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Bell gerät in den Sog des Pferdefleisch-Skandals

Offenbar scheint jetzt auch der Fleischverarbeiter Bell vom Skandal betroffen zu sein. (Bild: Keystone)

Trotz aller Beteuerungen scheint jetzt auch Bell vom Pferdefleisch-Skandal betroffen zu sein. Damit aber nicht genug: Neben dem Schweizer Fleischverarbeiter droht auch ein bekannter Harddiscounter in

Veröffentlicht am 16.02.2013

Der Pferdefleischskandal hält Europa weiterhin in Atem. Am Samstag wurde bekannt, dass auch ein Unternehmen in Liechtenstein involviert ist. In Schaan wurden die Tortelloni hergestellt, die Lidl in Deutschland und Österreich verkaufte. Eine Spur führt aber auch direkt in die Schweiz.

Das Unternehmen Hilcona im liechtensteinischen Schaan verarbeitete Fleisch für die «Combino Tortelloni Rindfleisch», welche vom deutschen Discounter Lidl verkauft wurde. Lidl vertrieb die Tortelloni unter Hilconas Handelsmarke Gusto in Deutschland und Österreich.

Wie Hilcona auf seiner Webseite schreibt, stammte das Fleisch für die Tortelloni entweder von der Firma Suttero in Gossau SG oder aber vom deutschen Hersteller Vossko aus Ostbevern. Der Fleischwarenhersteller Suttero war für eine Stellungnahme am Samstag nicht erreichbar.

Nachdem die österreichischen Gesundheitsbehörden in den Tortelloni Pferdefleisch nachgewiesen hatten, nahm Lidl die Teigwaren umgehend aus den Regalen. Auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda versicherte Hilcona, dass das Produkt in der Schweiz nicht erhältlich ist.

Auch Bell involviert

Hilcona gehört knapp zur Hälfte Bell, dem grössten Schweizer Fleischverarbeiter, der seinerseits mehrheitlich im Besitz von Coop ist. Noch an der Bilanzmedienkonferenz vom Freitag hatte Bell-Chef Lorenz Wyss zugesichert, weder Bell noch Hilcona seien vom Pferdefleischskandal betroffen. Coop musste vor wenigen Tagen wegen falsch deklariertem Fleisch eine Fertiglasagne zurückziehen.

Weitere Produkte mit beigemengten Pferdefleisch wurden in einer gross angelegten Untersuchung der Kantonschemiker in der Schweiz nicht gefunden. In Grossbritannien gingen die Untersuchungen im Pferdefleischskandal unvermindert weiter. Wie die Polizei mitteilte, wurden bei Razzien in drei Fleisch verarbeitenden Betrieben in London und in Hull in Nordost-England umfangreiches Probematerial und Computerunterlagen beschlagnahmt.

Bisher sind unter 2500 getesteten Produkten in Grossbritannien in 29 Fällen Pferdefleischspuren gefunden worden. Getestet wird das Fleisch auch auf Spuren von Medikamenten, nachdem britisches Pferdefleisch mit Phenylbutazon nach Frankreich gelangt war.

Zum Schutz seiner Konsumenten will Frankreich nun rasch eine freiwillige Kennzeichnung von Fleisch erreichen. Darüber werde in der kommenden Woche mit französischen Fleischverarbeitern verhandelt, sagte Landwirtschaftsminister Stéphane Le Foll der Zeitung «20 Minutes».

Veränderungen der Vorschriften lägen in europäischer Kompetenz und seien schwieriger zu erreichen. Der Skandal um als Rind ausgezeichnetes Pferdefleisch unterstreicht aus Sicht Le Folls die Position für eine Herkunftskennzeichnung des Fleisches.

Mindestens 72 Tonnen nach Deutschland geliefert

In Frankreich ist das Unternehmen Spanghero schwer belastet. Es soll für falsch deklarierte Lieferungen verantwortlich sein. Das Unternehmen weist das zurück. Nach Ermittlungen hat Spanghero aber wissentlich solches Fleisch etwa an den Hersteller Comigel verkauft. Dort wurde es verarbeitet und auch nach Deutschland geliefert.

Insgesamt soll Comigel rund 4,5 Millionen Fertiggerichte mit falsch deklariertem Fleisch von Spanghero hergestellt haben, die an mindestens 28 Unternehmen in 13 europäischen Ländern verkauft wurden. Nach Deutschland etwa wurden nach neuesten EU-Informationen 179'000 Packungen der verdächtigen Lasagne geliefert. Das entspricht rund 72 Tonnen. Der «Spiegel» spricht unter Berufung auf interne Lieferlisten der EU-Kommission gar von 360'000 Packungen.

Die deutsche Konsumentenschutzministerin Ilse Aigner (CSU) äusserte sich besorgt über das wachsende Ausmass des Skandals. «Hier wurde offenbar mit grosser krimineller Energie gehandelt», sagte sie der «Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung». Aigner kündigte zusätzliche Tests an.

(muv/sda)

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