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BSI wird aufgelöst: Absturz einer Schweizer Institution

BSI: Die Bank wird spätestens in zwölf Monaten verschwinden.   Keystone

Das Tessiner Institut BSI hat eine jahrhundertalte Tradition. Bald gibt es die Bank nicht mehr. Der Abstieg der Privatbank begann mit einem verhängnisvollen Zukauf.

Von Christian Bütikofer
am 24.05.2016

Die BSI wird spätestens in zwölf Monaten nicht mehr existieren, teilte die Finanzaufsicht Finma heute mit. Die Traditionsbank hat eine lange Geschichte: 1873 wurde sie als Banca della Svizzera Italiana in Lugano gegründet – sie ist somit die älteste Bank im Tessin. Schon 1908 stieg die Mailänder Banca Commerciale Italiana als Aktionärin ein, 75 Jahre später verkaufte sie ihr Paket an den New Yorker Irving Trust, bis 1991 der Schweizerische Bankverein Mehrheitseigner wurde.

1998 kaufte der italienische Versicherungsriese Generali die Bank. Seit dem Jahr 2000 firmierte sie nur noch als BSI AG. Das Tessiner Traditionshaus beschäftigte 2012 rund 2000 Angestellte. Die im Private Banking und in der Vermögensverwaltung aktive BSI unterhielt ein Netz von 31 Filialen und Töchtern in Europa, Asien, Mittel- und Südamerika und verwaltete ein Vermögen von 81,5 Milliarden Franken.

Teure Schweiz und teures Asien

In den 2000er Jahren traten BSI und ihre Mutter Generali zweimal als Konsolidierer auf dem Schweizer Finanzplatz auf: 2006 kauften sie die Privatbank Banca Unione di Credito für 400 Millionen Franken von Fiat. Die Banca del Gottardo folgte zwei Jahre später. Für das Private-Banking-Institut bezahlten sie 1,875 Milliarden Franken an Swiss Life. Aus dieser Akquisition stand bei der BSI ein Goodwill von 809 Millionen Franken in den Büchern.

Wachstum erreichte die BSI vor allem in Asien. Die Bank besass seit März 2012 eine Niederlassung mit voller Banklizenz in Hongkong. Der erhebliche Ausbau der Präsenz in den Wachstumsmärkten trieb die Kosten in die Höhe. Trotz mehr als 10 Milliarden Dollar an verwalteten Kundenvermögen und 240 Mitarbeitern arbeitete die Bankentochter in Singapur bis 2012 nicht profitabel.

Bereits 2010 wechselte Hanspeter Brunner, langjähriger Schweizer Co-Chef der Privatbank Coutts, zur Generali-Tochter. An die hundert seiner Mitarbeiter sollen ihm ­damals gefolgt sein. Ohne finanzielle Versprechen dürfte das kaum möglich gewesen sein.

Hohe Busse wegen US-Steuerdeals

Doch nicht nur in Asien kämpfte das ­Finanzinstitut mit beträchtlichen Aufwendungen, auch die Geschichte lastete auf dem Institut. Die hohen Kosten aus der Fusion mit der Banca del Gottardo blieben bestehen. Damals, im Jahr 2008, wurde weitgehend darauf verzichtet, das bestehende Geschäftsstellennetz zu straffen oder einen Personalabbau vorzunehmen.

Im Zuge der US-Steueraffäre wurde bekannt, dass die BSI im August 2008 deklariertes und undeklariertes Vermögen von Amerikanern in der Höhe von 2,78 Milliarden US-Dollar verwaltete. Von 3500 solchen Konti hatte die BSI 2164 aus den Käufen der Banca Unione di Credito und der Banca del Gottardo geerbt. Am 25. März 2015 veröffentlichte das US-Justizdepartement, dass die BSI als erste so genannte Kategorie-2-Bank wegen illegalen Steuerdeals den Amerikanern eine Busse von 211 Millionen US-Dollar zahlen wird.

Verkauf nach Brasilien

Mitte 2014 dann gab Generali bekannt, BSI verkaufen zu wollen. Die brasilianische Investmentbank BTG Pactual kaufte BSI für 1,5 Milliarden Schweizer Franken. Das Ziel der Brasilianer seinerzeit: Mit der BSI wollte man im Vermögensverwaltungsgeschäft auch in Europa wachsen.

Wenig später geriet die BSI in den Strudel des grössten brasilianischen Korruptionsfalls «Lava Jato», bei dem bekannt wurde, dass Beträge in dreistelliger Millionenhöhe vom staatlichen Ölkonzern Petrobras für Schmiergelder eingesetzt wurde. Auch Konti der BSI tauchten in den Ermittlungsakten auf. Der Chef von BTG Pactual wurde verhaftet.

Neben dem Fall Petrobras spielte die BSI auch im Fifa-Skandal eine Rolle. Das Bundesamt für Justiz hatte Ende 2015 zehn Schweizer Geldhäuser kontaktiert und Informationen angefordert. Im US-Rechtshilfeersuchen wird auch die BSI genannt.

Finma: «Hochrisiko-Bank»

Als der Skandal um den staatlichen malaysischen Entwicklungsfonds 1MDB Ende 2015 publik wurde, bei dem nach Informationen der Schweizerischen Bundesanwaltschaft bis zu 4 Milliarden US-Dollar zweckentfremdet wurden, tauchte wiederum die BSI an vorderster Front auf. Mittendrin stand die Dependance in Singapur, deren Chef Hanspeter Brunner war. Dessen Abgang bei den Tessinern kam im März 2016 für Aussenstehende überraschend.

Diese Wirren hielt das Schweizer Institut EFG International nicht davon ab, ein Auge auf BSI zu werfen. Im Februar 2016 wurde bekannt, dass die EFG mit dem Kauf der BSI zur fünftgrössten Schweizer Privatbank wird. Der Deal wurde von der Schweizer Finanzmarktaufsicht Finma genehmigt.

Anfang April berichtete die Finma dann, dass sie in der Schweiz 14 Institute ausgemacht hatte, die sie als «Hochrisiko-Banken» für Geldwäscherei betrachtet. Nun wird klar, dass damit auch die BSI gemeint war. Nun zwingt der Finanzplatz-Aufseher Finma die BSI zur völligen Liquidierung in spätestens zwölf Monaten. Wenn die EFG die Bank bis dahin einverleibt hat, wird nichts mehr an die Tessiner erinnern.

Teile dieses Artikels erschienen bereits in der gedruckten Ausgabe der «Handelszeitung».

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