Jeff Bezos und Anna Wintour, die als langjährige Chefredaktorin der amerika­nischen «Vogue» wahrscheinlich die einflussreichste Frau im Modezirkus ist, kennen sich seit Jahren.

Zuletzt sassen sie im Februar nebeneinander in der ersten Reihe an der Modeschau des amerikanischen Designers Tom Ford.

Aus heutiger Sicht war der gemeinsame Auftritt der beiden ein Fanal. Denn diese Woche hat Amazon den ersten Online-Luxusmodeshop freigeschaltet – zusammen mit dem amerikanischen Designer Oscar de la Renta. Weitere Boutiquen werden folgen, wahrscheinlich in hoher Kadenz.

Zugänglich sind die Läden nur für Mitglieder des Amazon-Loyalitätsprogramms Prime und auf Einladung. Für den Launch hat Amazon das bekannte britische Model Cara Delevingne verpflichtet. Allein schon das zeigt: Amazon weiss, wie Exklusivität geht.

Andreas Weigend analysierte zwei Jahre lang Daten für Amazon, hatte sein Büro auf einer Etage mit Jeff Bezos. Ein Interview

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Johann Rupert tut gut daran, den Vorstoss von Amazon ernst zu nehmen

Wie ist der lange erwartete Vorstoss des Online-­Giganten ins Geschäft mit Luxusgütern zu werten? Es ist ein Angriff auf einen der letzten Multimilliardenmärkte, auf denen sich Amazon noch nicht tummelte.

Und es ist vor allem ein Angriff auf die Vormacht des Genfer Luxusgüterkonzerns Richemont in diesem Geschäft. Mit der Tochter Yoox Net-a-porter sind die Westschweizer bislang klar Marktführer im Handel mit Luxusmode und erreichten im vergangenen Jahr einen Umsatz von umgerechnet gut 2 Milliarden Euro.

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Sicher: Noch ist selbst der Gigant Amazon ein Nobody im Luxusbusiness. Klar ist aber auch: Ruht sich das Team von Richemont-Patron Johann Rupert zu sehr auf den Lorbeeren des bisher Erreichten aus, wird ihnen allfällige Trägheit schnell um die Ohren fliegen, sehr schnell.

Amazon ist bekannt dafür, täglich, ja stündlich an seinen Angeboten zu feilen und Verbesserungen zu implementieren. Und: Innerhalb von wenigen Jahren hat sich Amazon in den USA zum grössten Modeverkäufer überhaupt entwickelt.

Wenn Bezos etwas anpackt, stehen die Chancen gut, dass es gross wird. Und dass die Konkurrenz schnell ins Hintertreffen gerät. Zumal Bezos für Wachstum auch nicht davor zurückschreckt, Geld in die Hand zu nehmen, das er noch nicht verdient hat.

Bally verkauft mehr über Tmall als über jeden anderen Kanal

Natürlich wird es Marken geben, die nicht mit Amazon – diesem Wühltisch des globalen Konsums – arbeiten wollen: Chanel, Hermes, Louis Vuitton.

Aber es wird viele Marken geben, die sich einen Luxusshop auf Amazon gönnen werden – um von der gigantischen Kundenbasis und der unerreichten Distribution des Konzerns zu profitieren.

Dies umso mehr, als dass diese Brands im chinesischen Online-­Geschäft bereits gelernt haben, dass sie im Verbund mit Alibaba und dessen Luxusangeboten viel weiter kommen als auf sich allein gestellt.

Für das Schweizer Label Bally zum Beispiel ist Tmall – das Alibaba-Pendant zu Amazons ­Luxury Stores – der mit Abstand wichtigste Absatzkanal überhaupt. Auch Schweizer Uhrenmarken haben gute Erfahrungen mit ihren Online-Boutiquen auf Tmall oder JD gemacht.

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