BILANZ: Herr Fink, im Vergleich zum letzten Ranking 2009 sind die Bewertungen durchs Band weg besser geworden. Was ist passiert?

Dietmar Fink: Der Umgang mit Beratern hat sich professionalisiert. Die Erwartungen an die Leistungen sind realistischer geworden. Also werden sie auch eher erfüllt, und die Zufriedenheit steigt.

Die Berater liefern also nicht mehr für ihr Geld als noch vor zweieinhalb Jahren?

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Das will ich in Einzelfällen gar nicht ausschliessen. Der Schweizer Markt wurde von manchen Beratern lange aus Deutschland heraus und eher nebenbei bearbeitet. Inzwischen hat man sich viel stärker auf die Schweizer Kundenbedürfnisse fokussiert. Firmen wie Bain & Company oder Roland Berger haben massiv in den Aufbau des Schweizer Geschäftes investiert.

Die Ergebnisse ähneln stark denjenigen aus der Umfrage, die Sie in Deutschland durchführen. Erstaunt Sie das?

Eigentlich nicht. Die Leistungen der Firmen sind auf globalem Niveau sehr hoch und teilweise auch standardisiert. Die deutschen und die Schweizer Büros sind sich in der Regel sehr nah, die Teams vermischen sich häufig.

2009 waren überraschenderweise drei der fünf Top-Berater Wirtschaftsprüfer. Dieses Mal sind die drei überraschenderweise wieder aus den Top 5 verschwunden. Wie ist das zu erklären?

Die Wirtschaftsprüfer haben sich nicht wirklich verschlechtert. Sie sind sogar etwas besser geworden – aber nicht so viel besser wie die klassischen Managementberater, die nun vorgerückt sind.

Die Top 5 sind klassische Vollsortimenter. Ist die Zeit der Spezialisten und Nischenanbieter vorbei?

Nein, das hat mit der Erhebungsmethodik zu tun. Wir haben die zwölf grössten Schweizer Managementberater angeschaut. Sie sind in den meisten Fällen Vollsortimenter. Nischenplayer tun sich per definitionem schwer damit, eine gewisse Grösse zu erreichen.

Die EU diskutiert darüber, Wirtschaftsprüfern das Beratungsgeschäft zu verbieten. Was halten Sie davon?

Das halte ich für überaus dumm. Die Big Four haben ein exzellentes Know-how und eine hervorragende globale Infrastruktur. Wenn sie das für Beratungsaufträge nutzen, dann ist das durchaus sinnvoll. Es aus regulatorischen Gründen wegzuschmeissen, nützt niemandem.

Wird das passieren?

Die grossen Wirtschaftsprüfer werden auf politischer Ebene mit Vehemenz gegen dieses drohende Verbot kämpfen. Eine völlige Abspaltung erwarte ich nicht, eher Einschränkungen bezüglich der Anzahl und Art von Beratungsleistungen, die Wirtschaftsprüfer für ihre Revisionskunden erbringen dürfen.