Novartis, Roche und Nestlé sind Schwergewichte in der Schweiz. Doch auch weltweit halten die beiden Pharmariesen und der Lebensmittel-Gigant mit. Sie alle gehören zu den wertvollsten Unternehmen der Welt. Zudem sind sie Europameister: Keine anderen Konzerne in Europa bringen mehr Gewicht auf die Waage. Das zeigt eine aktuelle Studie des Beratungsunternehmens Ernst & Young (EY).

Insgesamt dominieren Konzerne aus den USA die Liste der teuersten Unternehmen rund um den Globus. Den Amerikanern dicht auf den Fersen sind allerdings die Chinesen. Sie haben ihren Rückstand auf die USA deutlich verringert.

USA, Europa, Asien

In den Top-20 der wertvollsten Unternehmen der Welt sind elf US-Konzerne zu finden, fünf aus China und einer aus Japan. Die restlichen Plätze belegen die drei Schweizer Schwergewichte.

Novartis kommt mit einem Börsenwert von 264 Milliarden Dollar zur Jahresmitte auf den 11. Platz. Roche liegt mit 241 Milliarden Dollar auf dem 15. und Nestlé mit 230 Milliarden Dollar auf dem 17. Rang. Erst auf dem 26. Platz folgt der nächste Europäer: Der belgische Bierbrauer Anheuser-Busch Inbev hat einen Wert von 193 Milliarden Dollar.

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Apple lässt alle hinter sich

Mit Abstand das weltweit teuerste Unternehmen ist nach wie vor Apple. Der iPhone-Hersteller baute im ersten Halbjahr seinen Vorsprung kräftig aus und bringt mittlerweile 723 Milliarden Dollar auf die Waage. Das seien 75 Milliarden Dollar mehr als Ende vergangenen Jahres, schreibt EY. Damit ist Apple fast gleichviel wert wie Novartis, Roche und Nestlé zusammen.

Weit abgeschlagen liegt Google auf dem 2. Platz. Der Suchmaschinen-Gigant ist mit 361 Milliarden Dollar zur Jahresmitte rund die Hälfte weniger wert als Apple. Drittplatzierter ist Microsoft mit 357 Milliarden Dollar.

Knackpunkt Griechenland

In den Top-100 befinden sich lediglich 28 europäische Unternehmen. Die schlechtere Platzierung führt EY auf die seit Jahren schwächelnde Wirtschaft in Europa zurück. Auch die Griechenland-Krise habe belastet. Für Investoren sei die Region weniger attraktiv gewesen.

«Europa hat lange unter den Nachwehen der Finanz- und Wirtschaftskrise gelitten», sagt Stefan Rösch-Rütsche von EY. Die Wirtschaft komme erst langsam wieder in Schwung. Gleichzeitig würden aber viele US-Konzerne Rekordgewinne einfahren.

Die erneute Eskalation der Griechenland-Krise war aber laut EY nicht nur in Europa eine Belastung. Rund um den Globus hat die Eskalation der Krise massiv Börsenwerte vernichtet. Der Gesamtwert der 100 teuersten Konzerne der Welt sank nach Berechnungen der von EY vom 19. Juni bis zum 30. Juni von 16,6 Billionen auf 16,3 Billionen US-Dollar.

Ebenfalls auf die Platzierung der europäischen Konzerne gedrückt hat die Abwertung des Euro. «Die an europäischen Börsen gelisteten Konzerne verlieren im internationalen Vergleich an Wert, während der starke US-Dollar US-Konzerne aufwertet» sagt Rösch-Rütsche.

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Europa könnte allerdings nach Einschätzung von EY wieder aufholen. Griechenland spielt jedoch eine grosse Rolle. «Falls die Griechenland-Krise gelöst werden kann, wird Ende dieses Jahres Europa aber wieder stärker im Ranking der teuersten Unternehmen der Welt vertreten sein», so Rösch-Rütsche.

Frankenstärke hat kaum Auswirkung auf Platzierung

Auf dem Börsenwert der US-Konzerne lastete vor allem der starke Dollar. Geschäfte mit dem Ausland sind dadurch teurer geworden. Das belaste sowohl Umsatz als auch Gewinnaussichten und daher auch den Börsenwert.

Für die Platzierung der Schweizer Unternehmen hatte der Franken hingegen keine grossen Auswirkungen. Zwar leiden viele hiesige Konzerne unter der Aufwertung der Währung, was Umsatz und Gewinn drückt. Jedoch wird die Rangliste in Dollar angegeben. Durch die Umrechnung von Franken in Dollar ergibt sich daher wieder ein höherer Wert.

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Börsenboom beflügelt Chinesen

Im Ranking aufgeholt haben die Chinesen. Mittlerweile befinden sich unter den 300 teuersten Unternehmen der Welt 42 Konzerne aus der Volksrepublik. Vor einem halben Jahr seien es noch 31 und vor einem Jahr 24 gewesen, schreibt EY. 

Grund für die Aufholjagd sei der derzeitige Börsenboom in China, der die Bewertungen der Konzerne in die Höhe treibe. Für Investoren bleibe China weiterhin interessant, auch wenn sich das Wachstum verlangsamt habe. Der Abstand zu den Amerikanern dürfte sich daher künftig weiter verkleinern. «Chinesische Unternehmen werden künftig weltweit eine immer grössere Rolle spielen», so Rösch-Rütsche.  

Technologie als Entscheidungsfaktor

Ein grosses Hindernis für europäische Unternehmen sieht der EY-Analyst bei der Technologie. Diesbezüglich könne Europa nicht mit den USA mithalten. Die Digitalisierung entwickke sich zum alles beherrschenden Trend und stelle die Geschäftsmodelle von Unternehmen und ganzen Branchen in Frage. «Gerade US-Konzerne treiben die Digitalisierung der Wirtschaft derzeit aggressiv voran und bestimmen damit die Spielregeln, die zukünftig für die gesamte Wirtschaftswelt gelten.»

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