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Strommarkt
Axpo-Atomkraftwerke sind hoch defizitär

Axpo-AKW Beznau: Mit Atomkraftwerken verdient die Axpo derzeit kein Geld.
Axpo-AKW Beznau: Mit Atomkraft verdient die Axpo derzeit kein Geld.Quelle: Keystone

Mit Atomstrom verliert Axpo mehr Geld als mit Wasserstrom. Das zeigen aktuelle Zahlen. Zwar standen 2016 zwei AKW still. Doch selbst wenn diese gelaufen wären, hätte der Stromkonzern mit dem Atomstrom Verlust geschrieben.

Von Michael Heim
am 20.12.2017

Dass viele Wasserkraftwerke Verlust schreiben, wird seit langem diskutiert. An der Jahresmedienkonferenz lieferte der Stromkonzern Axpo am Mittwoch auch neue Zahlen zu seinen Atomkraftwerken. Sie zeigen: Dort sind die Verluste sogar noch grösser.

Für das vergangene Geschäftsjahr bezeichnet Axpo-Chef Andrew Walo das Defizit aus dem Atomstrom indirekt auf knapp 400 Millionen Franken, indem er Berechnungen eines Journalisten entsprechend bestätigte. Ein Teil davon liegt darin begründet, dass ein Teil der Kraftwerke nicht am Netz war und der fehlende Strom auf dem Markt beschafft werden musste.

Beznau-Ausfall kostet 300'000 Franken pro Tag

Im Fall des Axpo-eigenen AKW Beznau belaufen sich die Ausfallkosten pro Tag auf 300'000 Franken, wie Walo offenlegte. Der Reaktor 1 von Beznau ist seit März 2015 nicht mehr am Netz, da die Atomaufsichtsbehörde Ensi die Sicherheit der Reaktor-Ummantelung in Frage stellt und dem Reaktor daher bis auf weiteres die Bewilligung entzogen hat.

Auch das AKW Leibstadt, an dem Axpo zu 50 Prozent beteiligt ist, stand nach der letzten ordentlichen Revision länger still. Im Kraftwerk wurde Rost an den Behältnissen im Reaktor festgestellt, in denen die Brennstäbe enthalten sind. Das Ensi verweigerte daher zunächst die Wiederinbetriebnahme und hat nun die Leistung des Kraftwerks auf 86 Prozent der Maximalleistung beschränkt, um eine erneute Korrosion ausschliessen zu können.

Die aus dem ungeplanten Stillstand resultierende Ertragseinbusse belaufe sich auf eine halbe Million Franken pro Tag oder insgesamt 22,5 Millionen Franken, sagt Walo.

Auch ohne Ausfälle 300 Millionen «Missing Money»

Die Berechnung der Handelszeitung zeigt: Insgesamt dürften diese ungewollten Ausfälle die Axpo im vergangenen Jahr gut hundert Millionen Franken gekostet haben. Der Vergleich mit den genannten 400 Millionen Franken zeigt aber: Selbst ohne Ausfall hätten die Kraftwerke einen Verlust von fast 300 Millionen Franken geschrieben, weil der Strom zu Preisen verkauft werden musste, die tief unter den Produktionskosten des Kraftwerks lagen.

Ein Axpo-Sprecher bestätigte gegenüber der HZ solche Verluste, wollte die Berechnung aber nicht im Detail kommentieren. Zum Vergleich: Für ihre Schweizer Wasserkraftwerke nannte die Axpo an der Medienkonferenz einen Betrag von rund 200 Millionen Franken, den das Geschäft derzeit aufgrund der Marktpreise jährich verliere. Sie spricht dabei von «Missing Money».

Diese Werte sind allerdings umstritten. Für gewöhnlich berufen sich die Stromproduzenten für die Berechnung auf die Marktpreise für Strom sowie die die so genannten Gestehungskosten. Diese enthalten jedoch nebst variablen Kosten und Kapitalkosten auch bereits eine Gewinnmarge. Bei den aktuellen Marktpreisen dürfte aber dennoch bei vielen Kraftwerken ein Reinverlust resultieren. Die Axpo wiederum betont, diese Angaben seien nicht gemäss dem Buchhaltungsstandard IFRS erstellt, sondern gäbe bloss die Ökonomische Logik des Geschäfts wieder.

Gemeinsam ist Atom- und Wasserkraftwerken, dass die meisten Kosten unabhängig davon anfallen, ob ein Kraftwerk in Betrieb ist oder nicht, da es sich bei diesen mehrheitlich um fixe Kapitalkosten wie Verzinsung und Abschreibung handelt. Im Falle eines Atomkraftwerks bezeichnet Walo die kurzfristig variablen Kosten auf «im einstelligen Prozentbereich». 

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