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Nonvaleur
Bushidos Schweizer IV-Rentner: Firma ausgehöhlt

Schweizer Geschäftsmann M.: Weiterer Deal in Deutschland gibt zu Fragen Anlass. (Bild: Keystone)

Der Schweizer, der vom Umfeld des deutschen Rappers Bushido in Berlin Firmen übernahm, war schon früher in einen seltsamen Deal in München verwickelt.

Von Christian Bütikofer
am 22.05.2013

Der Schweizer IV-Rentner M. übernahm vom deutschen Rapper Bushido und seinem Kumpel Arafat Abou-Chaker Firmenanteile. Etwa wechselten so die Ersguterjunge GmbH, die hinter Bushidos Label Ersguterjunge stand, den Besitzer.

Während der Rapper mit einem anderen Unternehmen mit leicht unterschiedlichem Namen, der Bushidoersguterjunge GmbH, weitermacht, führt die vom Schweizer M. übernommene und in Elementario Musik GmbH umbenannte Firma kein erkennbares Eigenleben. Handelszeitung.ch berichtete mehrmals darüber.

2008: «Kauf» mit einer aufgelösten Firma

Doch der Schweizer M. war schon lange vorher in Deutschland mit einem Firmenkauf aktiv, der Fragen aufwirft: So wurde am 19. Dezember 2008 die Messer Seegarten AG persönlich haftende Gesellschafterin der Fabricius GmbH & Co. Development KG Grundbesitz KG, wie handelszeitung.ch vorliegende Dokumente zeigen. Mit der Fabricius wurde im spanischen Malaga geschäftet. Laut offiziellen Dokumenten war man dort noch 2011 mit Gerichtsverfahren beschäftigt.

Die Messer Seegarten AG aus der Schweiz, die plötzlich als Besitzerin der Fabricius auftauchte, befand sich bei der «Übernahme» der Münchner Fabricius in Liquidation – sie wurde am 19. Februar 2007 vom Handelsregister von Amtes wegen aufgelöst. Zuvor wurde auf dem Dokument, das die Firmenübernahme besiegelte, noch geschrieben, die Messer Verwaltungen AG sei die Käuferin – doch die war bereits 2008 aus dem Schweizer Handelsregister gelöscht. Offenbar bemerkte man den «Fehler» und setzte später die - aufgelöste - Messer Seegarten AG ein.

Die Fabricius wurde somit durch eine praktisch wertlose Schweizer Firma «gekauft» – ein Klassiker, wie man Firmen aushöhlt. In Deutschland hat sich für diese Personen, die dieser Tätigkeit nachgehen, ein nicht eben schmeichelhafter Begriff eingebürgert: «Firmenbestatter». Oft geht es bei Firmenbestattungen schlicht darum, Ansprüche von Gläubigern ins Leere laufen zu lassen.

«Ich nahm kein Geld in die Hand»

Im Gespräch behauptete M. im Fall der Bushido-Firmen nicht selber hinter den übernommenen Firmen zu stehen. «Ich nahm kein Geld in die Hand», sagte M. «Der Kauf wurde von den Leuten in Deutschland finanziert.» Es gehe darum, dass die Unternehmen Firmen saniert würden, damit sie nicht Konkurs gingen und dann sauber liquidiert werden könnten.

«Ein Mittelmann fragte mich, ob ich das übernehmen kann», so M. weiter. Man habe ihm für seine Tätigkeit ein Gehalt von 10'000 Euro pro Jahr versprochen, von denen er bisher allerdings nur 5000 erhalten habe. Bushido und Arafat Abou-Chaker wiesen alle Angaben des Schweizers über ihre Anwältin als falsch zurück.

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