Digitalisierung und Klima. Das sind die beiden Hauptthemen am diesjährigen Weltwirtschaftsforum WEF in Davos. Die Reduktion von Treibhausgas ist das zentrale Element bei der Klimadebatte. Der Umgang mit Daten wiederum ist eine der fundamentalen Herausforderungen der Digitalisierung. Hier kann die Schweiz in den kommenden Jahren eine wichtige Rolle einnehmen.

Es war am 2. September 2019, als die Standortinitiative Digital Switzerland über dreissig Konzernchefs, Präsidentinnen und Präsidenten von grossen, internationalen Organisationen und Institutionen nach Genf einlud. Ziel: Lancierung einer globalen, in Genf basierten Initiative, die nachhaltig fairen und ethischen Umgang mit Daten im digitalen Zeitalter thematisiert und honoriert.

Der Autor

Marc Walder ist CEO der Ringier AG und Gründer der Standortiniative «Digital Switzerland». Er ist zudem Verwaltungsrat von Ringier Axel Springer Schweiz (wozu auch HZ und die «Handelszeitung» gehören).

Google, Uber, IBM, Microsoft, Facebook, Roche, Mozilla, Booking, UBS, Credit Suisse, Zurich, Siemens und andere global aktive Unternehmen nahmen die Einladung zur Swiss Digital Initiative an, aber auch das IKRK, die EPFL, die ETH oder die UNO. Schirmherr der Swiss Digital Initiative ist seither Bundesrat Ueli Maurer. Präsidentin der soeben gegründeten Stiftung ist alt Bundesrätin Doris Leuthard.

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Am WEF wurde nun im «House of Switzerland» die nächste Etappe lanciert: die Entwicklung des Swiss Digital Trust Labels. Digitale Services wie Apps oder Websites verdienen sich dieses Label, indem sie Kriterien erfüllen, welche zusammengenommen Vertrauenswürdigkeit konstituieren. Das Label berücksichtigt Aspekte wie den Umgang mit Daten, Sicherheit und Verlässlichkeit. Es soll Orientierung und Transparenz für die Nutzer digitaler Dienste schaffen. Führende Akademiker von EPFL, ETH, Uni Genf und Uni Zürich arbeiten an der Definition dieses – zugegebenermassen – komplexen Kriterienkataloges. Booking, Credit Suisse, IBM, Swiss Re, SBB, Kudelski und der Kanton Waadt arbeiten in den kommenden Monaten am Pilotprojekt für das Digital Trust Label.

«Mit der Swiss Digital Initiative kann die Schweiz eine historische Rolle auch in der vierten industriellen Revolution fortsetzen.»

Eine ausgewogene Gruppe von Unternehmen und Institutionen. Neben den Testpartnern und der Wissenschaft sollen ein Auditpartner sowie ­zivilgesellschaftliche Akteure in die Entwicklung des ­Labels eingebunden werden.

Die zwei mir am meisten Fragen lauten: Warum schliessen sich Unternehmen und Institutionen dieser Initiative an? Und: Warum lancierte die Standort­initiative Digital Switzerland ein derart global ausgerichtetes Projekt?

Zur ersten Frage: Die Generierung von Daten, das Aufbewahren von Daten, die Analyse von Daten und die Verwendung von Daten ist zu einem kritischen Erfolgsfaktor für Unternehmen und Institutionen geworden. Oder, aggregiert: ohne Vertrauen keine Interaktion mit Kunden – und somit kein Geschäft.

Zur zweiten Frage: Die Schweiz, speziell Genf, hat eine lange, glaubwürdige und global relevante Tradition in humanitären Angelegenheiten, Abrüstung und Menschenrechten. Mit der Swiss Digital Initiative können die Schweiz und speziell Genf diese historische Rolle auch während der vierten industriellen Revolution fortsetzen.

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