Was darf s denn bitte sein - ein schnittiges Cabriolet? Oder vielleicht doch lieber ein hubraumstarkes Motorrad? Oder vielleicht gar ein Dreirad? Insbesondere die «Silber Generation», also die Motorradfahrerinnen und -fahrer ab Alter 55, entscheiden sich in jüngster Zeit immer häufiger für eines dieser meist exklusiven, in vielerlei Hinsicht sehr vorteilhaften Fahrzeuge, das Dreirad, in der Öffentlichkeit vor allem als Seitenwagengespann bekannt.

Das Angebot an Dreirädern präsentiert sich äusserst vielseitig und gliedert sich in drei grundlegende Kategorien: Die Seitenwagen, die Trikes und die sogenannten Threewheeler. Während beim Seitenwagen das dritte Rad auf der Aussenseite des Beiwagens (meist rechts) zwischen Vorder- und Hinterrad angebracht ist, rollt ein Trike hinten auf zwei parallel geführten Rädern. Genau umgekehrt ist die Radanordnung beim Threewheeler mit zwei vorderen Rädern und nur einem Rad hinten. Alle drei Grundkonzepte haben jedoch eines gemeinsam: Die Basis für die Konstruktion bildet in der Regel ein Motorrad.

Am meisten «Motorrad» bietet das Gespann. Der Seitenwagen wird hier oft an die bestehende Zweiradkonstruktion angeflanscht. Komplizierter und aufwendiger ist die Angelegenheit beim Threewheeler, der insbesondere im vorderen Bereich der Doppelräder komplett neu konstruiert ist. Nicht minder aufwendig gestaltet sich der Umbau zum Trike, das aufgrund der beiden angetriebenen Hinterräder ähnlich wie beim Auto ein Differenzial erfordert.

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So unterschiedlich die Konzepte, so verschieden sind auch die Klassifizierungen, deren Zulassungskriterien sowie die entsprechenden Führerscheinbestimmungen. Während für das Führen eines Seitenwagens das «Grosse» Töff-Billett erforderlich ist, dürfen Trikes und Threewheeler mit dem Autoausweis gefahren werden; das, obwohl auch diese beiden mit einem Motorradkontrollschild ausgerüstet sind.

Die Bedienung mit Kuppeln, Schalten, Blinken etc. funktioniert genau gleich wie beim Töff. Trotzdem bekunden geübte Zweiradfahrer oft mehr Mühe, sich mit den ganz besonderen Fahr- und Handlingeigenheiten der Dreiräder vertraut zu machen als Automobilisten. Das liegt insbesondere daran, das Kurven nicht - wie mit dem Motorradfahren - durch leichtes Gegenlenken, sondern mit klarem Lenkeinschlag gefahren werden. Dazu kommt, dass dieses Einlenken relativ hohe Lenkkräfte erfordert und sich diese parallel zur Geschwindigkeit erhöhen. Nicht zuletzt muss beim Fahren auch die Fahrzeugbreite einkalkuliert werden, was bei Threewheeler jedoch am wenigsten Probleme bereitet.

Seitenwagen Armec Triumph Rocket III Stradale Drei Zylinder, drei Räder - das passt ausgezeichnet. Kein anderer Motor scheint für den Bau eines leistungsstarken Dreirades besser geeignet als der 148 PS starke Triumph-Dreizylinder des Cruisers Rocket III mit sagenhaften 2,3 l Hubraum. Passend zu diesem Koloss hat das Innerschweizer Unternehmen Armec aus Emmenbrücke den nicht minder eindrücklichen Seitenwagen Stradale konstruiert, in dem zwei erwachsene Personen nebeneinander mitreisen können. Zum Einsteigen lässt sich die Fronthaube nach oben schwenken. Bei Regen kann ein Textilverdeck aufgezogen werden. Die Grösse des Gepäckraums im Heck entspricht in etwa der eines Kleinwagens.

Vollgetankt mit 51 l bringt das Armec-Triumph-Stradale-Gespann stolze 590 kg auf die Waage. Um das 2,5 m lange und beinahe 2 m breite Gefährt um Kurven zu wuchten, braucht es Kraft. Einfacher funktioniert dagegen das Beschleunigen. Ein Dreh am Gasgriff, und das Dreirad schiesst nach vorne, als ob da gar kein Seitenwagen dran wäre. Ganz besonders eindrücklich ist die Fahrt für die Passagiere im «Boot», wie Seitenwagen in der Umgangssprache auch genannt werden. In den bequemen Schalensitzen, tief unten wie ein F1-Pilot, nur wenige Zentimeter über den Asphalt zu flitzen, ist ein wirklich ganz spezielles Erlebnis.

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Trike Rewaco Suzuki CT800S und CT1800S Als Konstrukteur leistungsstarker Trikes mit Automotorisierung ist Rewaco in der Dreiradszene ein Begriff. Mit den beiden auf Suzuki Cruisern basierenden Modellen CT800S und CT1800S geht die deutsche Trike-Marke jetzt erstmals neue Wege. Beide Modelle sind ähnlich aufgebaut. Bis auf das Hinterrad und dessen Aufhängung werden sämtliche Teile der Originalbikes verwendet. Hinten trägt ein einfacher Stahlrahmen die starre Achse mit den breiten Rädern und das aus dem Personenwagen BMW 1er stammende Differenzial. Neu sind in diesem Bereich auch die Karosserieteile wie Kofferraum und Kotflügel.

Motorisiert mit dem 53 PS starken 800er-V2 bleibt das Leistungsvermögen des 380 kg schweren CT800S auf eher bescheidenem Niveau. Fürs gemütliche Durch-die-Landschaft-Cruisen reichts jedoch bei weitem, zumal das «Kleine» mit spürbar agileren Handlingseigenschaften auftrumpfen kann als der grosse Bruder mit mehr als doppelt so viel Power und Hubraum.

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Der CT1800S brilliert dagegen trotz 506 kg Leergewicht mit 114 PS, sattem Drehmoment und ansprechenden Beschleunigungswerten. Weitaus überzeugender als beim «Kleinen» funktioniert hier das für Trikes obligatorische Kombi-Bremssystem, welches beim Tritt auf den Fussbremshebel wie bei einem Auto alle Räder gleichzeitig ausgewogen abbremst.

Threewheeler BMW GG Taurus Der Antrieb stammt zwar von einem Motorrad, doch der neue Threewheeler GG Taurus des Fahrzeug-Konstrukteurs Grüter + Gut aus Ballwil war ursprünglich als vierrädriges Quad geplant. Letzteres kann jedoch aufgrund der Gesetzgebung hierzulande lediglich mit stark reduzierter Leistung zugelassen werden. Und weil für Dreiräder weniger restriktive Vorschriften gelten, wurde dem Quad kurzum ein Rad abgezwackt .

Nun, ganz so einfach wars natürlich nicht. Das gesamte Heck mit der wuchtigen Paralever-Einarmschwinge und integrierter Kardanwelle musste komplett neu entwickelt werden. Angetrieben wird der Taurus von einem Töffmotor der aktuellen BMW-K1300- Modellreihe. Der wassergekühlte Reihenvierer schöpft aus 1300 cm3 Hubraum satte 175 PS und die beschleunigen das 397 kg schwere Dreirad im Handumdrehen auf 220 km/h. Auf elektronische Fahrhilfen wie Stabilitäts- und Traktionskontrolle, vorwählbare Fahrmodi und ABS wurde bewusst verzichtet, was dem Fahrer grösstmögliche Freiheiten und grenzenlosen Fahrspass bieten soll.

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