Nein, eine Lebensversicherung sucht man in «Pando» vergebens. Die am Mittwoch lancierte Vorsorge-App der Swiss Life ist kein Versicherungsprodukt, sondern kommt wie die 3a-Apps der Banken daher: Der Kunde zahlt Geld ein und investiert dieses in Anlagefonds. Schick, modern, einfach – und etwas teuer. 

Pando? Benannt ist die App nach einer amerikanischen Zitterpappel-Kolonie. Die Bäume seien über ihre Wurzeln miteinander verbunden und bildeten einen gemeinsamen Organismus, kann man da lesen. «Handelszeitung»-Leserinnen und -Lesern kommt das bekannt vor: Vor knapp einem Jahr kündigte die Baselbieter BLKB ein Startup namens Radicant an, das eine Wurzel im Logo trägt. Das Thema: nachhaltiges Anlegen.

Und wie Radicant setzt auch die Pando-App der Swiss Life auf Nachhaltigkeit. Die Kunden und Kundinnen können mit wenigen Klicks zwischen verschiedenen Anlagestrategien mit «Sinn» unterscheiden. Zum Beispiel können sie auf Investments setzen, die den CO2-Ausstoss senken sollen. Sie erhalten in der App nicht nur eine Rendite ausgewiesen, sondern auch einen «Impact»: Wie viel erneuerbarer Energie entspricht das Investment?

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In Zukunft würden die Kennzahlen zur Erreichung der SDGs (Sustainable Development Goals der Vereinten Nationen) in der App ausgewiesen, teilt die Swiss Life auf Anfrage mit. «Und wenn möglich sowie sinnhaft, auch konkrete Zahlen über den realen Impact der Unternehmen, in die Kundinnen und Kunden via die Impact-Fonds investieren, präsentiert.»

Pando: Die 3a-App der Swiss Life macht auf Nachhaltig

Moderne App mit Fokus auf Nachhaltigkeit: Pando von Swiss Life.

Quelle: Michael Heim

Das hat seinen Preis. 0,84 Prozent bezahlt der Swiss-Life-Kunde für die App pro Jahr, dazu kommen 0,15 Prozent in den verwendeten Fonds enthaltene Gebühren. Mit knapp 1 Prozent liegt Pando somit deutlich über den Kosten der Marktführer Viac und Frankly, die sich derzeit in der Grössenordnung von 0,4 bis 0,5 Prozent pro Jahr bewegen.

Man wolle sich bewusst nicht über den Preis, sondern über die Nachhaltigkeit positionieren, heisst es dazu bei der Swiss Life. Diese Strategie verfolgte einst auch das 3a-Startup Freya – allerdings mit bescheidenem Erfolg. Die App wurde nach nur einem Jahr Ende 2021 wieder eingestellt.

Schnelle Kontoeröffnung, Einzahlen bald auch per Twint

Wie funktioniert Pando? Die Swiss Life liess sich bei ihrer App offensichtlich von erfolgreichen Bank-Apps inspirieren. Das Layout ist übersichtlich und klar. Die Kontoeröffnung ist innert Minuten abgewickelt. Der Kunde erhält direkt eine persönliche Kontonummer, über die er anschliessend eine erste Einzahlung machen kann.

Interessantes Detail: Die Swiss Life setzt offenbar auch auf spontane Investoren. Einzahlungen sollen dereinst auch per Twint oder Kreditkarte möglich sein, heisst es in der App. Noch ist die Funktion nicht aktiviert. Bis zum Sommer solle diese aber aufgeschaltet werden, schreibt die Swiss Life. 

Miteinander verbunden: eine Pando-Kolonie in den USA

Miteinander verbunden: Eine Pando-Kolonie in den USA.

Quelle: Forest Service of the United States Department of Agriculture

Dass die Altersvorsorge über eine Handy-App mittlerweile etabliert ist, beweist nicht erst der Einstieg der Swiss Life in dieses Geschäft. Die 2017 gestartete Viac konnte bis Ende 2021 bereits 1,7 Milliarden Franken akquirieren und weist rund 60’000 Kundinnen und Kunden aus. Franky, der Viac-Klon der Zürcher Kantonalbank, kommt auf etwa 1 Milliarde Franken.

Daneben tummeln sich Apps wie Selma oder die Vorsorge-Lösung Volt von Vontobel am Markt, und die Graubündner Kantonalbank steht mit Gioia – einem Ableger der gescheiterten Freya – am Start.

Spannend ist der Einstieg der Swiss Life allemal. Nicht weil sie etwas komplett Neues macht, sondern weil sie das gerade nicht tut. Der grösste Lebensversicherer der Schweiz mischt hier direkt im klassischen Anlagegeschäft der Banken mit. Die Konkurrenz nimmt zu, Grenzen verschwinden.