Der Energiekonzern BKW behauptet sich besser als die Konkurrenz angesichts der Marktverwerfungen. Im ersten Halbjahr 2015 konnten die belastenden Preis- und Währungseffekte abgefedert werden. Trotz geringerer Gesamtleistung stieg der Reingewinn dank günstigerer Beschaffungskosten stark an. Für das Gesamtjahr wird dennoch mit einem Ergebnis unter dem Vorjahreswert gerechnet.

In den ersten sechs Monaten sank die Gesamtleistung im Vergleich zum Vorjahreswert um 11 Prozent auf 1,28 Milliarden Franken. Gründe seien die gesunkenen Strompreise und ein fürs Stromgeschäft ungünstiger Euro-Franken-Wechselkurs, hiess es in einer Mitteilung am Donnerstag. Damit meint das Berner Unternehmen den Verkauf am Grosshandelsmarkt aus der eigenen Stromproduktion. Denn im Einkauf für die regulierte Endkundenversorgung profitiert die BKW wiederum von den tiefen Grosshandelspreisen am Strommarkt.

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Ebit-Beitrag bescheiden

Im Geschäftsfeld Energie habe die regulierte Produktion den Erwartungen entsprochen, hiess es denn auch. Bei der Produktion am Markt waren die Erträge im ersten Halbjahr dagegen deutlich geringer: Es wurde zwar gleichviel Strom verkauft, doch ging der Erlös wegen der tiefen Strompreise und der negativen Wechselkurseffekte signifikant zurück.

Im Zuge der Frankenstärke war jedoch die am Markt beschaffte Energie günstiger, auch Rückstellungen für Beschaffungsverträge in Euro konnten um 61 Millionen Franken tiefer bewertet werden. Zudem wirkten der Margenerosion eine höhere Produktionsmenge im eigenen Kraftwerkspark und erfolgreiche Handelsaktivitäten entgegen sowie Effizienzsteigerungen und Kosteneinsparungen.

So stieg das operative Betriebsergebnis (Ebit) 41 Prozent auf 199 Millionen Franken, und der Reingewinn um gut ein Drittel auf 123,1 Millionen. Bereinigt um den erwähnten positiven Fremdwährungseffekt auf Rückstellungen resultierte ein Ebit auf Vorjahresniveau, wie es hiess. Damit sei es gelungen, die tieferen Strompreise und die negativen Währungseffekte «praktisch vollständig zu kompensieren». Mit einem operativen Cash Flow von 159 Millionen Franken und einer Liquidität von 1,2 Milliarden Franken stehe man weiter solide da.

Im Bereich der Energie- und Infrastrukturdienstleistungen konnte im ersten Halbjahr zudem zwar der Umsatz um 36 Prozent gesteigert werden. Knapp ein Viertel davon sei organisches Wachstum gewesen. Akquisitions- und Integrationskosten sowie ausgeprägte saisonale Unterschiede hätten jedoch dazu geführt, dass der Ebit-Beitrag des Dienstleistungsgeschäfts noch bescheiden war. Für das zweite Semester wird hier eine deutliche Steigerung des Betriebsergebnisses erwartet.

Mehr Investitionen in Verteilnetze

Der Geschäftsbereich Netze habe indes einen stabilen Ergebnisbeitrag geliefert. Das Betriebsergebnis konnte um knapp 9 Millionen Franken auf rund 68 Millionen Franken gesteigert werden. Daher konnten die Investitionen in die Erneuerung und den Ausbau des Verteilnetzes auf gegen 100 Millionen Franken von in der Vergangenheit jährlich rund 80 Millionen erhöht werden.

Die BKW bestätigte zudem den bereits kommunizierten Ausblick für das Gesamtjahr: Insgesamt erwarte man für 2015 ein Ergebnis, das unter dem Vorjahresergebnis liegt. Wie bereits angedeutet, wird ein weiteres starkes Wachstum des Dienstleistungsgeschäfts erwartet. Unter anderem mit den Akquisitionen von «Casa delle Nuove Energie» (Italien) und «Solare Datensysteme GmbH» (Deutschland) sei in den letzten Monaten ausserdem die Endkundenbasis um über 200'000 Kunden erweitert worden.

In der Konzernleitung kommt es per Ende Jahr zu einer Veränderung: Monica Dell'Anna, Leiterin des Geschäftsbereichs Markt, verlässt das Unternehmen. Ihre operativen Verantwortlichkeiten werde sie schrittweise abgeben und bis zu ihrem Austritt die Führung des Themas Digitalisierung übernehmen. Interimistisch werden ihre früheren Aufgaben durch die verbleibende Konzernleitung übernommen.

Die BKW-Aktien gewinnen im frühen Handel um 0,7% und legen damit in etwa im Rahmen des Gesamtmarktes zu (SPI +0,80 Prozent).

(awp/chb)