Das eigene Auto ist und bleibt beliebt. Im Oktober stieg die Zahl der neu zugelassenen Autos um mehr als 14 Prozent. Eine Viertelmillion neuer Fahrzeuge sind seit Anfang des Jahres auf Schweizer Strassen unterwegs. 

Viel hat sich offenbar nicht geändert. Seit längerem wird die «Sharing Economy» im Automarkt als die grosse Zukunft angepriesen. Das eigene Auto werde zum Relikt der Vergangenheit. Fakt ist: bis heute ist diese Prognose nicht annähernd eingetroffen. Neue Formen der Auto-Nutzung haben sich kaum durchgesetzt.

Im Gegenteil: Der persönliche Personenwagen ist in den vergangenen Jahren stetig gestiegen. Insgesamt sind heute rund 4,7 Millionen Autos in der Schweiz zugelassen, vor zehn Jahren waren es rund 4 Millionen.

Mobility und Co.

Im Vergleich dazu ist die Flotte von Mobility – dem ersten und führenden Anbieter hierzulande – mit 2'890 Fahrzeugen in der ganzen Schweiz sehr bescheiden. Immer wieder schraubte die Carsharing-Genossenschaft an ihrem Geschäftsmodell und musste Standorte ihrer Leihautos aufgeben. Mittlerweile bietet Mobility etwa auch Luxusautos an und will seine E-Auto-Flotte erheblich ausbauen.

Ein anderes Modell: Sharoo, an dem sich der Autohändler Amag beteiligt, stellt eine digitale Plattform zur Verfügung, auf der Autofahrer anderen Sharoo-­Benutzern ihr Fahrzeug ausleihen können, wenn sie es gerade nicht benötigen. Nach eigenen Angaben hat das Startup 115'000 registrierte Nutzer.

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Nische in der Mobilität

Von einer Trendwende weg vom persönlichen Auto kann daher nicht die Rede sein. Von einer Nische spricht Timo Ohnmacht vom Kompetenzzentrum für Mobilität der Hochschule Luzern: Carsharing sei in den vergangenen Jahren zwar stark gewachsen, aber spiele im Schweizer Verkehr noch eine untergeordnete Rolle. Denn nur rund 3 Prozent aller fahrberechtigten Schweizer nutzen das Angebot.

«Die Schweiz ist immer noch ein Auto- und Zugland und die Ausdifferenzierungen der Verkehrslandschaft durch eine Vielzahl von Mobilitätsdienstleistungen wie Pooling und Sharing wird dies in naher Zukunft auch nicht ändern», sagt Ohnmacht.

Ein ähnliches Bild zeigt sich in DeutschlandFerdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen blickt ernüchtert auf die Lage im Carsharing-Geschäft, das sich bisher nicht als günstige und umweltfreundliche Alternative zum Privatauto etabliert hat.

Neben dem mässigen Kundenzuspruch gibt es laut Dudenhöffer ein weiteres Problem: Carsharing ist ein schwieriges Geschäft. Anbieter haben hohe Kosten, um ihre Fahrzeugflotten zu unterhalten. Bei geringer Auslastung oder nicht kostendeckenden Preisen würden die Unternehmen schnell Verluste machen.

«Mobility Services: Die grosse Ernüchterung». Ferdinand Dudenhöffer. CAR-Center Automotive Research, Universität Duisburg-Essen. November, 2019.

Nutzung: 12 Stunden im Jahr

Das Fazit des Autoexperten: «Carsharing schafft es nicht, die Menschen zu begeistern». Bei den deutschen Anbietern – die grössten sind Car2go und Drive – sind zwar fast 2,5 Millionen Autofahrer angemeldet. Diese nutzen nach Dudenhöffers Berechnung das Angebot aber nur 12 Stunden im Jahr. Die über 20'000 Fahrzeuge machen zudem nur einen sehr geringen Anteil am gesamten Fahrzeugbestand in Deutschland aus: 0,04 Prozent  Im Autofahrerland sind rund 47 Millionen Autos registriert – Tendenz steigend. 

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Seit Kurzem gibt es eine weitere Alternative zum eigenen FahrzeugAutos im Abonnement, auch in der Schweiz gibt es mehrere Anbieter. «Mit der Elektromobilität wird der Pkw mit den sogenannten Car-Abo Modellen eine weitere Möglichkeit erhalten, das persönliche Auto risikolos zu nutzen», sagt Ferdinand Dudenhöffer

(mlo)