Als BMW-Erben beziehen Susanne Klatten und Stefan Quandt ihr Einkommen vor allem aus dem Verkauf grosser Autos. Einen Teil stecken sie in Windenergie, Solaranlagen und Stiftungen. Manchmal mit Gewinn.

Die Geschwister Stefan Quandt und Susanne Klatten gehören nach Schätzungen des US-Wirtschaftsmagazins «Forbes» zu den reichsten Deutschen. Laut den Angaben, die auf eigenen Recherchen des Blattes beruhen, sollen sie zuletzt auf ein gemeinsames Vermögen von rund 34,1 Milliarden Euro gekommen sein. Zusammen gehören ihnen 47 Prozent der BMW-Aktien, darüber hinaus einige weitere Unternehmen.

Aktive Unternehmer

Der Wirtschaftsingenieur und die Betriebswirtin sind nicht bloss Erben eines riesigen Vermögens, sondern aktive Unternehmer. Bei BMW bestimmen letztlich sie den Kurs: Ihr Aktienpaket reicht für eine Mehrheit auf jeder Hauptversammlung, beide sitzen seit 1997 im Aufsichtsrat, Stefan Quandt ist seit 1999 stellvertretender Vorsitzender des Kontrollgremiums.

Das Engagement der Familie bei BMW werde «nach dem gemeinsamen Willen aller auf lange Sicht» fortgeführt, hatte Stefan Quandt bei einem seiner seltenen öffentlichen Auftritte 2010 in München im Beisein seiner Schwester und seiner inzwischen gestorbenen Mutter Johanna angekündigt.

Vor 100 Jahren gegründet

Das weiss-blaue Logo auf jedem BMW erinnert noch heute an die Anfänge. Vor 100 Jahren, am 7. März 1916, wurden die Bayerischen Flugzeugwerke gegründet. Später benannte man sie in Bayerische Motorenwerke um - mit dem Propeller als Firmensymbol.

Heute ist BMW mit 116'000 Mitarbeitern und über 80 Milliarden Euro Umsatz einer der grössten deutschen Konzerne. In der Oberklasse ist das Unternehmen seit 2005 die Nummer eins - aber das scheint sich gerade zu ändern. Mercedes ist auf dem besten Weg, seinen alten Platz an der Spitze zurück zu erobern.

Erstes Automobil im Jahr 1928

Als BMW 1928 in Eisenach sein erstes Automobil fertigte - einen mit Lizenz des englischen Herstellers Austin gebauten Kleinwagen namens Dixi -, da standen die Limousinen und Sportwagen von Daimler-Benz schon für automobilen Luxus. Angefangen hatte BMW als Rüstungsfirma. Im Ersten wie im Zweiten Weltkrieg baute das Unternehmen vor allem Motoren für Militärflugzeuge.

Im Zweiten Weltkrieg wurden etwa 25'000 Zwangsarbeiter und KZ-Häftlinge beschäftigt, wie BMW-Historiker Manfred Grunert sagt. Inzwischen hat sich der Konzern diesem Teil seiner Geschichte gestellt und auch entsprechende Entschädigungen gezahlt.

Nach dem Krieg nahm BMW die Fertigung von Autos und Motorrädern wieder auf, brachte 1952 den teuren BMW 501 «Barockengel» auf den Markt und kurz darauf die winzige BMW Isetta. Aber Geld verdiente man damit nicht - es fehlte ein Mittelklasse-Modell. 1959 stand das Münchner Unternehmen vor der Pleite und der Übernahme durch Daimler.

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Sanierer musste ran

Doch dann stieg der Industrielle Herbert Quandt als Sanierer ein. Mit dem Mittelklasse-BMW 1500 und der Übernahme der Glas-Autowerke im niederbayerischen Dingolfing 1967 begann eine Erfolgsgeschichte.

Noch heute halten seine Kinder Susanne Klatten und Stefan Quandt knapp die Hälfte der Anteile an dem bayerischen Automobilbauer. Darüber hinaus investieren sie in Windenergie, Solaranlagen und Stiftungen.

Milliarden wieder investieren

Seinem Sohn, der 55-jährige Stefan Quandt, der mit seiner Familie in Bad Homburg lebt, gehört unter anderem die Photovoltaik-Firma Solarwatt. Seine Schwester hält Beteiligungen am Windkraftanlagenbauer Nordex und an dem Karbonfaser-Produzenten SGL Carbon, der den Rohstoff für die leichte Karosserie der BMW-i-Elektroautos liefert.

Beträge in Milliardenhöhe, wie sie sie etwa aus dem Verkauf der Pharmasparte ihres Chemiekonzerns Altana erhalten habe, müsse man investieren: «Das ist eine Chance, und es ist auch eine wundervolle Aufgabe», sagte Susanne Klatten, die drei Kinder hat und in München lebt, im September dem Magazin «Stern». «Das ist ja nichts, was man ausgeben kann.»

Strategie geht auf

Beim BMW-Konzern selbst ist die Kasse voll. Die bis 2020 ausgelegte Strategie «Number One», die der damalige BMW-Chef Norbert Reithofer 2007 verkündet hatte, ist bisher voll aufgegangen. Das Unternehmen hat mit Kooperationen und flexibler Produktion Kosten gesenkt, mit Kompaktwagen neue Kunden gewonnen, sich früh in China engagiert. Bei Elektroautos ist BMW mit dem i3 und seiner Karbon-Karosserie technisch Vorreiter.

Grossstädte wie Peking, Oslo oder London erschweren Autos mit Verbrennungsmotor die Zufahrt. Der Dieselantrieb steht wegen der VW-Abgas-Affäre unter Verdacht. Das könnte auch BMW treffen, weil jeder dritte BMW ein Diesel ist - aber bei den E-Modellen nutzen.

Vor allem die Digitalisierung und die Entwicklung hin zum vernetzten und autonomen Fahren erfordern jetzt neue Antworten. «Nach dem technologischen Umbruch zur nachhaltigen Mobilität ist dies für uns der nächste fundamentale Wandel», sagte Vorstandschef Harald Krüger.

(sda/ccr)