Das Feuerwerk war nur von kurzer Dauer. Heute ist der ABB-Aktienkurs wieder dort, wo er kurz vor dem Abgang von Konzernchef Ulrich Spiesshofer stand – bei gut 19 Franken. Es muss vor allem eine Enttäuschung für Peter Voser sein, denn als er, der ABB-Präsident, ankündigte, er würde bis auf weiteres den Posten des scheidenden Konzernchefs übernehmen, schnellte der Aktienkurs zeitweilig um 5 Prozent in die Höhe. Voser, so war der Kurssprung zu deuten, würde es richten.

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Ein Interner mit schlechten Karten

Die Anfangsfreude ist gewichen, längst hat die Normalität Einzug gehalten. Und die sieht vor, dass Voser einen Spiesshofer-Nachfolger sucht und präsentiert.

Intern scheint kaum einer fürs Amt prädestiniert, vielleicht noch der Amerikaner Tarak Mehta. Der 52-Jährige, der in Chicago studierte, leitet die Sparte Elektrifizierung, die fast die Hälfte zum Gesamtumsatz beisteuert. Allerdings ist Mehta zurzeit mit einer Herkulesaufgabe betraut, nämlich der Integration des 2-Milliarden-Geschäfts Industrial Solutions, das man 2017 von General Electric (GE) übernommen hat.

Einfach ist dies nicht, denn die GE-Sparte muss auf Rendite getrimmt werden. Sonst bleibt sie eine Belastung für den gesamten ABB-Konzern.

Derweil mehren sich in Skandinavien Stimmen, die nach dem Deutsch-Schweizer Spiesshofer am liebsten einen gestählten Nordländer auf dem Chefsessel sähen. Massgeblich beteiligt an der Kür sind neben Voser die zwei Machtzentren in Schweden – der Wallenberg-Clan als grösster Aktionär und die Cevian-Gruppe als zweitgrösster. Beide sind im Verwaltungsrat prominent vertreten.

Zwei Schweden im Gespräch

Derzeit machen im hohen Norden zwei Namen die Runde. Der eine ist Börje Ekholm, Chef der schwedischen IT-Firma Ericsson. An dem erfolgreichen Netzwerkausrüster sind die ABB-Grossaktionäre Wallenberg und Cevian ebenfalls beteiligt.

Neben Ekholm kursiert seit neustem auch der Name Björn Rosengren in der Branche. Rosengren ist Chef der Sandvik-Gruppe, also eines breit aufgestellten Industriekonzerns. Sein Leistungsausweis ist beeindruckend. Seit er vor bald vier Jahren übernahm, hat sich der Wert des Unternehmens verdoppelt.

Davon kann Peter Voser nur träumen. Seine ABB bewegt sich seit zehn Jahren nur noch seitwärts. Es war schliesslich die Diskrepanz zwischen Ankündigungen und Aktienkurs, die Spiesshofer zu Fall brachte.

(bar)