Zuletzt hat Alpiq vor allem abgebaut und verkauft. Nun steht für einmal wieder ein Ausbau an, wie Recherchen zeigen. In Deutschland plant der Schweizer Stromkonzern ein neues Produkt für Kleinkunden, wie eine Sprecherin gegenüber der «Handelszeitung» bestätigt.

Vor kurzem liess Alpiq die Marke «Claridoo» registrieren, die offenbar in Deutschland zum Einsatz kommen soll. Auch ein deutsche Internet-Domain wurde eingetragen. Die Marke stehe «im Zusammenhang mit Aufbauaktivitäten für den deutschen Retailmarkt und einem Produkt für innovative Energiedienstleistungen, das Mehrwert für Energiekunden biete», so die Sprecherin. Mehr könne man derzeit noch nicht dazu sagen.

Bereits heute ist Alpiq im deutschen Retail-Markt tätigt. Im liberalisierten Markt bietet Alpiq Strom mit Wasserkraft-Zertifikat an. Der Vertrieb erfolgt dabei ausschliesslich online. Welche konkrete Strategie Alpiq damit verfolgt ist unklar, aber offenbar wächst das Geschäft.

Alpiq forscht an neuen Anwendungen

Das neue Produkt dürfte dagegen eher im Bereich «Smart Home», der Vernetzung von Geräten und Strominstallationen angesiedelt sein. Genau in diesem Bereich forscht auch das «Oyster Lab», eine in Zürich angesiedelte Aussenstelle des Stromkonzerns, die sich das Ziel gesetzt hat, neue Produkte für Konsumenten zu entwickeln. Geleitet wird sie vom Ex-Zalando-Mann Bastian Gerhard und angesiedelt ist sie bei Alpiqs Digital-Chef Markus Brokhof, der auch im Vorstand der Deutschland-Tochter sitzt.

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«Wir sind in Süddeutschland von Haus zu Haus gezogen und haben bestimmt mit fünfzig Familien Kaffee getrunken und intensiv diskutiert», erklärte Lab-Chef Gerhart vor einem Jahr im Gespräch mit der «HZ». Im Fokus: Einfamilienhausbesitzer mit eigener Photovoltaikanlage auf dem Dach. Die Ausgangsfrage: Wie lässt sich der Eigenverbrauch ihrer Anlage erhöhen? Rasch kristallisiert sich im Gespräch mit den Häusle-Besitzern für Gerhards Mannschaft ein «grosser Verbraucher» heraus, der «emotional und sexy» zugleich ist: ein Elektroauto für die schwäbische Mittelstandsfamilie. Daraus entstand die Idee für eine Abomodell für Elektroautos.

Wie viel Expansion darf neu-CEO Schnidrig wagen?

Unklar ist, warum Alpiq für seine neuen Pläne eine separate Marke hat registrieren lassen. Bisher ist der Stromkonzern in Deutschland nur mit seiner Stamm-Marke unterwegs. Alpiq wollte sich dazu bislang nicht äussern. Klar ist, dass Deutschland weit oben auf der To-Do-List des unlängst zum Konzernchef beförderten André Schnidrig steht. Im Januar übernimmt der die Konzernführung von Jens Alder, der diese derzeit im Doppelmandat mit dem VR-Präsidium innehat.

Klar ist, dass die neu eingestiegenen Aktionäre hinter dem Credit-Suisse-Fonds CSA wenig Interesse an Experimenten im Ausland haben, sehen sie Alpiq doch vor allem als Investition in die Schweizer Stromwirtschaft. Erst recht, seitdem Alpiq den Service-Bereich Intec an die französische Bouygues verkauft hat. Die Strategie von Alpiq sei unverändert, sagt eine Sprecherin dazu.