Die Auftragslage erlaubt es nicht, dass wir dicht machen», sagt Monika Bühler, Personalchefin bei der Berner Bauunternehmung Marazzi. Früher lag die Arbeit jeweils zwei Wochen still, auch weil Betonwerke und andere Zulieferer Beriebsferien hatten. Bühler findet Betriebsferien im Sommer eine sinnvolle Sache. Sie mache den Mitarbeitern nach wie vor gewisse Daten für Ferien beliebt, sagt sie. Doch die Ferienempfehlungsliste, die sie Ende Jahr abgebe, werde nur von 75% der Mitarbeiter berücksichtigt. Auch bei der Konkurrenz Steiner und Implenia gibt es im Sommer keine Zwangsferien mehr. Die sogenannten Bauferien wurden sprichwörtlich demontiert. Laut Implenia-Personalchef Jean-Pierre Vogt sind Sommerbetriebsferien zwar im Wallis nach wie vor Usus. Doch wegen der vielen Baustellen und des Termindrucks könnten sie kaum mehr vollständig durchgesetzt werden.

*Arbeitsstopp gilt als undenkbar*
Auch in der Industrie gehören Betriebsferien der Vergangenheit an. «Für uns sind Betriebsferien nicht denkbar, weil wir ein kunden- und serviceorientiertes Unternehmen sind», sagt Peter Grädel von Rieter. Geberit-Sprecher Roman Sidler begründet: «Unter dem Aspekt der Kurzfristigkeit unseres Geschäfts macht ein längerer Betriebsunterbruch betriebswirtschaftlich keinen Sinn.»
Auch Nestlé, Kaba, Lonza, ABB, die Coop und Migros kennen keine Betriebsferien. Seit vielen Jahren die Ausnahme sind solche Betriebsferien auch beim dezentral geführten Georg-Fischer-Konzern. Eine einheitliche Regelung während der Sommermonate gebe es sowieso nicht, erklärt GF-Sprecher Markus Sauter.
Die ehemaligen Staatsbetriebe Post und Swisscom haben Betriebsferien ebenfalls abgeschafft. Nichts mehr wissen wollen zudem die Konzerne der Uhrenindustrie von den traditionellen Uhrmacherferien. «Bei der Swatch Group ist es so, dass Firmen und Maschinen nicht in die Ferien gehen - die Leute hingegen können dies sehr wohl», sagt Mediensprecherin Brigitte Schneeberger.
Die Abstinenz der Uhrenkonzerne hindert den Arbeitgeberverband der Uhrenindustrie (Convention patronale) in La Chaux-de-Fonds aber nicht daran, den Mitgliedern weiter anzugeben, wann sie ihre dreiwöchigen Betriebsferien im Sommer abhalten sollen.
«Für den Moment fahren wir weiter so, wegen der Interdependenz der Firmen in der Uhrenindustrie können durch einheitliche Ferien Probleme vermieden werden», begründet Nadia Fustini, Sprecherin der Convention patronale. Firmen, die die Vorgaben befolgen, konnte sie keine angeben.
Was sich die Konzerne nicht mehr leisten können, liegt offenbar auch für die KMU nicht mehr drin. Patrik Lucca, Sprecher des Schweizerischen Gewerbeverbandes, sagt: «Mit Ausnahme des Gastgewerbes ist bei Kleinbetrieben der Trend, Betriebsferien einzuschalten, rückläufig.» Im Baugewerbe (Haupt- und Ausbau) könne es sich heute niemand leisten, im Sommer Betriebsferien zu machen. Sogar die Ein-Mann-Betriebe bezögen ihre Ferien im Dezember/Januar.
Wie die Umfrage der «Handelszeitung» zeigt, schliessen die Unternehmen höchstens über Weihnachten/Neujahr die Tore. Beim Medizinaltechnikkonzern Synthes sind es dann sieben Tage, die jeweils vorgeholt werden. Einzig Lindt&Sprüngli gönnt den Mitarbeitern neben den Weihnachtsferien eine zusätzliche einwöchige Ferienpause im Produktionsbereich nach Ostern. Dieser Betriebsunterbruch werde für die Revisionen der Anlagen benötigt.
Trotz dem eindeutigen Trend könnten Betriebsferien über den Sommer ein Comeback erleben. Das Forum für Klimawandel der Swiss Academy of Science schreibt zur Erderwärmung und der Abnahme der menschlichen Leistungsfähigkeit: «Manche Unternehmen könnten vermehrt Betriebsferien im Hochsommer anordnen und versuchen, gewisse Arbeiten auf kühlere Perioden zu verschieben.»