Bei Sika bleibt vorerst alles beim Alten. Der Verwaltungsrat hat die Stimmenkraft der Gründerfamilie Burkard an der Generalversammlung vom Dienstag in zentralen Punkten beschränkt und damit den Verkauf an Saint-Gobain blockiert. Schon im Juli kommt es zur Neuauflage.

Um ihre Stimmenmehrheit an den französischen Industriekonzern verkaufen zu können, wollen Burkards im Verwaltungsrat die Kontrolle übernehmen. Sie haben hierfür der ordentlichen Generalversammlung die Zuwahl von Max Roesle vorgeschlagen, der sogleich zum VR-Präsidenten hätte gewählt werden sollen.

Den bestehenden Verwaltungsratspräsidenten Paul Hälg hingegen und die unabhängigen Mitglieder im Gremium wollten sie nicht wiederwählen. Dies sollte den Weg frei machen, damit die Gründer-Erben ihr in der Schenker-Winkler-Holding (SWH) gebündeltes Aktienpaket für 2,75 Milliarden Franken an Saint-Gobain verkaufen können.

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Ein juristischer Kniff

Der Verwaltungsrat, der dies verhindern will, griff zu einem juristischen Kniff. Er beschränkte die Stimmrechte der SWH gestützt auf eine Interpretation der Statuten bei den entscheidenden Traktanden auf 5 Prozent der Namenaktien.

Das ergab für die Familienerben eine Stimmkraft von 2,6 Prozent inklusive Inhaberaktien. Sie hält eigentlich mit einem Kapitalanteil von rund 16% eine Mehrheit von 52% der Stimmrechte. Die unabhängigen Verwaltungsräte argumentieren, SWH habe das Stimmrechtsprivileg mit dem geplanten Verkauf an Saint-Gobain verwirkt.

Kein Überraschung

«Wir haben eine massvolle Vorgehensweise gewählt», sagte VR-Präsident Hälg. Man habe die SWH ihrer vollen Stimmkraft nur in den Punkten beraubt, die notwendig seien, um eine Einverleibung des Konzerns in Saint-Gobain bis auf weiteres zu verhindern.

Bei der Wahl der drei SWH-Vertreter in den Verwaltungsrat gelte die Beschränkung nicht, betonte er. Die Wahlen fielen denn auch wenig überraschend aus: Der Verwaltungsrat bleibt in seiner jetzigen Besetzung bestehen, Hälg wurde auch als Präsident bestätigt

Bei jenen Traktanden hingegen, wo SWH ihre ganze Stimmkraft in die Waagschale werfen konnte, zeigte sie ihren Unmut. So verweigerte sie dem Verwaltungsrat die Entlastung. Damit bleibt für die SWH der Weg zu zivilrechtlichen Klagen gegen die einzelnen Mitglieder offen. Mit einem «Ja» zur Decharge hätten die Aktionäre im Prinzip auf Klagen gegen die unabhängigen Verwaltungsräte verzichtet.

Ohrfeige für Verwaltungsrat

Auch bei den Vergütungen erteilten die Gründer-Erben dem Verwaltungsrat eine Ohrfeige: Weder der Vergütungsbericht 2014 wurde genehmigt noch die Anträge zu den Vergütungen für die neue Amtsperiode in der Höhe von maximal 3 Millionen Franken Durch das Nein fehlt für die Entschädigung des Verwaltungsrats nun die Grundlage.

Der Verwaltungsrat gab sich enttäuscht, aber gelassen. Das Nein ändere nichts am Engagement, sagte Hälg. Fast ohne Gegenstimmen genehmigt wurde die Vergütung von total bis zu 18 Millionen Franken für die Konzernleitung.

Buhrufe für Urs Burkard

Die meisten Kleinaktionäre stellten sich bei den Abstimmungen und Wahlen auf die Seite des Verwaltungsrats. Der Vertreter der Erben-Familie im Verwaltungsrat, Urs Burkard, machte hingegen klar, dass es das gute Recht der Familie sei, die Anteile zu verkaufen. Das Verhalten seiner Verwaltungsratskollegen gleiche einer Entmündigung und Enteignung. Kleinaktionäre buhten ihn mehrfach aus.

Die Erben werden sich nun auf juristischem Weg gegen die Beschränkung ihrer Stimmenanteile wehren. So liegt die Stimmrechtsbeschränkung auch auf dem Tisch der Zuger Richter, die entscheiden werden, ob diese Beschränkung rechtens war. Zudem drohen sie mit Schadenersatzklagen.

Nächste GV im Juli

Möglicherweise fällt der Entscheid zum Verkauf aber auch an der nächsten Aktionärsversammlung. Die SWH brachte zum Schluss der 7 Stunden und 15 Minuten dauernden ordentlichen GV den Antrag durch, am 24. Juli eine ausserordentliche GV einzuberufen. Traktandiert werden sollen wieder die Abwahl der unabhängigen Verwaltungsräte und der Vergütungsbericht für den Verwaltungsrat.

Er glaube «unerschütterlich» an den Verkauf, sagte Urs Burkard, VR-Vertreter der Gründerfamilie, am Rande der Generalversammlung zur Nachrichtenagentur sda. Mit der ausserordentlichen GV wolle die Familie nach den juristischen Entscheiden, die schon bald bekannt werden könnten, «möglichst schnell vorwärts machen können».

Unabhängige Sika-Verwaltungsräte hingegen gaben sich unberührt. Hälg sagte vor Journalisten, er habe einen solchen Antrag erwartet, ihn aber nicht verhindern wollen, weil eine ausserordentliche GV schon mal zur Debatte stand.

(awp/sda/ccr)

 
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