Der britische Pharmakonzern gehört zu den führenden Unternehmen im Rennen um einen Impfstoff gegen das Coronavirus; die Europäische Union, die USA, Grossbritannien und weitere Länder haben sich bereits Hunderte Millionen von Dosen des Impfstoffes vorab gesichert.

Die Unterbrechung der Studie dämpft die Hoffnung auf eine baldige Zulassung, der britische Gesundheitsminister Matt Hancock erklärte allerdings am Mittwoch, es sei nicht zwangsläufig ein Rückschlag. Das hänge von den Untersuchungsergebnissen des Vorfalls ab.

AstraZeneca sprach von einem routinemässigem Schritt, der unternommen werde, wenn bei einem der Studienteilnehmer eine unerklärbare Erkrankung auftrete. Dies gebe einem unabhängigen Ausschuss Zeit, die Daten zu überprüfen. Die Überprüfung solle zügig gehen, um die Auswirkungen auf den Zulassungsprozess des Impfstoffes möglichst gering zu halten. AstraZeneca äusserte sich nicht weiter zu der Erkrankung des Studienteilnehmers.

Zusammenhang mit Impfung unklar

Die «New York Times» berichtete unter Berufung auf eine mit der Sache vertraute Person, dass bei einem englischen Probanden eine transverse Myelitis festgestellt wurde, eine Entzündung des Rückenmarks, die oft durch Virusinfektionen ausgelöst wird. Ob die Erkrankung im direkten Zusammenhang mit der Impfung stehe, sei unklar, schrieb die Zeitung. AstraZeneca wollte sich dazu nicht äussern. Anleger reagierten verschnupft: Die Aktien von AstraZeneca fielen an der Londoner Börse um mehr als zwei Prozent, auch an den Börsen in Asien und Europa drückte der Vorfall die Kauflaune.

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Der Impfstoffkandidat mit dem Projektnamen «AZD1222» befindet sich in den USA, Grossbritannien, Brasilien und Südafrika in späten klinischen Studien, weitere Untersuchungen sind in Japan und Russland geplant. Weltweit sollen die Studien bis zu 50.000 Teilnehmer umfassen.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO hatte den Impfstoff als einen der führenden Kandidaten bezeichnet. US-Präsident Donald Trump hat laut einem Bericht der «Financial Times» von Ende August eine beschleunigte Zulassung des Impfstoffes noch vor den Präsidentschaftswahlen am 3. November in Aussicht gestellt. Das amerikanische National Institutes of Health, das die Studie finanziell unterstützt, lehnte eine Stellungnahme ab.

 

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Weltweit 176 Corona-Impfstoffe

AstraZeneca zählt zu den neun westlichen führenden Impfstoffentwicklern, die sich am Dienstag verpflichtet hatten, die geltenden regulatorischen Anforderungen bei der Entwicklung eines Corona-Impfstoffes trotz der Dringlichkeit zur Eindämmung der Pandemie und des politischen Drucks einzuhalten.

Weltweit gibt es nach WHO-Angaben gegenwärtig 176 Corona-Impfstoffprojekte, davon befinden sich 34 in der klinischen Erprobung am Menschen.

(awp/tdr)