 1 Milliarde Dollar an neuem Kapital aufgenommen: Dies meldet «Bloomberg» unter Berufung auf Insider. Der Deal soll in den nächsten Tagen publik gemacht werden.

Damit würde der Zahlungsdienstleister aus Stockholm mit rund 31 Milliarden Dollar bewertet. Oder anders: Der Wert des 2005 gegründeten Firma wäre jetzt etwa dreimal höher als bei der letzten Finanzierungsrunde – und diese fand erst im September letzten Jahres statt.

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Höher bewertet als die Credit Suisse

Klarna wird damit mit Abstand das «schwerste» Startup in Europa: Die Firma mit rund 3'500 Mitarbeitern ist ziemlich genau gleich viel wert wie die Credit Suisse. Respektive deutlich mehr als Swisscom. Oder anders: Das schwedische Startup ist auch rund doppelt so wertvoll wie Checkout.com, das zweitgrösste Tech-Startup in Europa, gegründet in London und ebenfalls im Zahlungs-Business tätig. 

An der neuen Finanzierungsrunde von Klarna hätten sich bereits vorhandene Investoren beteiligt, so «Bloomberg». Zu den grössten Anteilseignern gehörten bis dato Sequoia Capital, Blackrock, GIC (der Staatsfonds von Singapur), HMI Capital; beteiligt ist auch H&M.

Klarna Site

«Bezahle später»: Webauftritt von Klarna in der Schweiz.

Quelle: Screenshot Klarna

Vorkassendienstleister

Der Anstieg ist deutlich: Bei einer Finanzierungsrunde im Juni 2019 ergab sich ein Firmenwert von 5,5 Milliarden Dollar, im September 2020 waren es 11 Milliarden und nun 31 Milliarden.

Was macht es aus? Klarna ist ein Zahlungsabwickler für Online-Käufe und erlebte dadurch in den letzten Monaten natürlich ein enormes Wachstum. Das Kerngeschäft liegt im «Factoring»: Klarna übernimmt im E-Commerce die Zahlungsansprüche der Händler und wickelt für sie Kundenzahlungen ab.

Rund eine Viertelmillion Online-Händler nutzen diesen Dienst – sie können via Klarna den Kunden eine Zahlung per Rechnung, Sofortüberweisung oder Ratenzahlung anbieten. Dabei übernehmen die Schweden auch das Betrugs- und Ausfallrisiko. 

Ziel: Das Hauptkonto

Auf der anderen Seite stehen rund 90 Millionen Konsumenten, die inzwischen jährlich übers Klarna-System einkaufen – quasi per Vorkasse. In diesem Bereich expandiert Klarna nun weiter; und es droht dabei sowohl die Kreditkartenfirmen als auch die Retail-Banken zu konkurrenzieren.

Zum Beispiel bietet die App (etwa unter dem Namen «Sofort» in Deutschland) integrierte Shopping-Funktionen, die es erlauben, im H&M-, Adidas- oder Zara-Shop zu bezahlen – quasi nach einem app-basierten «Buy Now, Pay Later»-Prinzip.

Und wie die «Süddeutschen Zeitung» im November meldete, prüft Klarna in Deutschland gar die Einführung eines kostenlosen Girokontos inklusive Debitkarte.

«Wir werden alles an einen Ort bringen», sagte Klarna-Chef Sebastian Siemiatkowski der Zeitung: «Wir haben den Anspruch, langfristig zum Hauptkonto zu werden.» 

(rap, «Bloomberg»).

Börsengang: Direktlisting denkbar, SPAC kein Thema

Klar scheint, dass Klarna relativ kurz vor einem Börsengang steht. Unlängst sagte Firmengründer Semiatkowski gegenüber der Nachrichtenagentur «Reuters», dass er ein Direktlisting prüfe: «Ich halte das für ein sehr interessantes Konzept. Ich weiss, dass Spotify das erfolgreich durchgezogen hat.»

Bei einem Direktlisting bringt ein Unternehmen seine Aktien an die Börse, ohne im Vorfeld öffentlich Papiere zu verkaufen. Damit umgeht das Unternehmen den teuren Bookbuilding-Prozess, bietet den Investoren aber die Möglichkeit, Anteile zu verkaufen oder zu kaufen. «Ich sehe das als modernen Weg an die Börse. Es ist richtig, dass wir daran interessiert sind», so Siemiatkowski.

Investmentbanker halten ein Direktlisting von Klarna für plausibel: «Sie brauchen kein Geld aus einem Börsengang, deshalb wäre ein Direktlisting durchaus sinnvoll», sagte ein Banker, der nicht genannt werden wollte zu «Reuters». Die Banken, die Börsenkandidaten teuer beraten, würden bei einem solchen Schritt weitgehend leer ausgehen.

Eines der vor allem in USA boomenden SPACs (Special Purpose Acquisition Company) für einen Börsengang durch die Hintertür zu nutzen, schloss Siemiatkowski aus: «Ich kann diese Gerüchte gern zurückweisen. Ich glaube, das ist sehr, sehr unwahrscheinlich. Niemand hat mich bisher überzeugt, dass das ein bevorzugter Weg sein könnte.» Ein klassischer Börsengang sei dagegen weiterhin möglich. Vor einer Entscheidung müsse aber erst Finanzvorstand Niclas Neglen an Bord kommen, der im März anfangen soll. «Ich will ihm die Chance geben, das Unternehmen kennenzulernen. Und dann werden wir abwägen, was sinnvoll ist», sagte Siemiatkowski.

(Reuters)