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Fazit
ABB bestätigt Versagen bei Korruptionsfall

Der Korruptionsfall in Südkorea kommt den Elektrokonzern ABB günstiger als erwartet. Doch der Skandal lässt die Firmenspitze schlecht aussehen: Im Jahresbericht bestätigt E&Y das Managementversagen.

Von Marc Bürgi
am 13.03.2017

Rund 100 Millionen Dollar könnte der Korruptionsfall dem Konzern kosten, warnte ABB im Februar. Diese Schätzung war zu hoch, wie sich jetzt herausstellt: Der Skandal in Südkorea wird den Automatisierungstechnikkonzern aus Zürich mit 73 Millionen Dollar belasten. Versicherungszahlungen ermöglichen es ABB, den Schaden tiefer als erwartet zu halten.

Für das Management um ABB-Chef Ulrich Spiesshofer ist der Skandal dennoch peinlich. Die Buchprüfer von Ernst & Young (E&Y), welche die interne Untersuchung von ABB sichteten, bestätigen nun gleich mehrere Verfehlungen der Konzernspitze.

Leichtes Spiel für den kriminellen Manager

Die Buchprüfer bemängeln unter anderem den Schutz der Firmensignaturen – der korrupte Manager hatte offenbar keine Probleme, im Namen des Konzerns Scheinverträge zu unterschreiben. Auch die Aufgabenteilung in der Ländergesellschaft war gemäss Ernst & Young nicht angemessen.

ABB habe es versäumt, das lokale Management angemessen zu überwachen und dessen Finanzaktivitäten zu überprüfen, heisst es in dem Bericht, der dem heute vorgelegten Geschäftsbericht beigelegt ist. «Die interne Kontrolle über die Finanzberichterstattung war Ende 2016 nicht effektiv» räumt Spiesshofer im Jahresbericht ein.

Unterschlagungen im grossen Stil

Der Korruptionsskandal passierte in der südkoreanischen Ländergesellschaft: Der Finanzchef bediente sich aus der Firmenkasse. Seine Unterschlagungen und Veruntreuungen kamen erst ans Licht, nachdem der Mann Anfang Februar verschwunden war. Dann reagierte der Konzern: Er schaltete die Behörden ein, beauftragte E&Y mit der internen Untersuchung und verschob deshalb die Publikation des Jahresberichts auf heute Montag.

ABB toleriere kein unethisches Verhalten und habe diesbezüglich eine «Nulltoleranzstrategie», kommentierte Spiesshofer den Skandal. Allerdings ist der CEO aktuell noch mit einer anderen unangenehmen Affäre konfrontiert: Die britischen Behörden untersuchen, ob die britische ABB-Tochter in einen Schmiergeld- und Korruptionsskandal um die Ölfirma Unaoil verwickelt ist.

Der Finanzchef geht sowieso

Spiesshofer dürfte froh sein, dass sein Finanzchef onehin das Unternehmen verlässt: CFO Eric Elzvik wird Ende Monat abtreten und seine Aufgabe an Timo Ihamuotila abgeben. Der Wechsel ist schon seit Monaten bekannt und steht in keinem Zusammenhang mit Südkorea.

An der Börse schlägt das Fazit zur Affäre aber wenig Wellen: Kurz vor Mittag wird die ABB-Aktie unverändert zum Freitagabend gehandelt auf 22,75 Franken. Finanzielle Konsequenzen für Spiesshofer wird der Skandal übrigens auch nicht haben: Sein Lohn stieg letztes Jahr sogar, um 200'000 auf 9,3 Millionen Franken.

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