Kaufen - so lautet auch weiterhin die oberste Losung des breiten Aktionärspublikums. Eine kleine, wohlinformierte Gruppe von Marktteilnehmern tut indes genau das Gegenteil: Sie verkauft, und zwar in grossem Stil.

Die Rede ist von den Managementmitgliedern der an der SWXSwiss Exchange kotierten Unternehmen. Seit dem 1. Juli 2005 sind die Kader dazu angehalten, Transaktionen von firmeneigenen Aktien offen zu legen. Inzwischen wurden gemäss SWX über 800 «Insider»-Bewegungen gemeldet. Rund zwei Drittel davon entfielen auf Verkäufe. Im November erreichten die Veräusserungen mit einem Anteil von über 70% am Gesamtvolumen gar einen neuen Höchstwert. Sind die Aktivitäten der Schweizer Wirtschaftsführer deshalb bereits die Vorboten einer kommenden Korrektur?

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Micronas aktiv vor Absturz

Sven Bucher, Aktienanalyst bei der Zürcher Kantonalbank (ZKB), sagt dazu: «Nach den Rekordgewinnen in diesem Jahr ist es nur logisch, Positionen abzubauen». Bucher beobachtet die gegenwärtige Verkaufswelle mit Interesse: Als Mosaiksteinchen im Gesamtbild seien die einzelnen Bewegungen nicht zu unterschätzen. Denn Manager sollten die besten Insider sein, und ihre Haltung gegenüber dem Unternehmen sei ein wichtiges Signal für dessen Gewinnpotenzial.

Tatsächlich wäre es den Investoren in einzelnen Fällen durchaus zustatten gekommen, hätten sie sich die Einträge auf der Webseite des SWX genauer angeschaut. Beispiel Micronas: Beim Halbleiterhersteller häuften sich zwischen dem 5. und dem 8. September die Veräusserungen. Eines oder mehrere Mitglieder der Geschäftsleitung bzw. des Verwaltungsrats verkauften innerhalb dieser Zeitspanne 22 170 Aktien zu Kursen von 55 bis 56 Fr. Einen Monat später dann dies: Wegen eines Rückschlags bei den Auftragseingängen im 3. Quartal musste Micronas völlig überraschend eine Gewinnwarnung vermelden. Der Kurs stürzte unmittelbar um 15% und dümpelt seither bei 45 Fr. Schon Mitte Februar war der Kurs nach einem schlechten 1. Quartal ins Rutschen geraten. Und auch damals hatte ein Mitglied der Geschäftsleitung (laut Website der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht in Deutschland war es Finanzchef Manfred Häner) noch Wochen zuvor Aktien abgesetzt.

Micronas ist indes kein Einzelfall. Zu einem Anstieg der Managementverkäufe kam es auch im Vorfeld zum schwächeren Halbjahresresultat beim Maschinenbauer Bobst. Seit Ende August ist hier der Aktienkurs ebenfalls gefallen von knapp 58 Fr. auf derzeit 51 Fr.

Nicht immer ein Indikator

Trotzdem ist der Handel von «Insidern» nicht immer ein Frühindikator für Investoren. Denn firmeneigene Aktien sind auf Kaderstufe vielfach Bestandteil der Entlöhnung. Somit werden sie auch für so wenig kursrelevante Aktionen wie etwa den Kauf eines Hauses eingesetzt. In seltenen Fällen können abgestossene Titel sogar die Kurse treiben dieser Tage geschehen beim Medizinaltechnikunternehmen Ypsomed. Vor diesem Hintergrund interessieren an der Börse weniger die Veräusserungen, sondern die Kaufpolitik der Firmenführung.

So gilt es als erwiesen, dass mit einer konsequenten Nachahmung der Zukäufe von Managern eine Mehrrendite erwirtschaftet werden kann. Besonders weit entwickelt ist diese Strategie derzeit in den USA, wo die Offenlegungspflicht bereits seit 1934 gilt. So führt etwa die Credit Suisse First Boston ein eigenes «Insider-Zertifikat» auf 30 ausgewählte US-Titel. Gehandelt wir das Instrument jedoch nur in Deutschland. Von verschiedenen Seiten ist nun zu vernehmen, dass ein Produkt auf Schweizer Insider-Käufe zumindest denkbar wäre.

Gewinnträchtige Zukunft

Denn Kurssteigerungen nach Insider-Käufen lassen sich schon heute verfolgen das Beispiel liefert hier wiederum Ypsomed. Nach der Patentklage von Novo Nordisk gegen Ypsomed-Kundin Sanofi-Aventis stürzte der Kurs Mitte September fast um 30 Fr. ab. Ein nichtexekutives Verwaltungsratsmitglied kaufte dann prompt für 1,406 Mio Fr. Aktien zu, und schon Anfang Oktober notierte der Kurs wieder 8% höher. Das lässt auf weitere zukunftsweisende Käufe hoffen.

So kaufte ein Führungsmitglied von Swatch im November für 1,16 Mio Fr. firmeneigene Aktien. Das dürfte sich lohnen: Der Aktienkurs des Uhrenherstellers gilt gegenüber seinen Konkurrenten als unterbewertet. Gleichzeitig erwartet der Konzern sehr gute Ergebnisse für das Jahr 2005. Zugegriffen wurde auch bei den Nebenwerten, etwa seitens der Geschäftsleitung von Eichhof: Am 6. Dezember steht beim Mischkonzern das Jahresergebnis an. Man wird sehen.

Offenlegungspflicht: Nicht glasklar

Seit dem 1. Juli dieses Jahres müssen die Mitglieder der Geschäftsleitung sowie des Verwaltungsrats der an der SWX kotierten Firmen den Handel mit Effekten des eigenen Unternehmens offen legen. Damit ist die Schweiz aber immer noch weit vom «gläsernen Management» entfernt. Die Namen bleiben geheim, grundsätzlich müssen nur Transaktionen über 100 000 Fr. angezeigt werden. Bei Regelverstössen ist die SWX kulant: Bis anhin wurde nur gemahnt. (sg)