Roche und Novartis machen ernst mit der Transparenz bei den individuellen Zahlungen an Ärzte. Novartis verfährt schon seit 2016 nach dem Prinzip «no consent, no contract»; der Konzern besteht also darauf, dass Ärzte oder andere Gesundheitsfachleute, die einen Vertrag mit dem Unternehmen abschliessen möchten, in die Offenlegung der Daten einwilligen.

Die Publikation sei Ausdruck «der hohen ethischen Standards», welche Basis der Geschäftstätigkeit darstellten, formuliert Novartis.

Nun zieht auch Roche nach. Seit Februar werden auch beim anderen Basler Pharma-Riesen keine Verträge mehr mit Ärzten abgeschlossen, die sich querlegen. Roche hatte zuvor eine Offenlegungsquote von 80 Prozent; bei acht von zehn Ärzten, die mit dem Unternehmen einen Vertrag hatten, liessen sich die Daten also individuell zuordnen.

Das sei zwar im nationalen und insbesondere im internationalen Vergleich «relativ hoch», schreibt Roche auf Anfrage der Handelszeitung, «aber für uns nicht genügend».

60 Unternehmen zahlten 12,5 Millionen

Laut dem Branchenverband Scienceindustries lag die Offenlegungsquote 2017 bei 73 Prozent – was im internationalen Vergleich gut ist. Deutschland und Österreich kämpfen mit Quoten von 30 Prozent oder weniger.

Die Offenlegung basiert auf den Pharma-Kooperationskodex von Scienceindustries, dem sich bislang 60 Unternehmen angeschlossen haben. Sie dürften 80 bis 85 Prozent des Marktes mit verschreibungspflichtigen Medikamenten abdecken – eines Marktes, der knapp 5 Milliarden Franken schwer ist.

Im Jahr 2017 leistete die Pharmaindustrie Zahlungen im Umfang von 12,5 Millionen Franken an Ärzte und andere Gesundheitsfachleute. Knapp die Hälfte davon war für Honorare, etwa für Beratertätigkeiten. Das zeigt eine Auswertung der Daten, welche die  Pharmafirmen 2017 gegenüber dem Branchenverband Scienceindustries offenlegten und welche die «Handelszeitung» zusammen mit «Beobachter», «Blick» und «Le Temps» ausgewertet haben.

Novartis: Gute Zusammenarbeit mit den Ärzten «unerlässlich»

Roche unterstütze alle Bemühungen, die sicherstellten, dass die Beziehungen zwischen der Pharmaindustrie und medizinischen Fachpersonen oder Gesundheitsorganisationen «besser verstanden würden», schreibt das Unternehmen. Man sei sich bewusst, dass es dabei auf beiden Seiten zu Interessenkonflikten kommen kann.

In der Sache aber bleibt der Konzern dabei: Ein Teamwork mit dem Gesundheitswesen ist wichtig für den medizinischen Fortschritt. Die Erfahrungen und das Wissen der Gesundheitsfachleute ergänzten das Know-How der eigenen Wissenschafter.

Ähnlich tönt es bei Novartis: Eine gute Zusammenarbeit sei für die Entwicklung neuer Therapien «unerlässlich». Novartis forsche an Medikamenten für Krankheiten, für die bis jetzt keine oder kaum wirksame Therapien existierten. «Um diese Krankheiten und die Bedürfnisse von Patienten und Ärzten kennen zu lernen, lassen wir uns von Experten in diesem Gebiet beraten.»

Novartis zahlt keine Kongressreisen

Auch beim viel kritisierten Sponsoring von Ärzte-Kongressen sehen die beiden Konzerne keinen Handlungsbedarf. Es sei «fair und angemessen», wie bei anderen Berufsgruppen auch, Organisationen und Fachpersonen im Gesundheitswesen «für ihre Zeit und Expertise zu vergüten», schreibt Roche.

Novartis hält fest, dass die Teilnahme an wissenschaftlichen Weiterbildungen – in Übereinstimmung mit den Richtlinien des Branchenverbandes Scienceindustries – nur zu 67 Prozent unterstützt würden; das betreffe Registrierungs- und Organisationskosten, allenfalls Übernachtungen. Reisekosten würden keine übernommen. Zudem finanziere Novartis seit 2017 keine Kongressteilnahmen mehr im Ausland mehr.

Novartis unterstütze die Bemühungen um mehr Transparenz im Gesundheitwesen; «hohe ethische Standards» seien die Basis der Geschäftstätigkeit. Novartis hat seine Compliance-Anstrengungen nach mehreren Rechtsfällen weltweit stark hochgefahren.

Noch pendent ist insbesondere eine Klage wegen Ärzte-Veranstaltungen in den USA. Novartis-Marketingleute sollen Ärzte systematisch und über Jahre hinweg grosszügig mit Diners in Luxusrestaurants und Ausflügen dazu gebracht haben, Novartis-Medikamente zu verschreiben, so der Vorwurf.

Kürzlich wurde bekannt, dass der Fall womöglich vor einem der für ihre Unberechenbarkeit bekannten Geschworenengerichte verhandelt wird.

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