Die Chefin des britischen Pharmakonzerns GlaxoSmithKline Emma Walmsley hat die Branche zur Zusammenarbeit bei der Entwicklung eines Impfstoffes gegen das neuartige Coronavirus aufgerufen.

Die Welt benötige mehr als einen Impfstoff, daher müssten die Arzneimittelhersteller bei der Entwicklung ihre Kräfte bündeln, sagte sie der BBC am Mittwoch.

Es sind mehrere Impfstoffe nötig

GlaxoSmithKline hatte am Vortag eine Partnerschaft mit dem französischen Pharmakonzern Sanofi zur Entwicklung eines COVID-19-Impstoffes angekündigt. Die klinische Erprobung soll im zweiten Halbjahr 2020 starten und die Entwicklung bis zum zweiten Halbjahr nächsten Jahres abgeschlossen sein.
Noch sei viel Arbeit zu tun, sagte Walmsley. «Die Welt wird definitiv mehr als einen Impfstoff brauchen, wenn man an die Nachfrage in dieser äusserst schwierigen weltweiten Gesundheitskrise denkt.»

Wissenschaftler hatten wiederholt betont, dass es noch bis zu 18 Monate dauern dürfte, bis es einen Impfstoff gibt. Dieser Einschätzung schliesst sich auch der Chef des deutschen Pharma- und Spezialchemiekonzerns Merck an. «Viele gehen davon aus, dass wir in zwölf bis 18 Monaten einen Impfstoff haben, wenn wir Riesenglück haben», sagte Merck-Chef Stefan Oschmann dem Nachrichtensender «ntv».

Bereits laufen Tests an Menschen

«Früher hätte es vielleicht sieben Jahre gedauert, einen Impfstoff zu haben, wir sprechen jetzt von zwölf bis 18 Monaten.» Auch Merck beteilige sich an der Forschung: «Wir hoffen, dass wir innerhalb von einigen Wochen Zwischenergebnisse haben.»

Nach Angaben des deutschen Verbands der forschenden Pharmaunternehmen (vfa) sind inzwischen mindestens 77 Impfstoffprojekte angelaufen. Damit hat sich die Zahl sei Mitte März fast verdoppelt, als noch von mindestens 39 Projekten die Rede war.

Laut vfa hat bei fünf Projekten bereits die klinische Erprobung an Freiwilligen begonnen, dabei handelt es sich um Impfstoffe des US-Biotechkonzerns Moderna, der chinesischen CanSino Biologicals, der US-Firma Inovio sowie zwei Projekte des chinesischen Shenzhen Geno-Immune Medical Instituts.
Weitere klinische Studien sollen in den kommenden Monaten starten, einige davon noch im April - darunter der Impfstoff des deutschen Biotechunternehmens BioNTech, das mit Pfizer und der chinesischen Fosun Pharma zusammenarbeitet.

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(reuters/mbü)