1. Home
  2. Unternehmen
  3. Apple Pay: Jetzt geht's mit jeder Schweizer Kreditkarte

Mobil
Apple Pay: Jetzt geht's mit jeder Schweizer Kreditkarte

Boon: Eine neue digitale Kreditkarte für Apple Pay. Keystone/Montage hec

Seit heute gibt es die Bezahl-App Boon auch in der Schweiz. Damit können - über einen Umweg - alle Kreditkarten mit Apple Pay verknüpft werden. Bisher fehlten die grössten Anbieter.

Von Michael Heim
am 03.02.2017

Ein neuer Anbieter für Apple Pay tritt auf den Schweizer Markt: Die deutsche Wirecard lanciert heute mit «Boon» eine Schweizer Online-Kreditkarte, die mit Apple Pay kompatibel ist. Das bestätigt Georg von Waldenfels, Executive Vice President Consumer Solutions bei Betreiberin Wirecard gegenüber der «Handelszeitung». Die entsprechende App ist seit kurzem im App Store von Apple verfügbar.

In der Schweiz sehe er «grosses Potenzial», sagt von Waldenfels. «Sie bringt in meinen Augen ideale Voraussetzungen, mit digitalen Innovationen zu starten. Boon wird in den kommenden Monaten kontinuierlich weiterentwickelt und gemeinsam mit Partnern zu einer globalen Marke etabliert.»

Apple-Pay-Schnittstelle über UBS- oder CS-Kunden

Boon zielt vor allem auf Kunden von Banken ab, deren Kreditkarten nicht mit Apple Pay kompatibel sind. Namentlich sind das Karten der grossen Herausgeber UBS, Viseca und – teilweise – Swisscard. Hinter ihnen stehen die Eigentümerbanken der Schweizer Payment-App «Twint». 

Wie funktioniert Boon? Der Kunde löst online eine virtuelle Prepaid-Mastercard. Diese wird nicht als Karte ausgestellt, sondern kann nur online verwendet werden. Sie wird anschliessend in der Wallet von Apple Pay hinterlegt. Damit wird das Handy zum Zahlungsmittel – online und an der Ladenkasse.

Automatisch ladbare Prepaid-Karte

Gefüttert wird Boon über eine angeknüpfte Kreditkarte. Diese kann dann auch von Nicht-Apple-Pay-Banken wie UBS stammen. Für das Aufladen ab einer Kreditkarte verrechnet Boon eine Gebühr von 1 Prozent. Anders als im Ausland ist ein kostenloses Aufladen direkt ab einem Bankkonto in der Schweiz nicht möglich.

Boon ist nur als Prepaid-Mastercard erhältlich. Es gibt jedoch die Möglichkeit, das Guthaben automatisch bei Unterschreiten einer bestimmten Saldolimite nachzuladen.

Bisher gibt es Boon erst in zwei Ländern: Seit einiger Zeit in Grossbritannien und seit Anfang Jahr in Frankreich. Die Herausgeberbank der Boon-Mastercard operiert von London aus mit einer EU-Bankenlizenz. Eigentümerin ist der deutsche Zahlungsabwickler Wirecard.

Günstiger als im Ausland

Verglichen mit England und Frankreich ist Boon in der Schweiz günstiger. Anbieterin Wirecard hat die Gebühren eins zu eins von Pfund in Franken übertragen. Ab dem zweiten Jahr kostet Boon jährlich 11.90 Franken.

In der Schweiz scheint Apple Pay bisher noch nicht so richtig durchgestartet zu sein, wie man in Payment-Kreisen hört. Harte Zahlen sind nicht bekannt. Grund dafür ist sicherlich, dass die meisten Inhaber einer Kreditkarte diese nicht für Apple Pay anmelden können. Auch die beliebten Gratiskreditkarten der Grossverteiler sind nicht mit Apple Pay kompatibel.

Grosse Preisunterschiede bei Apple-Pay-Kreditkarten

Bei den wenigen kompatiblen Karten gibt es zudem grosse Preisunterschiede. Die «Handelszeitung» hat eine nicht vollständige Übersicht über die Gebühren erstellt (siehe Tabelle unten). Dabei zeigt sich, dass vor allem die teilweise verlangten Gebühren für das Aufladen von Prepaid-Guthaben schnell ins Geld gehen können.

So kostet die nur elektronisch ausgestellte «Cornèrcard Instant» zwar nur 19 Franken pro Jahr. Die stolze Ladegebühr von 3 Prozent führt jedoch schon bei einem Jahresumsatz von 2000 Franken zu Jahresgebühren von insgesamt 79 Franken.

Bisher nicht angekündigt wurde eine Boon-App für Android-Nutzer. In verschiedenen europäischen Ländern gibt es das bereits. In der Schweiz sei das bis auf weiteres noch kein Thema, heisst es bei Boon-Betreiberin Wirecard. Das könne aber später noch folgen.

Android: Nur Postfinance kann NFC

In der Schweiz bietet neben Apple lediglich die Postfinance eine Bezahl-App auf Basis der Kreditkarten-Funktechnologie NFC an. Kunden der Post können ihre Bank-App so konfigurieren, dass sie das Mobiltelefon anschliessend wie eine Kreditkarte verwenden können – sofern es sich um ein Android-Gerät handelt.

 

Grosse Unterschiede: Preise für Apple-Pay-Kreditkarten (Auswahl)
 ModusJahresgebührAufladungenFremdwährungsgebührKosten für ein Jahr mit 2000 Franken Umsatz.
Aufgeladen auf dem billigsten Weg, ausgegeben in der Schweiz.
BoonPrepaid11.90 Fr.1%, min. 1. Fr.1.25%31.90 Fr.
Swiss Bankers MastercardPrepaid45.00 Fr.Gratis, wenn ab E-Banking0.00%45.00 Fr.
Swiss Bankers Travel CashPrepaid0.00 Fr.i.d.R. 1,5% (je nach Bank)0.00%mind. 31.00 Fr., bzw. 50.00 Fr. bei 20 Einkäufen.
(pro Transaktion wird 1 Franken verrechnet)
Swisscard Amex BluePostpaid80.00 Fr.Rechnung oder LSV; gratis.2.00%80.00 Fr.
Bonuscard
Classic
Postpaid48.00 Fr.Rechnung oder LSV; gratis.2.00%48.00 Fr.
Bonuscard ClassicPrepaid48.00 Fr.1%, min 2 Franken2.00%68.00 Fr.
Bonuscard SimplycardPostpaid30.00 Fr.Rechnung oder LSV; gratis.2.00%30.00 Fr.
Cornercard instantPrepaid19.00 Fr.3%2.00%79.00 Fr.
Cornercard classicPostpaid100.00 Fr.Rechnung oder LSV; gratis.max. 1.20%100.00 Fr.


Die Apple Watch im Test:

Anzeige