Das Unternehmen Boxal SA stellt in Belfaux im Kanton Freiburg Aluminium-Verpackungen her - doch wie lange noch? Am Freitagnachmittag rief die Firma im Besitz der niederländischen Exal Holding die 59 Mitarbeiter und die Sozialpartner zusammen.

«Wir wurden informiert, dass die Situation sehr schwierig ist», sagt Diego Frieden, designierter Zentralsekretär der Gewerkschaft Syna in der Westschweiz. «Es könnte bis zur Schliessung der Fabrik kommen.» Ab sofort laufe ein Konsultationsverfahren bis zum 15. Oktober. Bis Januar 2013 soll dann über Massnahmen entschieden werden.

«Die Firma sieht wenig Möglichkeiten und hat nach eigenen Angaben schon viel probiert», so Frieden, «ist aber offen für neue Vorschläge der Personalkommission.» Als Probleme habe Boxal die Frankenstärke, hohe Löhne und Energiekosten in der Schweiz sowie eine schlechte Kostenstruktur genannt.

Werk in Argentinien geplant

Konkurrenz für den Schweizer Standort ist Argentinien: Da das Land seine Importe stark einschränke und ein grosser Konkurrent dort bereits ein Werk baue, erwäge nun auch Boxal, dort eine Fabrik zu bauen, berichtet Syna-Mann Frieden.

In Bezug auf Belfaux sagt der Gewerkschafter: «Wir werden uns auf das Schlimmste vorbereiten und jetzt einen entsprechenden Sozialplan erarbeiten.»

Nach einer Übernahme Anfang Jahr sind die Boxal-Standorte in den Niederlanden, Frankreich und Deutschland heute im Besitz der irischen Ardagh Group. Nur das Schweizer Werk gehört weiterhin zu Exal.

Industrie verlagert ins Ausland

Am Donnerstag hatte bereits Siemens die Streichung von rund 220 Stellen in der Schweiz bekannt gegeben. Ein Teil der Produktion wird nach China und Rumänien verlagert. Johannes Milde, Chef der Abteilung Gebäudetechnologie von Siemens, rechtfertigte den Stellenabbau mit der schwächelnden Wirtschaft und dem teuren Franken.

Viele Industrie-Unternehmen leiden unter den hohen Produktionskosten und der Frankenstärke in der Schweiz. Die Reserven der Firmen schrumpfen. In den kommenden Monaten drohen der Branche harte Einschnitte und weitere Verlagerungen ins Ausland.

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