Am Rande der Mojave-Wüste wurde vorgestern ein Durchbruch verkündet: Ein Entwicklerteam präsentierte eine Solarplantage, die Extrem-Hitzewerte von über 1’000 Grad Celsius schaffen kann. Das Unternehmen dahinter heisst Heliogen – und im Gegensatz zu anderen kalifornischen Startups mied es bislang die Öffentlichkeit. Es war im «Stealth Mode», wie CNN das jetzt nennt.

Die Idee: Durch eine Kombination von Artificial Intelligence und Solartechnologie will Heliogen einen Extremofen entwickeln. Die dabei erzielten Temperaturen sollen es wiederum ermöglichen, die Kraft der Sonne direkt für industrielle Prozesse einzusetzen – etwa für die Herstellung von Glas oder Stahl.

Dies wäre ein entscheidender Schritt im Kampf gegen den Klimawandel. Denn sollte es tatsächlich gelingen, eine günstige Solar-Technologie zur Herstellung von Extremtemperaturen zu entwickeln, dann würden plötzlich Öl und Kohle in einem Bereich ersetzbar, der ziemlich immun schien gegen Cleantech. Und immerhin ist nur schon die Zementindustrie für gut 7 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen verantwortlich.

Bill Gates investierte Millionen

Diskret blieb das Jungunternehmen, obwohl es mit Bill Gates einen sehr prominenten Investor hat: Der Microsoft-Milliardär steckte laut eigenen Angaben Millionen in Heliogen. «Industrielle Prozesse zur Herstellung von Zement, Stahl und anderen Materialien sind für über ein Fünftel aller Emissionen verantwortlich», sagte Gates bei der Präsentation der Technologie. «Diese Produkte sind überall in unserem Alltag, aber wir es gibt keine nachweislichen Durchbrüche, die uns erschwingliche, kohlenstofffreie Varianten ermöglichen. Wenn wir auf Null CO2-Emissionen kommen wollen, haben wir noch viel zu erfinden.» Die neue Solarkonzentrations-Technologie, so Gates weiter, sei «eine vielversprechende Entwicklung auf dem Weg, dereinst fossile Brennstoffe zu ersetzen.»

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Ein weiterer bekannter Investor ist der kalifornische Medtech-Milliardär Patrick Soon-Shiong. Die Entwickler kamen insbesondere vom Caltech und vom MIT.

Laut dem Gründer des Unternehmens, Bill Gross, baut Heliogen auf bekannten Methoden der konzentrierten Solarenergie – nur steigere man die Fähigkeit, Wärme zu erzeugen, mit neuen computergestützten Sicht- und Steuerungstechnologien. Dabei erfassen hochauflösende Kameras das Licht von Solarspiegeln. Diese werden so gesteuert, dass die Sonnenenergie voll gebündelt wird auf einen bestimmten Punkt.

Bislang lag der Temperaturrekord, der sich mit Sonnenlicht erzielen liess, bei 565 Grad Celsius. Natürlich sind weitere Fragen offen – insbesondere, wann mit der Marktreife zu rechnen ist. Und es bleibt auch die Frage, wie die Sonnenkraft für Glas- oder Zementhersteller eingesetzt werden kann, die sich in sonnenärmeren Gegenden befinden als im Testort Lancaster, Kalifornien. Die Antwort von Bill Gross: Man werde ein Lagersystem entwickeln, das die Sonnenenergie auch für Regentage aufbewahren kann.

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(rap)

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