Die Banken sollten die hohen Löhne senken, anstatt hunderte von Stellen abzubauen, hat der Präsident der Bankiervereinigung kürzlich gefordert. Der Aufruf zum Lohnverzicht muss vielen Bankern nicht gepasst haben: Georg Krayer will sich heute jedenfalls nicht mehr zu seinem Vorschlag äussern. Dabei ist seine Idee alles andere als verwerflich ? im Gegenteil, er hätte sie schon viel früher lancieren sollen: Denn «wären die Löhne nicht dermassen hoch gewesen und hätten die Banken nicht derart lange damit gewartet, die Boni nach unten zu korrigieren, müssten sie heute weniger Stellen abbauen», ist Marie France Goy, Zentralsekretärin des Schweizerischen Bankpersonalverbandes, überzeugt. Die Wissenschaft bestätigt Goys Standpunkt: «Ein gewisser Abbau ist wegen den Überkapazitäten zwar nicht zu vermeiden», sagt Ernst Fehr, Leiter des Instituts für empirische Wirtschaftsforschung der Uni Zürich, «doch dieser fällt umso geringer aus, je eher die Löhne sinken.»
*Selbsteinsicht*
So rügen sich heute gar einige Banken selbst (zumindest die privaten), für ihre einstige Lohnpolitik: «Die Banken sind selbst dran schuld: Wir haben für jedes neue Problem, das sich stellte, eine neue Person eingestellt und waren bereit, Starsaläre zu bezahlen. Damit haben wir eine Generation von Mitarbeitern kreiert, bei denen weniger das Wohl der Kunden als ihr eigenes im Vordergrund stand», sagt Michael Wyler, Mitglied der Generaldirektion der UBP. Jegliche Bescheidenheit sei dabei verloren gegangen. Die müsse jetzt teuer wieder erlangt werden. Lohnkürzungen würden die Probleme der Banken aber nicht lösen, ist Wyler überzeugt. «Denn die Schwierigkeiten liegen nicht nur auf der Kostenseite, sondern sind struktureller Art.» Deshalb sei eine Neuausrichtung der Tätigkeiten nötig. So hat die UBP bereits vor eineinhalb Jahren damit begonnen, ihren Personalbestand um 10% zu senken, und hat nach der Fusion mit der Discount Bank and Trust Company nochmals 350 Stellen gestrichen.
Auch bei anderen Finanzinstituten wie bei der Credit Suisse, bei Vontobel und bei Julius Bär ist man überzeugt, dass Lohnkürzungen langfristig gesehen kein geeignetes Mittel sind, um die Überkapazitäten, die sich die Finanzdienstleister während des Börsenbooms aufgebaut haben, zu beseitigen.
Doch auch wenn die Banken Lohnsenkungen für untauglich halten ? sie überprüfen und senken die Gehälter trotzdem: So hat man bei der Bank Bär bereits teilweise Löhne nach unten korrigiert. Um wie viel und in welchen Stufen will der Presseverantwortliche Jürg Stählin allerdings nicht preisgeben. Auch bei anderen Instituten haben Mitarbeiter in Lohnänderungen einzuwilligen, wie aus Kreisen von ehemaligen Angestellten zu hören ist. Wie schon in früheren Rezessionsphasen sind davon vor allem Mitarbeiter betroffen, die über 50 Jahre alt sind.
*Bumerang*
Lohneinbussen hinnehmen müssen aber auch Beschäftigte, die intern versetzt werden wollen: Im IT-Bereich der Zurich etwa hat ein Gekündigter, der sich intern für eine andere Stelle bewerben wollte, mit 25% weniger Lohn rechnen müssen. «Und dies, obwohl die geforderten Qualifikationen die gleichen waren wie bei seiner früheren Funktion», sagt Beat Ringger von der Gewerkschaft Syndikat.
So erstaunt es wenig, dass das Lohnniveau auch bei Neuanstellungen gesunken ist: Gemäss Marie France Goy bezahlen die Banken für Spezialisten, die meist auch heute noch aus dem Ausland geholt werden müssen, 25 bis 30% weniger als noch vor zwei Jahren. Für Funktionen, die einfacher zu besetzen sind, dürfte der Rückgang wegen den vielen Jobsuchenden noch höher sein. Und Goy ist überzeugt, dass sich die tieferen Anfangssaläre weiter verbreiten werden. Die Privatkundenberater bekamen dies bereits zu spüren: Konnten sie in guten Zeiten, bis zu 300000 Fr. verdienen, haben sie heute Glück, wenn sie noch auf 210000 Fr. kommen.
Fortsetzen wird sich aber nicht nur der Druck auf die Löhne. Auch weitere Entlassungen sind nicht auszuschliessen. Selbst wenn die Banken keinen grossen Stellenabbau mehr bekannt geben: Wie in der IT-Branche bereits üblich, ist zu befürchten, dass auch die Banken damit beginnen werden, ihre Mitarbeiter auszutauschen ? gegen besser qualifizierte, aber billigere Arbeitskräfte. «Das ist nicht zu vermeiden», sagt Gewerkschafter Ringger, obwohl die Arbeitgeber damit einen Bumerang starten: Sie vergeuden Know-how und zerschlagen wertvolle Kontaktnetze, die sie spätestens beim nächsten Aufschwung wieder teuer zurückkaufen werden müssen. Die Bankangestellten dürfen sich heute also schon freuen: Auf die hohen Einstiegsprämien und Löhnen, mit denen sie von der Konkurrenz abgeworben werden.

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