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Anabolika-Grosshändler belieferte Schweizer Kunden

Geschmackssache: Ausgeprägte Muskelmasse beim Bodybuilding. (Bild: Keystone)

Das Schweizerische Heilmittelinstitut geht von jährlich 50'000 illegalen Arzneimittelsendungen aus. Der mutmasslich grösste Anabolika-Dealer Europas, «Teris», wurde jetzt in Athen verhaftet.

Veröffentlicht am 20.05.2012

Ein 43-jähriger Grieche und gebürtiger Deutscher, der im mehrstelligen Millionenbereich Tabletten und Ampullen mit Doping- und Arzneimittel illegal vertrieben hat, belieferte auch viele Schweizer Kunden. Dies sagt eine Sprecherin des Zollfahndungsamts Stuttgart der Zeitung «Der Sonntag».

Der mutmasslich grösste Anabolika-Dealer in Europa wurde in Athen verhaftet und soll über Internetshops mehr als eine Million Euro verdient haben. Dass er auch Schweizer Kunden belieferte, wird von den deutschen Zollbehörden erstmals bestätigt.

Abnehmer waren Bodybuilder, Marathonläufer und Velofahrer. Sie haben sich mit den Präparaten eine leistungssteigernde Wirkung versprochen. Die Medikamente kaufte der Grossdealer in China, Russland und Thailand ein. Der Mann mit dem Tarnnahmen «Teris» muss mit zehn Jahren Gefängnis rechnen. Wie viele Schweizer Kunden genau darunter sind, wird noch abgeklärt.

Der Schweizer Markt ist für Dopingdealer lukrativ: «Swissmedic erhält vom Zoll sehr viele Pakete mit Anabolika aus Griechenland und es könnte durchaus sein, dass ein grosser Teil davon aus dieser Quelle stammt», sagt Sprecher Daniel Lüthi. Europa ist zur Drehscheibe des internationalen Dopinghandels geworden. «Dies ist ein grosses, globales und gefährliches Geschäft», sagt Lüthi.

Das Schweizerische Heilmittelinstitut geht aufgrund von Hochrechnungen von rund 50'000 illegalen Arzneimittelsendungen aus, die pro Jahr in die Schweiz kommen. Der Anteil Anabolika liegt bei gut 10 Prozent. Auf der Rangliste der verdächtigen Heilmittelimporte sind Muskelaufbaupräparate bereits auf den zweiten Rang vorgestossen, wie die Oberzolldirektion mitteilt.

An der Spitze stehen so genannte Erektionsförderer wie Viagra, die letztes Jahr 34 Prozent der sichergestellten Arzneimittel ausmachten. Schon 14 Prozent machen Anabolika auf, gefolgt von Schlankheitsmittel (11 Prozent) und Arzneimittel mit Abhängigkeitspotential wie Schlafmittel (11 Prozent).

(vst)

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