Bis vor wenigen Jahren lag ein möglichst hoher Free Float – also der Anteil der frei handelbaren Aktien eines Unternehmens – voll im Trend. Kühne + Nagel-Präsident Michael Kühne und die Verlegerfamilie Coninx von Tamedia etwa, die ab 2000 ihre Familienaktienpakete reduzierten, wurden von den Investoren an der Börse beklatscht. Denn dort lautete das Credo: Illiquide Titel sind äusserst unbeliebt, ein möglichst hoher Streubesitz war demnach das Ziel der Firmen.

Doch hinter dem Effort, ein möglichst breit gestreutes Aktionariat dem stabilen Aktionariat vorzuziehen, steckten auch regulatorische Gründe. Die Schweizer Börse SWX gewichtet seit Oktober 2001 den Free Float eines Titels mit, die Marktkapitalisierung wird um den Faktor «Free Float» adjustiert. Dies bedeutet, dass grosse Aktienpakete, welche den Grenzwert von 5% erreichen oder überschreiten, von der gesamten Marktkapitalisierung subtrahiert werden.

Als allgemeine Regel zur Erhebung des Streubesitzes gilt die Anzahl aller ausgegebenen Aktien minus die Anzahl Aktien, die als strategische Investments über längere Zeit gehalten werden. Die minimale Untergrenze für die Aufnahme in den Swiss Performance Index (SPI) liegt bei einem Free Float von über 20%, und dies während dreier Monate.

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Stabilität statt Liquidität

Durch die Umstellung im Jahr 2001 konnten die Grosskonzerne ihre Stellung im SMI/SPI-Index tendenziell auf Kosten der Kleinen verbessern. Laut der SWX hat sich der Free Float seither tendenziell erhöht. Heute liegt der durchschnittliche Anteil frei handelbarer Aktien im Swiss Market Index bei 78%, im breiteren SPI bei 63%. Vergleichszahlen liegen nicht vor.

Mittlerweile scheint aber ein Gegentrend eingesetzt zu haben. Ein stabiles Aktionariat ist den Firmen wichtiger als ein hoher Free Float und eine gute Indexposition. So sagte etwa Straumann-Konzernchef Gilbert Achermann Anfang Jahr, dass er nicht plane, den Free Float zu erhöhen. Lediglich 49% der Straumann-Aktien sind frei handelbar. «Diese stabile Basis erlaubt uns, langfristig zu denken und nicht nur quartalsweise», sagte Achermann und betonte: «Ich persönlich schätze dies ausserordentlich.»