Die Aktie der Credit Suisse erlebt einen rabenschwarzen Tag. Im Sog der negativen Nachrichten rund um die Pleite der Silicon Valley Bank (SVB) crasht der Aktienkurs. Das Papier startet den Handel bei knapp 2,50 Franken je Aktie – und ringt im Verlauf des Tages immer wieder mit der Marke von knapp über 2,10 Franken je Aktie. Das Minus: lange zweistellig, dank leichter Erholung am Nachmittag zum Börsenschluss schliesslich bei 9 Prozent. Die Börsenkapitalisierung: nunmehr bloss noch rund 9 Milliarden Franken.

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Für das Papier galt zwischenzeitlich ein Handelsstopp. Das tritt an der Schweizer Börse SIX ein, wenn der Aktienkurs zu schnell vom Referenzkurs abweicht. Gleichzeitig explodierten die CDS-Kurse auf neue Höchststände. Fünfjährige Kreditausfallversicherungen für Schuldpapiere der Credit Suisse, sogenannte Credit Default Swaps (CDS), stiegen auf 451 Basispunkte, wie «Cash» mit Verweis auf Daten von S&P Market Intelligence schreibt. Bei Bloomberg wurde ein Stand von 447 Basispunkten angeben.

Der bisherige Rekordwert datiert von Ende November bei 444 Punkten. Der Wert lag Anfang Februar noch bei rund 270 Basispunkten. 

Gift für die CS

Die Kursverluste der CS sind überdurchschnittlich. Der Swiss Market Index (SMI) schwankt am Montag zwischen einem Minus von 1 und 2 Prozent. Die UBS verliert – je nach Tageszeit –  rund 6 bis 8 Prozent. Sie überschreitet die Minus-Marke von 10 Prozent nie – im Gegensatz zur Rivalin vom Paradeplatz.

Die CS steht seit Monaten im Sturm. Positive Neuigkeiten vom Freitagabend helfen der Aktie überhaupt nicht: Die Finanzmarktaufsicht Finma wird kein aufsichtsrechtliches Verfahren wegen Äusserungen von Verwaltungsratspräsident Axel Lehmann eröffnen. Dabei ging es um Aussagen zu den Abflüssen von verwalteten Vermögen. Aber eben: die Positiv-Nachricht verpufft, zu gross sind die Ängste um das, was aktuell passiert. 

Zweijährige US-Anleihen mit stärkstem Rückgang seit Börsencrash 1987

Die Volatilität an den Obligationenmärkten nimmt keine Ende. Kletterten die Rendite im letzten Jahr in Rekordtempo auf undenkbare Höhen, so erfolgt nun die Korrektur innert Tagen in schwindelerregendem Tempo. So sind die Rendite für 2-jährige US-Staatsanleihen in den letzten drei Tagen von 5,10 auf 4,16 Prozent um ein knappes Prozent gesunken. Alleine am Montagmorgen betrug der Rückgang 0,5 Prozent, was den stärksten Tagesrückgang seit dem Börsencrash 1987 darstellt. 

Dem Abwärtssog bei den Renditen konnten sich auch die länger laufenden Obligationen nicht entziehen. Die Renditen für 10-jährige Treasury Bonds sanken in den letzten drei Tagen um 0,60 Prozent auf 3,40 Prozent, deutsche Staatsanleihen um 0,58 Prozent auf 2,18 Prozent und auch die Rendite für 10-jährige Eidgenossen rasselte in den Keller: Von 1,55 auf 1,13 Prozent.

Der stärkste Einbruch am Schweizer Markt war bei den 3-jährigen Papieren zu verzeichnen, wo die Rendite innert 3 Handelstagen von 1,64 auf 1,05 Prozent um rekordverdächtige 0,59 Prozent zurückging. Zwar sind die Kursschwankungen gerade bei den kurzlaufenden Schweizer Obligationen und Geldmarktanlagen hoch. Trotzdem sind sie ein guter Indikator, in welche Richtung und welcher Geschwindigkeit sich die Zinsen und Renditeerwartungen bewegen. 

Gerade der Renditerückgang beim 3-jährigen «Eidgenossen» signalisiert, dass mittelfristig auch beim Franken Zinssenkungen eingepreist werden. Allerdings dürfte die jüngste Entwicklung die Schweizerische Nationalbank (SNB) nicht davon abhalten, die Leitzinsen im März zu erhöhen. 

Mehr lesen Sie hier bei «Cash».

Für die Bank, die sich inmitten einer Restrukturierung befindet, ist die panische Stimmung pures Gift. Nach den verschiedenen grossen Skandalen und dem einhergehenden stark ramponierten Vertrauen der Investoren sowie Kunden und somit hohen Geldabflüssen in jüngster Zeit schüren die Beben im US-Finanzsektor Unsicherheit.

Finma beobachtet Situation

Die Finma will sich aktuell nicht zum Kurszerfall der Credit-Suisse-Aktien und zum Zustand der Bank äussern. «Die Finma äussert sich nicht zu Aktienkursen von Beaufsichtigten oder zu Einzelheiten ihrer Aufsichtstätigkeit bei einzelnen Instituten», sagte ein Sprecher am Montag.

Der Finma-Sprecher ergänzte immerhin, die Behörde nehme die Medienberichte unter anderem zur Silicon Valley Bank in den USA zur Kenntnis und beobachte die Situation genau. Wie bei solchen Vorkommnissen üblich, evaluiere man das direkte und indirekte Exposure der beaufsichtigten Banken und Versicherungen gegenüber den betroffenen Instituten.

«Ziel ist es, frühzeitig allfällige Klumpenrisiken und allfälliges Ansteckungspotenzial zu erkennen», so der Sprecher. Die Behörde steht laut den Angaben diesbezüglich mit verschiedenen Instituten und ausländischen Behörden wie üblich in Kontakt.

(ise)

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