Die Allianz zieht sich unter dem Eindruck des Krieges in der Ukraine voraussichtlich ganz aus Russland zurück. «Die Wahrscheinlichkeit ist sehr hoch, dass wir Russland ganz verlassen», sagte Finanzvorstand Giulio Terzariol am Donnerstag in München. In diesem Fall droht dem Versicherungskonzern ein negativer Bilanzeffekt von 400 bis 500 Millionen Euro, der auf die Gewinn- und Verlustrechnung durchschlägt.

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Das Neugeschäft hatte die Allianz in Russland bereits im Februar eingestellt. Am Umsatz in Mittel- und Osteuropa hat das Land nur einen Anteil von einem Prozent. Im Zusammenhang mit dem Ukraine-Krieg seien der Allianz bisher nur wenige Schäden gemeldet worden, sagte Terzariol. «Ich sehe da nichts Grösseres.»

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In den meisten Versicherungssparten sind Kriegsschäden in den Verträgen ausgeschlossen. In der Kreditversicherung, wo das anders ist, hat die Allianz vorsichtshalber rund 100 Millionen Euro zurückgestellt. Dazu kamen nicht bezifferte Abschreibungen auf Kapitalanlagen in Russland und der Ukraine, die wegen des Krieges und der Sanktionen an Wert verloren.

Naturkatastrophen-Schäden deutlich höher

Trotz allem bleibt die Allianz bei ihrer Gewinnprognose für das laufende Jahr. Das operative Ergebnis werde zwischen 12,4 und 14,4 Milliarden Euro liegen, in der Mitte der Spanne läge es auf dem Niveau des Vorjahres. Knapp ein Viertel davon hat die Allianz im ersten Quartal schon erreicht: Der operative Gewinn lag wegen deutlich höherer Naturkatastrophen-Schäden aber mit 3,2 (3,3) Milliarden Euro drei Prozent unter dem Vorjahreswert.

Fast 700 Millionen Euro hat sie für Stürme in Deutschland oder Überflutungen in Australien ausgegeben, viermal so viel wie im ersten Quartal 2021 und so viel wie seit einem Jahrzehnt nicht mehr. «Die Ergebnisse dieses Quartals zeigen, dass unser Geschäft erheblichen geopolitischen und wirtschaftlichen Belastungen standhalten kann», sagte Vorstandschef Oliver Bäte.

Die 1,6 Milliarden Euro nach Steuern, die die Allianz für Vergleiche mit US-Investoren im Streit um Hedgefonds-Verluste zurückgestellt hatte, dezimierten den Nettogewinn nach Anteilen Dritter im ersten Quartal um mehr als drei Viertel auf 561 Millionen Euro. Der Versicherer hofft, damit finanziell einen Schlussstrich unter die Affäre um Milliarden-Verluste von US-Pensionskassen und institutionellen Anlegern mit spekulativen Fonds gezogen zu haben. «Wir übernehmen dafür als Vorstand die Verantwortung», sagte Terzariol auf die Frage nach personellen Konsequenzen. «Aber persönliche Verantwortung ist etwas anderes.»

Lebensversicherung tritt auf der Stelle

Das operative Geschäft läuft zumeist rund. Der Umsatz - also die Summe aus Versicherungsbeiträgen und Vermögensverwaltungs-Gebühren - stieg von Januar bis März um sechs Prozent auf 44 Milliarden Euro. Getrieben wurde das Wachstum von der Sachversicherung, wo die Beiträge um neun Prozent zulegten. Nur die schrumpfende europäische Direktversicherungs-Tochter Allianz Direct macht Terzariol Bauchschmerzen. In den Niederlanden laufe es gut, in Italien leide man mit der Konkurrenz, in Deutschland gebe es aber Handlungsbedarf. «Wir müssen dringend etwas tun. Wir haben etwa den Fokus auf die Kunden verloren.»

Die Lebensversicherung tritt beim Ergebnis auf der Stelle. Terzariol verwies aber auf die auf 2,3 (Vorjahr: 1,5) Prozent gestiegene Rendite bei der Neuanlage der Kundengelder. «Das macht mir keine grossen Sorgen mehr.» In der Asset-Management-Sparte musste der auf festverzinsliche Anlagen spezialisierte US-Vermögensverwalter Pimco erstmals seit langem wieder Netto-Mittelabflüsse hinnehmen. Für externe Kunden verwaltete die Sparte Ende März 1,88 Billionen Euro.

(reuters/gku)