Die Business-Idee

Luftgitarre spielen ist bald kein Traum mehr, sondern Realität: Das Startup Mictic aus Zürich hat ein Armband entwickelt, das aus Bewegung Musik macht und damit den Körper zum Instrument werden lässt. «Das Armband Mictic One ist etwa so gross wie eine Uhr am Handgelenk, analysiert mittels eingebauter Sensoren die Bewegungen und übersetzt sie in Echtzeit in Töne», sagt Rolf Hellat, Mitgründer, CEO und Ideengeber des Wearables. Abgespielt werden die Klänge von Streich- oder Tasteninstrumenten, Perkussion oder Synthesizer mithilfe einer App über Smartphone.

Die Gründer

Auf die Idee kam der Filmregisseur Rolf Hellat 2016 beim Sport: «Normalerweise spielten wir Tennis, waren Aufprallgeräusche gewohnt», erinnert er sich. «Bei einem Badminton-Freundschaftsspiel habe ich gemerkt: Da fehlt etwas! Da kam mir der Gedanke, Bewegung in Echtzeit zu ver­tonen.»

Der Einfall reifte hin zur Idee, den Körper zum Instrument werden zu lassen. Als Erfinder von Caps aus Stroh unter der Marke «Le Tom» hatte Hellat bereits Gründungserfahrung. «Ich wusste schnell, dass ich mir Experten dazuholen muss», so der CEO, «die ausgefeilte Sensorik in Echtzeit war die grösste Herausforderung.»

Im Mai 2018 gründete er mit sechs Mitgründern, darunter Musiker, ein Industriedesigner, ein Sounddesigner, ein Patent­anwalt und die Swiss Startup Factory, die Firma Mictic. Hellat und der neu angestellte Musikproduzent und DJ Tobias Witt führen seither das operative Geschäft von Mictic. Beide sind etwa zu 50 Prozent für das Start­up im Einsatz und verdienen sich ihr Geld noch mit ihren anderen Jobs. Die anderen Mitgründer unterstützen das Team auf Stundenbasis.

Der Markt

Die ersten Armbänder sind als Prototypen im Umlauf und wurden bereits von Musikern, Tänzern und Tech-Interessierten getestet. Noch ist Mictic One in den letzten Zügen der Entwicklung, und auch die App wird noch justiert. Nach rund 3,5 Jahren Entwicklung soll der Markteintritt 2020 erfolgen.

«Einige Startups und Unternehmen weltweit arbeiten an verschiedenen Ideen, durch Sensoren Sound zu erzeugen», sagt Hellat, «aber den Körper zum Instrument machen nur wir.» Ein Patent ist angemeldet.

Neben jungen Tech- und Musikbegeisterten sollen vor allem Tänzer und Bewegungsfreudige die künftige Zielgruppe bilden: «Ein Instrument für den Profimusiker ersetzt unser Armband nicht, aber Musiker und Tänzer haben dadurch zusätzliche Möglichkeiten der Gestaltung», ist Musikproduzent Tobias Witt überzeugt.

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Das Kapital

Mictic wurde bisher durch das Gründungsteam, die Swiss Startup Group und externe Investoren finanziert, die bisher einen mittleren sechsstelligen Betrag investiert haben. Mictic One kann aktuell im Doppelpack für 99 Dollar vorbestellt werden, die zukünftige Preisempfehlung liegt voraussichtlich bei 139 Dollar.

«Wir empfehlen den Gebrauch mit von zwei Armbändern», sagt Rolf Hellat. «Das fühlt sich einfach echter an und man kann direkt eine Klangwelt aus mehreren Instrumenten erzeugen.» Ein bisschen Übung sei ­nötig, doch die Wearables funktionierten intuitiv.

Die Chance

In den kommenden Monaten sollen Armband und App reifen und Industriepartner für die Massenproduktion gefunden werden. «Ausserdem sind Aufmerksamkeit erregende Auftritte mit Orchestern sowie Marketing-Events mit Musikern, Tänzern und Kindern angedacht», sagt Tobias Witt. «Unser Armband bringt viele zum Staunen – da müssen wir ansetzen.»