Das alte Faxgerät feiert ein Comeback. Beim Bundesamt für Gesundheit (BAG) schleichen die neusten Corona-Fallzahlen aus Geräten, die man längst auf einem Schrottplatz in Indien glaubte. Doch es geht auch anders: Der Datenanalyst Palantir aus Palo Alto bietet derzeit Regierungen und Gesundheitsämtern rund um den Globus seine Hightech-Dienstleistungen an – und das zum Nulltarif.

Es ist ein Beispiel von vielen: Das klitzekleine Coronavirus stellt Geschäftsmodelle und Marketingstrategien auf den Kopf. Das, wofür gestern noch harte Dollar oder Franken verlangt wurde, wird heute zum Nulltarif abgegeben.

Bern prüft das Angebot

Die Palantir-Plattform heisst Foundry. Sie trägt Datenberge zusammen und knobelt daraus Entscheidungsgrund­lagen. Diese stellt sie Gesundheitsbehörden für das Krisenmanagement zur ­Verfügung. Jetzt sollen die Instant-Entscheidungsinstrumente der US-Firma auch in der Schweiz im Kampf gegen Corona helfen, mit dem Ziel, die knappen Ressourcen effizient einzusetzen. Offenbar hat der Bundesrat ein Angebot von Palantir auf dem Tisch und ist daran, dieses zu prüfen.

Die Firma drückt aufs Tempo: Bereits innert vier bis fünf Tagen nach dem Startschuss sollen aus dem Datenberg erste Analysen vorliegen. Das Tempo ermöglicht eine Cloudlösung, die offenbar ebenfalls kostenfrei zur Verfügung gestellt würde. Diverse Länder sind auf das Angebot von Palantir eingestiegen, darunter auch Grossbritannien und Griechenland.

Die Virusausbreitung modellieren

Worüber die Berner Behörden brüten, wird in anderen Staaten – USA, Grossbritannien oder Griechenland – bereits umgesetzt. Seit drei Wochen unterstützen die Datenanalysten aus Kalifornien die US-­Regierungsstelle Centers for Disease Control and Prevention (CDC) respektive das Einsatzzentrum Covid-19 Crisis Response.

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Sie bereiten für die Regierung sämtliche verfügbare Daten über Patienten, Lagerbestände, Beatmungsgeräte und Spitalbetten auf und vergleichen sie ständig mit dem Ausbreitungsmuster des Virus.

Damit liefert Palantir Unterlagen für Entscheide, um Ärzte, Pflegepersonal, Betten oder Beatmungsgeräte an den richtigen Ort zu vermitteln. Ziel ist es auch, für die Bevölkerung No-Go-Areas zu definieren oder Verkehrsströme zu steuern. Donald Trump hat Support dringend nötig, denn seine Regierung hat das Virus viel zu lange unterschätzt, nun werden die USA von der Ansteckungswelle überrollt.

Datenschutzregeln strikt befolgen

Gemäss CDC-­­Direktor Ian Williams sind die US-­Behörden mit dem Palantir-Paket mehr als zufrieden. Kritik gabs von Datenschützern, die sich vor einem Überwachungsstaat fürchten. Gemäss US-Medienberichten sorgen die Behörden für eine strikte Einhaltung der nationalen Datenschutzregeln.

Die Firma hat Erfahrung mit tödlichen Seuchen. Gemäss «The Wall Street Journal» hat Palantir die US-Pandemiekontrolle beim Kampf gegen den Cholera-Ausbruch in Haiti 2010 mit Datenanalysen unterstützt, auch kostenlos.

Nicht um Leben und Tod ging es in Grossbritannien. Dort unterstützte man Boris Johnson bei der Vorbereitung auf einen No-Deal-Brexit. Palentir analysierte Handelsdaten, um drohende Engpässe im Transitverkehr auszumachen.

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