Zu den Glanzzeiten der ehemaligen Swissair zählte der Flughafen Zürich zu den wichtigeren Destinationen im Luftfrachtgeschäft. Mit dem Niedergang der Swissair allerdings änderte sich die Situation schlagartig. Das Grounding bewirkte einen tiefen Einschnitt im Frachtgeschäft. Die abgefertigten Volumina reduzierten sich deutlich. Heute allerdings präsentiert sich die Situation wieder deutlich besser.

«Die Geschichte der Cargologic ist eine Erfolgsstory», stellt Peter Widmer, Präsident des Verwaltungsrates des Unternehmens, mit Stolz fest. Im Jahr 2002 befand sich die damalige Frachttochter der Swissair im Nachlass, rund 800 Mitarbeitende standen vor einer ungewissen Zukunft. Heute ? sechs Jahre später ? ist bei Cargologic ein deutlicher Aufwärtstrend feststellbar. Das Unternehmen, welches nun zur deutschen Rhenus-Gruppe gehört, bietet seine Dienstleistungen nicht nur auf Schweizer Flughäfen, sondern auch auf verschiedenen internationalen Airports in Europa an.

Mit der Reduktion der Flotte der früheren Swissair sind die in Zürich umgeschlagenen Volumina stark zurückgegangen. Durch die Aufstockung der Swiss-Flotte im interkontinentalen Verkehr auf 21 Maschinen erfuhr auch die Luftfracht wieder eine Zunahme. Der Ziel- und Quellenverkehr ab Zürich wächst derzeit jährlich um 5 bis 8%. Zürich hat als Luftfrachtdestination wieder an Bedeutung gewonnen, auch deshalb, weil die Swiss derzeit eine Auslastung ihrer Frachtkapazitäten von rund 85% aufweist. Widmer erinnert auch daran, dass die Fracht heute für die Swiss einen entscheidenden Deckungsbeitrag im Fluggeschäft leistet. Rund 60% der von Cargologic jährlich umgeschlagenen 360000 Luftfracht-Tonnen betreffen den Transitverkehr, der zu rund 95% von der Swiss bewältigt wird.

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NACHGEFRAGT peter widmer, VR-Präsident der Cargologic


«Haben Paris und London im Visier»

Welches Umsatzvolumen erzielt Cargologic derzeit?

Peter Widmer: Im Geschäftsjahr 2006 erzielte die Rhenus-Alpina- Gruppe einen Umsatz von 249 Mio Fr., davon entfiel knapp die Hälfte auf Cargologic.

Welches sind neben den Schweizer Airports Zürich, Bern, Basel und Lugano weitere wichtige Zentren, in denen Cargologic Dienstleistungen anbietet?

Widmer: Neben den Schweizer Destinationen bietet Cargologic ihre Dienstleistungen auch in Frankfurt, Amsterdam, Brüssel, Schwerin und Bratislava an.

Welche kommen in der Zukunft dazu?

Widmer: Im Visier haben wir die Standorte Paris und London. Allerdings ist es nicht so einfach, an diesen Standorten Fuss zu fassen, da wir eine Lizenz des jeweiligen Staates dazu benötigen.

Welches sind die wichtigsten Dienstleistungen, welche Cargologic rund um die Luftfracht anbietet?

Widmer: Man muss dabei unterscheiden zwischen dem Handling für die Airlines und für die Spediteure. Für die Fluggesellschaften stellen wir die einzelnen Frachtsendungen zusammen, kontrollieren diese, verbauen die Fracht auf Flugzeugpaletten und laden die einzelnen Frachtsendungen zwischen den einzelnen Flügen um. Für die Spediteure erledigen wir die Zolldeklarationen, übernehmen die Fracht von den Airlines und liefern diese an die Spediteure aus. Umgekehrt übernehmen wir die Fracht von den Spediteuren und leiten diese an die Airlines weiter. Wichtig sind vor allem die zusätzlichen Kontrollen der Luftfracht, das Scanning, welche zum Teil aufwendige Prüfanlagen erfordern, wie X-Ray-Geräte.

Immer wieder wird im Zusammenhang mit der Verkehrspolitik von der Luftfracht auf der Strasse gesprochen, also der Frachttransporte mit dem Lastwagen statt durch die Luft. Wie gravierend ist dieses Problem?

Widmer: Zahlreiche Airlines, welche Vollfrachter einsetzen, wie etwa Martinair oder Cathay Pacific, fliegen die Schweiz nicht mehr an, transportieren aber nach wie vor Luftfracht aus der Schweiz und in die Schweiz. Diese muss somit an andere Flughäfen in Europa, die von den erwähnten Airlines bedient werden, verschoben werden.

Wie gross ist der derzeitige Anteil dieser Luftfracht auf der Strasse am gesamten Volumen in Europa?

Widmer: Wir schätzen dieses Volumen derzeit auf rund 30%.

Auch von Engpässen in der Luftfracht ist oft die Rede. Wie schwierig ist es derzeit, genügend Frachtraum belegen zu können, und welche Mittel gibt es dazu?

Widmer: In der Luftfracht ist der unpaarige Verkehr nicht so gravierend wie etwa in der Schifffahrt. Trotzdem gibt es Destinationen, auf denen oft Kapazitätsprobleme auftreten. Mit dem langfristigen Chartern von Laderaum in den Flugzeugen kann dieses Problem behoben werden, aber meistens nur teilweise.