Heute startet Apple den Verkauf seiner Smartwatch. Noch hat der Konzern keine Zahlen zu den Vorbestellungen veröffentlicht. Schätzungen von Analysten gehen auseinander, reichen aber bis zu drei Millionen Apple Watches, die in der ersten Woche verkauft werden könnten, davon bis zu 40'000 Stück der goldenen Edition-Version, für die Apple mindestens 11'000 Euro verlangt.

Damit wäre Apple schon zum Start Marktführer im noch jungen Smartwatch-Markt und hätte mehr Uhren im Markt als alle Hersteller von Android-Smartwatches gemeinsam. Allein die vorbestellten Exemplare könnten etwa zwei Milliarden Dollar Umsatz zusätzlich bringen.

Grosse Gewinnspanne

Stimmen die Analystenzahlen, dann würden allein die 40'000 vorbestellten Modelle der Edition-Version der Apple-Uhr etwa 500 Millionen Euro Umsatz bringen – und ein Gutteil davon ist Reingewinn, denn Apples Gewinnspanne insbesondere bei der Edition-Version fällt so exorbitant aus, dass selbst etablierte Luxusuhrenhersteller wie Rolex neidisch werden dürften.

Anders als bei klassischen mechanischen Horologie-Meisterwerken, die ebenfalls für fünfstellige Summen über die Ladentheke gehen, ist das Innenleben der Edition-Apple-Uhr technisch identisch zur günstigen Sport-Version der Uhr – und die ist hierzulande schon für 350 Euro zu haben.

Apple spart beim Gold-Gehalt

Das erlaubt eine Schätzung der Gewinnspanne: Die Edition-Uhr kostet mindestens 11'000 Euro, mit grossem Gehäuse 13'000 Euro. Wer seine Edeluhr nicht mit schnödem Kunststoffarmband tragen will, zahlt für ein Lederarmband mit Goldschliesse je nach Ausführung 3000 bis 7000 Euro Aufpreis. Selbst Uhrenarmbänder aus Krokodilleder des französischen Luxusherstellers Hermès kosten nicht so viel.

Beim Goldgehalt der Uhr spart Apple dagegen augenscheinlich: Zwar ist das Gehäuse der Edition-Uhr aus 18 Karat Gold gefertigt, enthält also einen Gewichtsanteil von mindestens 75 Prozent reinem Gold – doch Apple wirbt damit, dass die Goldversion aus einem Mix aus Keramik und Gold gefertigt ist, die restlichen 25 Prozent sind also nicht aus Metall.

Maximal 25 Gramm Gold

Damit fällt das Gehäuse insgesamt leichter aus, und bei gleichem Volumen benötigt Apple weniger vom teuren Edelmetall. Die goldene Apple Watch mit 42-mm-Gehäuse wiegt ohne Armband 69 Gramm, die stählerne Version im Vergleich dazu nur 19 Gramm weniger.

Analysten schätzen, dass Apple für die Uhr nur maximal 25 Gramm Gold benötigt – beim aktuellen Goldpreis also etwa 900 Euro aufwendet. Dazu kommen Verarbeitungskosten und das Innenleben. Da dieses identisch mit der Sportversion ist, kostet es maximal 350 Euro. Demnach realisiert Apple bei einem Nettopreis von 10'900 Euro eine Gewinnspanne von knapp 800 Prozent.

Massiver Wertverlust?

Die Bedeutung der Edition-Version der Uhr für Apple ist also weit höher einzuschätzen, als der vergleichsweise geringe Anteil von gut einem Prozent an der Gesamtzahl der verkauften Uhren schliessen lässt: Die Edition könnte bis zu 50 Prozent der Gewinne der Apple Watch tragen.

Die Preise kann der Konzern gegenüber den Kunden nur durchsetzen, wenn diese den neuen Status als Luxusmarke akzeptieren – und sich nicht daran stören, dass ihre goldene Edition-Uhr anders als ein analoges Meisterwerk derselben Preisklasse massiv an Wert verlieren dürfte, sobald Apple in den kommenden Jahren neuere Versionen der Uhr herausbringt. Ob diese Wette auf den Status langfristig eine Gewinnspanne von 800 Prozent trägt, ist mindestens zweifelhaft.

Dieser Artikel ist zuerst in unserer Schwesterzeitung «Die Welt» erschienen.

 

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Das ist die Schweizer Konkurrenz zur Apple Watch

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Diese Schweizer Uhrenmarken konkurrieren mit der Apple Watch: Tag Heuer, eine Schweizer Uhrenmarke des französischen Luxusgüterkonzerns LVMH, hat mit Intel und Google zusammengespannt. 25'000 Stück der «Tag Heuer Connected» wollte LVMH-Uhrenchef Jean-Claude Biver absetzen, stattdessen sind bereits 100'000 Bestellungen für die Smartwatch eingetroffen.